Der Wirtschaftsnobelpreis 2015

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 2015 geht an den britischen Ökonomen Angus Deaton (*1945) für seine Analysen zum Konsumverhalten, über die Armut und über die Wohlfahrt.
Angus Deaton (*1945 in Edinburgh) studierte Wirtschaftswissenschaften an der traditionsreichen englischen Universität Cambridge und promovierte 1974. Deaton hat die britische und US-amerikanische Staatsbürgerschaft, heute ist er Professor an der renommierten Universität Princeton (NJ, USA).  Dank Deaton können Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftspolitik heute nicht nur auf Theorien zurückgreifen, sondern auf realistische Modelle, die auf empirischen Daten wie z.B. Daten zum individuellen Haushaltseinkommen basieren.

Hintergrund: Deaton beleuchtet in seiner Forschung die Rolle des privaten Konsums und Einkommens für eine Wirtschaftspolitik, die die Verbesserung von Wohlstand und Sozialstaat bei Verminderung der Armut zum Ziel hat. Seine qualitativen und quantitativen Analysen verknüpfen mikroökonomische und makroökonomische Aspekte sowie Aspekte der wirtschaftlichen Entwicklung.
Deaton entwickelte 1980 ein Verfahren, um einschätzen zu können, inwieweit die Nachfrage an Gütern von deren Preis und vom privaten Einkommen abhängt. Sein “Almost Ideal Demand System” ist heute ein Standardmodell in der Wissenschaft und Praxis.
Um 1990 entwickelte Deaton eine Theorie darüber, inwieweit der einzelne Konsument sein Komsumverhalten an sein Einkommen anpasst. Mit dieser Analyse konnte er Datenmuster bereitstellen, um makroökonomische Wirtschaftszyklen besser zu verstehen.
In seinen jüngsten Forschungen analysiert Deaton die Zusammenhänge zwischen Wohlfahrt bzw. Sozialstaat und Armut. Dabei konnte er zeigen, dass eine genaue Messung der individuelle Haushaltseinkommen bei der Unterscheidung der verschiedenen Mechanismen der wirtschaftlichen Entwicklung hilft. Seine Forschunhgsergebnisse deckten die Unzulänglichkeiten beim Vergleich des Ausmaßes von Armut über Zeiten und Orte auf. Die Nutzung von genauen Haushaltsdaten kann auch ein Licht auf andere Felder werfen, wie dem Zusammenhang zwischen individuellem Einkommen und Kalorienaufnahme oder geschlechtsbedingter Diskrimierung innerhalb von Familien.

Casanova und Leipzig

*Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften wird erst seit 1969 vergeben und ist eigentlich der Preis der Schwedischen Reichsbank auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften zum Andenken an Alfred Nobel. Dieser Preis wurde zum 300-jährigen Bestehen der Schwedischen Reichsbank von ihr 1968 gestiftet (und 1969 erstmals vergeben).

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Das Preisgeld beträgt dieses Jahr 8 Mio. Schwedische Kronen (ca. 850.000 EUR).

Man vergleiche mit dem Wirtschaftsnobelpreise 2014

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/economics/laureates/2015/ (Pressemitteilung der Nobelstiftung)

Website von Angus Deaton in Princeton

Der Friedensnobelpreis 2015

Der Friedensnobelpreis 2015 geht an das Quartett für einen nationalen Dialog in der Politik Tunesiens für seinen entscheidenden Beitrag zum Aufbau einer pluralistischen Demokratie in Tunesien nach der Jasmin-Revolution im Jahr 2011.

Das tunesische Quartett für einen nationalen Dialog ist eine Art “Runder Tisch” der wichtigsten gesellschaftlichen Zivilorganisationen in Tunesien, das nach der Jasmin-Revolution 2010/11 im Jahr 2013 in eine politische Krise geriet. Die Jasmin-Revolution begann im Dezember 2010 aufgrund sozialer Spannungen mit einer extrem hohen Arbeitslosigkeit. Sie führte schließlich zum Sturz des alleinherrschenden Präsidenten Ben Ali und war Ausgangspunkt des “Arabischen Frühlings”, der u.a. auch in Ägypten zum Umsturz führte. 2013 kam die gerade keimende Demokratie in Tunesien in eine Krise, die sich insbesondere in bedrohlichen Spannungen zwischen islamistischen und säkularen Parteien ausdrückte.

Wappen der Tunesischen Republik

Wappen der Tunesischen Republik

Das Quartett für einen nationalen Dialog setzt sich aus vier Organistionen der tunesischen Zivilgesellschaft zusammen: die Tunesische Gewerkschaft, der Tunesische Arbeitgeber- und Handelsverband, die Tunesische Liga für Menschenrechte und die Tunesische Anwaltskammer. Die Ehrung mit dem Friedensnobelpreis 2015 soll ihre friedliche und erfolgreiche Dialogarbeit zum Aufbau einer pluralistischen Demokratie in Tunesien würdigen. Zugleich soll damit über Tunesien hinaus der ganzen Welt gezeigt werden, dass ein konsensorientierter, friedlicher Dialog zwischen islamistischen und säkularen Kräften möglich ist.

[Kommentar der Redaktion: Dies ist einer der schönsten und politisch anregendsten Friedensnobelpreise der letzten Jahre, dies gilt insbesondere nach den geradezu törichten Ehrungen von Obama oder der EU mit dem Friedensnobelpreis]

Casanova und Leipzig

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/peace/laureates/2015/(Seite der Nobelstiftung)

Der Literaturnobelpreis 2015

Der Literaturnobelpreis 2015 geht an die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch (*1948) für ihr vielstimmiges Schreiben, das dem Leiden und dem Mut unserer Zeit ein Denkmal setzt.

Swetlana Alexijewitsch bei einer Lesung im Literaturhaus Köln 2013, Bild: Elke Wetzig (wikipedia

Swetlana Alexijewitsch bei einer Lesung im Literaturhaus Köln 2013, Bild: Elke Wetzig (wikipedia)

Die Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch (*1948 in Stanislav bzw. Iwano-Frantiwsk, West-Ukraine, Galizien) verbrachte ihre Kindheit in Weißrussland und studierte in Minsk bis 1972 Journalismus. Fortan arbeitete sie als Lehrerin, Journalistin und Schriftstellerin. Alexijewitschs Thema ist die gesellschaftkritische Aufarbeitung der Kriege der UDSSR. Als Schriftstellerin setzt sie journalistische Methoden und Darstellungsformen wie Recherchen, Interviews, Essays und Reportagen im Sinne einer Collage ein. Ihr erstes Buch Der Krieg hat kein weibliches Gesicht behandelt das Schicksal sowjetischer Soldatinnen im Zweiten Weltkrieg, Sie hatte es bereits 1983 geschrieben, es konnte aber wegen der Zensur erst mit der beginnenden Perestroika 1985 erscheinen. Im Buch Zinkjungen. Afghanistan und die Folgen setzt sich die Schriftstellerin mit den Folgen des sowjetischen Afghanistan-Feldzuges auseinander. Spätere Themen ihrer Werke sind u.a. die Atomkatastrophe in Tschernobyl oder die Umbruchzeit in Russland nach dem Zusammenbruch der UDSSR.
Swetlana Alexijewitsch wurde bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter u.a. mit dem Lenin-Komsomol-Preis (1986), dem Tucholsky-Preis (1996), dem Leipziger Buchpreis (1998) und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhnadels (2013).

Casanova und Leipzig

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Werke (Auswahl):

Der Krieg hat kein weibliches Gesicht (1985, dt. 1987)
Die letzten Zeugen. Kinder im Zweiten Weltkrieg (1985, dt. 1989)
Zinkjungen. Afghanistan und die Folgen (1989, dt.1992)
Seht mal, wie ihr lebt. Russische Schicksale nach dem Umbruch (dt. 1999)
Tschernobyl. eine Chronik der Zukunft (dt. 2006)
Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus (dt. 2013)

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2015/ (Seite der Nobelstiftung)

Spiegel-Artikel von 2013 über Swetlana Alexijewitsch

Der Chemie-Nobelpreis 2015

Der Chemienobelpreis 2015 geht an die Forscher Tomas Lindahl (*1938), Paul Modrich (*1946) und Aziz Sancar (*1946) für ihre Erforschung der DNA-Reparaturmechanismen.


Tomas Lindahl (*1938 in Stockholm) ist ein schwedischer Mediziner, der mit einer Arbeit über die Struktur der DNA in Lösungen 1967 am Karolinska Intitut (wo auch der Nobelpreis verkündet wird) bei Stockholm promovierte. Nach einem Post-Doc-Aufenthalt in den USA ging der Wissenschaftler 1969 zurück an das Karolinska Intitut, später wurde er Professor in Göteborg. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Erforschung von DNA-Reparatursystemen. Lindahl konnte als Erster zeigen, dass die menschliche Erbsubstanz DNA gar nicht so stabil ist wie man zuvor dachte, und daher eigentlich nicht für eine korrekte Vererbung geeignet sei. Dann entdeckte Lindahl, dass die DNA in den Zellen laufend mit besonderen Enzymen - den Glykosylasen - durch Exzision (Herausschneiden von fehlerhaften DNA-Basen) repariert wird, damit bei der Vererbung weniger Fehler übertragen werden. Für seine Forschungsergebnisse wurde der inzwischen emeritierte Lindahl bereits mehrfach ausgezeichnet.

Paul Modrich (*1946) ist ein amerikanischer Biochemiker, der 1973 an der renommierten Stanford University promovierte. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Krebsmedizin und dabei insbesondere in der Erforschung der Erbsubstanz DNA. Er arbeitet gegenwärtig als Professor an der Duke University in Durham (USA). Modrich untersuchte bestimmte DNA-Fehler, die nur bei der Zellteilung auftreten und für die Erkrankung an vererbbaren Darmkrebs verantwortlich sind. Dabei entdeckte Modrich einen speziellen, mit dem Enzym DNA-Polymerase ausgeführten Reparaturmechanismus, welcher die Wahrscheinlichkeit einer falschen Basenpaarung in der DNA (s.u. DNA-Struktur) durch laufende Reparaturkontrolle (”mismatch-repair”) auf ein Tausendstel senkt.

Aziz Sancar (*1946 in Savur, Türkei) hat die türkische und die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Sancar promovierte 1977 an der University of Texas in Dallas. Sein Forschungsgebiet ist die Molekulargenetik, heute ist er Professor an der University of North Carolina School of Medicine (USA). Sancar entdeckte die speziellen Reparaturmechanismen zur Reparatur von DNA-Schäden, die durch UV-Strahlung entstehen und Hautkrebs verursachen können. Bei dem von ihm entdecktem Mechanismus wird mit speziellen Enzymen - den Photylasen - eine ganze Nukleotid-Einheit aus der DNA herausgeschnitten (nucleotide excision). Die DNA ist eine Kette von Nukleotiden, wobei die Nukleotide aus einem Basen-Molekül, einem Zuckermolekül und einem Phosphorsäurerest bestehen.

Hintergrund: Die Information über unser Erbgut liegt auf dem Molekül DNA (Desoxyribonukleinsäure, DNS). Das strangförmige DNA-Molekül besteht aus Nukleotid-Einheiten, welche wiederum jeweils aus einem Basen-Molekül, einem Zuckermolekül und einem Phosphorsäurerest bestehen. Dabei treten vier unterschiedliche Basen-Moleküle auf: Adenin (A), Guanin (G), Cytosin (C) und Thymin (T).

Animiertes Strukturmodel der DNA-Helix, Bild: R. Wheeler (zephyris auf wikipedia)

Animiertes Strukturmodel der DNA-Helix, Bild: R. Wheeler (zephyris auf wikipedia)

Ein DNA-Molekül besteht aus zwei Nukleotid-Strängen, die sich helixartig winden, wobei gegenüberliegnde Basen über Wasserstoffbrückenbindungen zu A-T und G-C gepaart werden.
Äußere Einwirkungen wie UV-Strahlung, radioaktive Strahlung oder bestimmte Chemikalien oder auch spontane Mutationen können zu Fehlern beim Aufbau der DNA führen, wie z.B. einer falschen Basenpaarung. Diese Fehler treten laufend auf, und können, wenn sie nicht repariert werden, z.B. zur Produktion fehlerhafter Proteine führen und schwerwiegende Erkrankungen verursachen. Lindahl, Modrich und Sancar entdeckten die wichtigsten Reparaturmechanismen, um DNA-Fehler zu reparieren. Eine entscheidende Rolle bei der DNA-Reparatur spielen Enzyme (Reparaturenzyme) wie z.B. die Glykosylase, die Photylase oder die DNA-Polymerase. Nichts desto trotz bleiben einige Fehler wichtig, d.h. eine 100-prozentige DNA-Reparatur ist gar nicht sinnvoll, da mittels “fehlerhafter” Mutationen die Evolution voranschreiten und neue, besser angepasste Varianten erschaffen kann.

Basenpaarung in DNA-Struktur, Bild: madprime auf wikipedia

Basenpaarung in DNA-Struktur, Bild: madprime auf wikipedia

Casanova und Leipzig

Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/chemistry/laureates/2015/(Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/chemistry/laureates/2015/press.html (Pressemitteilung der Nobel-Stiftung)

Website der Arbeitsgruppe Tomas Lindahl

Website der Arbeitsgruppe Paul Modrich

Website der Arbeitsgruppe Aziz Sancar

Der Physik-Nobelpreis 2015

Der Physik-Nobelpreis 2015 geht an die Physiker Takaaki Kaijta (*1959) und Arthur B. McDonald (*1943) für ihre Entdeckung der Neutrinooszillation, welche beweist, dass Neutrinos eine Masse haben.


Casanova und Leipzig

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Arthur B. McDonald (*1943, Sydney, Kanada) ist ein kanadischer Physiker, der zunächst in Kanada studierte und später am California Institute of Technology in Physik promovierte. In den 1980iger Jahren war er Professsor in Princeton, später ging er wieder nach Kanada. McDonald erforscht das Gebiet der Elementarteilchenphysik. Seiner Forschergruppe gelang 2001 der Nachweis der Jahrzehnte vorher theoretisch vorhergesagten Neutrinooszillation anhand der Untersuchung kosmischer Sonnenneutrinos. Für diese Entdeckung wurde McDonald u.a. bereits mit der Benjamin-Franklin-Medaille ausgezeichnet.

Takaaki Kaijta (*1959, Higashimatsujama, Japan) ist ein japanischer Physiker, der in Tokio Physik studierte, dort promovierte und auch heute auf dem Gebiet der Elementarteilechenphysik forscht.  Ende der 1980iger Jahre entdeckte seine Forschungsgruppe, dass die atmosphärischen Neutrinos weniger sogenannte Myonneutrinos aufweisen, diese Neutrino-Anomalie erklärten sie 1988 mit der Neutrinooszillation. Kaijta wurde bereits früher für seine Entdeckungen mit vielen wissenschaftlichen Ehrungen, z.B. 2002 mit dem Panofsky-Preis für Teilchenphysik, ausgezeichnet.

Zum Thema:

Neutrinos zählten lange zu den meistgesuchten Teilchen. Der Quantenphysiker Wolfgang Pauli (Nobelpreis 1945) hat die Existenz dieses Elemetarteilchens bereits 1930 theoretisch vorhergesagt. Der Nachweis der Existenz von Neutrinos gelang Physikern in einem Nuklearreaktor 1956 (vgl. Nobelpreis 1995), allerdings war damit noch nicht geklärt, ob Neutrinos eine Masse haben.

Erste Neutrino-Beobachtung in einer Blasenkammer 1970

Erste Neutrino-Beobachtung in einer Blasenkammer 1970

Klar war nur, wenn Neutrinos eine Masse haben, dann nur eine außerordentlich kleine Masse. In den folgenden Jahrzehnten wurde in sehr aufwändigen Experimenten mit riesigen unterirdischen Detektoren versucht, eine Neutrinomasse zu bestimmen. In der Wissenschaft galten Neutrinos lange als die masselosen Teilchen, die in der kosmischen Strahlung alle Matrerie durchdringen. Zunächst erkannte man aber, dass es nach ihrem unterschiedlichen Symmetrieverhalten drei unterschiedliche Neutrino-Generationen gibt; das Elektron-Neutrino, das Myon-Neutrino und das Tau-Neutrino (siehe Bild Standardmodell der Elementarteilchen), die sich nur unter einer Bedingung ineinander umwandeln können, nämlich wenn sie eine Masse besitzen. Diese Umwandlung nennt man Neutrino-Oszillation. Takaaki Kaijta konnte erstmals eine solche Neutrino-Oszillation für Myon-Neutrinos in einem riesigen Detektor, 1000 Meter unter der Erde, nördlich von Tokio nachweisen. Demnach müssen Neutrinos eine (extrem geringe) Masse haben.

Standardmodell der Teilchenphysik mit Higgs-Boson (oben rechts)

Standardmodell der Teilchenphysik

Das Standardmodell der Teilchenphysik berücksichtigt die massebehafteten Teilchen. In den ersten 3 Spalten stehen die sogenannten Fermionen (Teilchen mit halbzahligem Spin). Darin sind die bekannteren, den Atomkern aufbauenden Neutronen und Protonen aus 6 Quark-Teilchen (aus 3 Quark-Familien: up/down, charm/strange und top/beauty) aufgebaut, das sind die blauen Kästchen oben links. Darunter kommen die Familien der sogenannten Leptonen, dabei die Neutrinos und ganz unten links findet man das Elektron. Dann gibt es in den beiden rechten Spalten die Teilchen vom Typ Boson (mit ganzzahligem Spin), oben ganz rechts das berühmte Higgs-Boson. Die Teilchen unterscheiden sich durch ihr Symmetrieverhalten (Spin), man vergleiche dazu auch den Nobelpreis für Physik 2008 sowie den Nobelpreis für Physik 2013.

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/physics/laureates/2015/ (Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/physics/laureates/2015/press.html (Pressemitteilung der Nobelstiftung)

Arbeitsgruppe von Takaaki Kaijta

Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2015

Der Medizin-Nobelpreis 2015 geht zur einen Hälfte an den irischen Biologen William C. Campbell (*1930) und an den japanischen Biochemiker Satoshi Ōmura (*1935) für ihre Entdeckungen im Zusammenhang mit einer neuen Therapie gegen Infektionen, die durch Wurmparasiten wie die Fadenwürmer verursacht werden,
und zur anderen Hälfte an die chinesische Pharmakologin Tu YouYou (*1930) für ihre Entdeckungen im Zusammenhang mit einer neuen Therapie gegen Malaria.

Die Nobelpreisträger für Physiogie und Medizin wurden am am 5. Oktober 2015 um 11:30 Uhr im Karolinska-Institut bei Stockholm bekannt gegeben


Casanova und Leipzig

Das Preisgeld beträgt 8 Mio Schwedische Kronen (ca. 850.000 €).

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

William C. Campbell (*1930 in Ramelton, Irland) studierte am Trinity College der University of Dublin und promovierte 1957 an der University of Wisconsin (USA). Danach arbeitete war er bis 1990 Mitarbeiter am Merck Institute for Therapeutic Research (USA), wo er auch an der Entdeckung antibiotischer bzw. antiparasitologischer Wirkstoffe, die sich vom Avermectin ableiten, arbeitete. Heute ist er emeritierter Professor an der Drew University in Madison (USA).

Satoshi Ōmura (*1935, Japan) studierte zunächst Chemie in Tokio, wo er später in Pharmazie und Chemie promivierte. Seit 1965 arbeitete er am Kitasato Institut in Tokio, dessen Präsident er später wurde. Ōmuras Forschertätigkeit konzentrierte sich auf die Isolierung von pharmazeutischen Wirkstoffen aus Bakterien und Pilzen. Dabei fand er auch zahlreiche Antibiotika wie z.B. die Avermectine.

Ōmura und Campbell gelang mit den Avermectin-Wirkstoffen insbesondere die wirksame Bekämpfung von Tropenkrankheiten wie Elephantiasis (”Elephantenkrankheit”) und Onchozerkose (Flussblindkeit), die durch Filarien, einer Überfamilie der Fadenwürmer, übertragen werden.

Filarien vom Typ Wuchereria Bancrofti

Filarien vom Typ Wuchereria Bancrofti

Chemische Strukturformel von Doramectin aus der Avermectin-Gruppe, Bild: Lukaz Mizoch (wikipedia)

Chemische Strukturformel von Doramectin aus der Avermectin-Gruppe, Bild: Lukaz Mizoch (wikipedia)

Tu YouYou (*1930, China) studierte Pharmazie in Peking und forschte an der Gewinnung von Arzneistoffen aus Heipfplanzen unter Berücksichtigung der Traditionellen Chinesischen Medizin. Auf diesem Gebiet ist sie auch Professorin. Tu YouYou isolierte den Wirkstoff Artesmisinin gegen die Malaria-Erkrankung aus dem Einjährigen Beifuß.

Tu YouYou hat mit der Entdeckung des Wirkstoffs Artesmisinin ungezählten Menschen, die an Malaria erkrankten, das Leben gerettet!

Malaria-Überträger Moskito Anopheles

Malaria-Überträger Moskito Anopheles

Chemische Strukturformel von Artemisinin, Bild: Ayacop, Leyo (wikipedia)

Chemische Strukturformel von Artemisinin, Bild: Ayacop, Leyo (wikipedia)

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2015/ (Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2015/press.html (Pressemitteilung der Nobelstiftung)


Casanova und Leipzig

Die Nobelpreiswoche 2015 beginnt am 5. Oktober:

Die Vertreter der Nobel-Stiftung haben die Termine zur Bekanntgabe der Nobelpreise 2015 festgelegt.

Montag, 5. Oktober, 11:30 Uhr: Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2015

Dienstag, 6. Oktober, 11:45 Uhr: Physik-Nobelpreis 2015

Mittwoch, 7. Oktober, 11:45 Uhr: Chemie-Nobelpreis 2015

Donnerstag, 8. Oktober, 13:00 Uhr: Literaturnobelpreis 2015

Freitag, 9. Oktober, 11:00 Uhr: Friedensnobelpreis 2015

Montag, 12. Oktober, 13:00 Uhr: Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 2015*
*eigentlich: Preis für Wirtschaftswissenschaften der Schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel


Casanova und Leipzig

In Stockholm wurden am 01. Oktober 2015 vier Persönlichkeiten und das gesamte Volk der Marshallinseln mit dem Alternativen Nobelpreis 2015 - dem Right Livelihood Award - ausgezeichnet. Die Preisträger sind 2015:

Tony de Brum und das Volk der Marshallinseln werden mit dem undotierten Ehrenpreis des Alternativen Nobelpreises ausgezeichnet “in Anerkennung ihrer Vision und ihres Mutes, mit rechtlichen Mitteln gegen die Atommächte vorzugehen, weil diese ihren Abrüstungsverpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag nicht nachkommen“.

Tony de Brum (*1945) hatte als Jugendlicher selbst die Atomwaffentests der USA auf den Marshallinseln erlebt. Heute ist er der Außenminister der Marshallinseln und reichte 2014 vor dem Internationalen Gerichtshof Klage gegen die neun Atommächte wegen Nichteinhaltung des Atomwaffensperrvertrages ein. Zuvor engagierte er sich im Klimaschutz für die Pazifikinseln (Majuro-Deklaration 2013).

Sheila Watt-Cloutier (*1953) (Kanada) wird mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet “für ihren lebenslangen Einsatz für die Rechte der Inuit und den Erhalt ihrer Lebensgrundlage und Kultur, die vom Klimawandel akut bedroht sind“. Sie war auch Vorsitzende des Inuit Circumpolar Council.

Sheila Watt-Cloutier, Bild: The SilentPhotographer (wikipedia)

Sheila Watt-Cloutier, Bild: The SilentPhotographer (wikipedia)

Kasha Jaqueline Nabagesera (*1980) (Uganda) wird mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt, “weil sie sich trotz unerträglicher Einschüchterung und Gewalt mit Mut und Hartnäckigkeit für das Recht von Lesebn, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen auf ein leben ohne Vorurteile und Verfolgung einsetzt”. Die ungandische Menschrechtsaktivistin zählt mit ihrem Engagement zu den mutigsten Aktivistinnen auf der Welt, Nagagesera gründete dafür die Organisation Freedom and Roam Uganda.

Gino Strada (*1948) (Italien) erhält den Preis “für die Schaffung hervorragender medizinischer und chirurgischer Nothilfe für die Opfer von Konflikt und Ungerechtigkeit und für seinen furchtlosen Einsatz gegen die Ursachen von Krieg“. Der italienische Arzt und Friedensaktivist gründete dafür die Organisation Emergency.

Gino Strada (2002), Bild: Drahreg01 (wikipedia)

Gino Strada (2002), Bild: Drahreg01 (wikipedia)

Das Preisgeld beträgt 2015 insgesamt (ausgenommen der Ehrenpreis) 3 Mio Schwedischen Kronen (ca. 320.000 €). Der Alternative Nobelpreis wird von der Stiftung Right Livelihood Foundation, die 1980 von Jakob von Uexküll gegründet wurde, vergeben. Hier steht der Artikel zum Alternativen Nobelpreis 2014.

Weitere Weblinks:

Aktueller Pressetext 2015 der Right Livelihood Foundation

http://www.rightlivelihood.org/ Homepage der Right Livelihood Foundation

http://www.rightlivelihood.org/the_founder.html - Informationen über den Gründer des Alternativen Nobelpreises Jakob von Uexküll

Casanova und Leipzig

Universität Harvard, Boston (USA), 17. September 2015
Ein Vierteljahrhundert Quatsch-Nobelpreise!
Zum 25. Mal wurden am 17. September im Sanders-Theater der Harvard Universität in Bosten (Massachusetts) die kultigen Ig-Nobelpreise verliehen. Ig steht wortspielerisch für ignoble, zu deutsch: gemein, niedrig, schmachvoll, unedel. Die Ig-Nobelpreise werden für besonders schrullige Forschungsarbeiten vergeben, die einen zum Lachen und zuweilen zum Nachdenken bringen. Es sind “echte” Nobelpreisträger, die den Preis übergeben. Es wurden wieder zehn Forschungsarbeiten bzw. die dafür verantwortlichen Wissenschaftler Ig-ausgezeichnet:

In Chemie wurden Callum Ormond, Colin Raston, Tom Yuan, Stephan Kudlacek, Sameeran Kunche, Joshua N. Smith, William A. Brown, Kaitlin Pugliese, Tivoli Olsen, Mariam Iftikhar und Gregory Weiss ausgezeichnet für die Erfindung einer chemischen Rezeptur, um ein bereits gekochtes Ei teilweise wieder in den rohen Zustand zu überführen. (Methode zur Rückfaltung von Proteinen…)  (Quelle: Shear-Stress-Mediated Refolding of Proteins from Aggregates and Inclusion Bodies)

Der Preis für Medizin geht an Forscher aus Japan, China, USA, Slowakei u.a. Ländern: Hajime Kimata, Jaroslava Durdiakova, Peter Celec, Natalia Kamodyova, Tatiana Sedlackova, Gabriela Repiska, Barbara Sviezena und Gabriel Minarik für ihre Experimente zur Untersuchung des biomedizinischen Nutzens bzw. der Konsequenzen des intensiven Küssens (und anderer intimer, zwischenmenschlicher Aktivitäten). (Quelle:”Kissing Reduces Allergic Skin Wheal Responses and Plasma Neurotrophin Levels“)

Der Ig-Nobelpreis für Literatur geht an Mark Dingemanse, Francisco Torreira und Nick J. Enfield für ihre Entdeckung, dass das Wort “Huh?” (bzw. dessen Entsprechung) in jeder menschlichen Sprache existiert - und dafür, dass sie nicht herausgefunden haben, warum das so ist. (Quelle: “Is ‘Huh?’ a universal word? Conversational infrastructure and the convergent evolution of linguistic items“)

Der Ig-Nobelpreis für Physiologie und Entomologie geht an Justin Schmidt für seine mühevolle Erstellung des Schmidt Sting Pain Index, welcher die relativen Schmerzen nach dem Stich verschiedener Insektenarten beschreibt, und Michael L. Smith für seine sorgfältige Arbeit mit Honigbienen, bei der er sich wiederholt an 25 verschiedenen Körperstellen stechen ließ, um herauszufinden, welche Stichstellen am wenigsten schmerzhaft (Kopf, Spitze des mittleren Zehs, Oberarm) und welche am schmerzhaftesten sind (Nasenloch, Oberlippe und Penisschaft). (Quellen: “Hemolytic Activities of Stinging Insect Venoms” und: “Honey Bee Sting Pain Index by Body Location“)

Den Preis für Management erhalten Gennaro Bernile, Vineet Bhagwat und P. Raghavendra Rau für ihre Erkenntnis, dass viele Geschäftsführer sich in ihrer Kindheit Risikobereitschaft aneigneten, wenn sie Naturkatastrophen (wie Erdbeben, Vulkanausbrüche, Tsunamis und Waldbrände) selbst erlebten ohne selbst dabei geschädigt zu werden. (Quelle: “What Doesn’t Kill You Will Only Make You More Risk-Loving: Early-Life Disasters and CEO Behavior“)

In Physik werden Patricia Yang, David Hu, Jonathan Pham und Jerome Choo für ihre Studie zur Verifizierung des biologischen Prinzips, dass fast alle Säugetiere innerhalb von 21 Sekunden ihre Harnblase leeren – plus/minus 13 Sekunden Ig-ausgezeichnet.. (Quelle: “Duration of Urination Does Not Change With Body Size,”)

In Wirtschaftswissenschaften ist der Preisträger die Bangkok Metropolitan Police, die ihre Polizeibeamten zusätzlich entlohnt, wenn sie auf Bestechungsgelder verzichten. (Quelle: viele Zeitungsberichte)

In Mathematik werden Ig-ausgezeichnet: Elisabeth Oberzaucher und Karl Grammer, die mittels mathematischer Methoden herauszufinden suchten, ob und wie Moulai Ismael der Blutdürstige, der sharifische Kaiser von Marokko, es geschafft hatte, in der Zeit von 1697 bis 1727 sage und schreibe 888 Kinder zu zeugen. (Quelle: “The Case of Moulay Ismael-Fact or Fancy?“)

Den Ig-Nobelpreis für Biologie bekommen Bruno Grossi, Omar Larach, Mauricio Canals, Rodrigo A. Vasquez und Jose Iriarte-Diaz für ihre Beobachtung, dass Hühner in einer ähnlichen Weise wie Dinosaurier gehen, wenn ihnen zuvor ein beschwerter Stab am Hinterteil befestigt wurde. (Quelle: “Walking Like Dinosaurs: Chickens with Artificial Tails Provide Clues about Non-Avian Theropod Locomotion“)

Der Preis für Medizinische Diagnostik geht an Diallah Karim, Anthony Harnden, Nigel D’Souza, Andrew Huang, Abdel Kader Allouni, Helen Ashdown, Richard J. Stevens und Simon Kreckler für ihren Nachweis, dass akute Blinddarmentzündung zuverlässig diagnostiziert werden kann durch die Stärke der Schmerzen, die der Patient spürt, wenn man ihn über eine Bremsschwelle fährt. Quelle: “Pain Over Speed Bumps in Diagnosis of Acute Appendicitis: Diagnostic Accuracy Study“)

Video: Die Verleihung im Sanders-Theater auf youtube

http://improbable.com/ (Seite der “Ig-Nobelstiftung” Improbable Resaerch, zu deutsch: unwahrscheinliche Wissenschaft)


Stockholm, 13. Oktober 2014, 13:00 Uhr

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften* 2014 geht an den Franzosen Jean Tirole (*1953) für seine Analysen zur Marktmacht und ihrer Regulation.

Jean Tirole (Bild: Mme Tirole)

Jean Tirole (Bild: Mme Tirole)

Jean Tirole (*1953, Troyes, Frankreich) hat zunächst in Paris im Fach Mathematik und dann am Massachusetts Institute of Technology (MIT in Cambridge, MA, USA) in Wirtschaftswissenschaften promoviert. Professor Tirole arbeitet als wissenschaftlicher Direktor an der Toulouse School of Economics (an der Toulouse 1 Capitole University). Er erforscht die Marktmacht große Konzerne und entwickelte eine Theorie zu den Möglichkeiten der wirtschaftspolitischen Regulation dieser Konzerne, um gesellschaftliche Schäden, die eine unbeschränkte Marktmacht anrichten kann, zu verhindern. 2011 erhält Tirole die Ehrendoktorwürde der Universität Mannheim (s.u. Link zur Pressemitteilung).

Hintergrund
Es sind oft nur wenige globale Konzerne und Monopole wie beispielsweise die großen Telekommunikations-  Internet- und Finanzkonzerne, die ihren Markt fast unbeschränkt beherrschen. Diese monopolartige Marktmacht gefährdet einerseits den Markt selbst im Sinne eines nicht mehr funktionierenden Wettbewerbs, anderseits können daraus auch eine Reihe gesellschaftspolitischer Schäden aus einer maßlosen Profitmaximierung resultieren. Jean Tirol entwickelte theoretisch Regeln, die solchen Konzernen gestellt werden, um die Gefahren aus ihrer Marktmacht zu reduzieren, ohne das Unternehmen selbst zu beschädigen. Dabei handelt es sich um wirtschaftspolitische Instrumente wie beispielsweise die Einführung von Preisobergrenzen. Diese Instrumente der Regulation müssen nach Jean Tirole gewissermaßen auf jeden Konzerntyp abgestimmt werden, so dass die Konzerne mit hoher Produktivität wirtschaften können, ohne nachteilige Wirkungen auf Wettbewerber und Kunden (und Staat).

*Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften wird erst seit 1969 vergeben und ist eigentlich der Preis der Schwedischen Reichsbank auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften zum Andenken an Alfred Nobel. Dieser Preis wurde zum 300-jährigen Bestehen der Schwedischen Reichsbank von ihr 1968 gestiftet (und 1969 erstmals vergeben).

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Das Preisgeld beträgt dieses Jahr 8 Mio. Schwedische Kronen (ca. 900.000 EUR).

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/economics/laureates/2014/ (Pressemitteilung der Nobelstiftung)

Pressemitteilung zur Ehrendoktorwürde an Tirole von der Universität Mannheim

Homepage von Jean Tirole an der Toulouse School of Economics

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