Universität Harvard, Boston (USA), 17. September 2015
Ein Vierteljahrhundert Quatsch-Nobelpreise! Zum 25. Mal wurden am 17. September im Sanders-Theater der Harvard Universität in Bosten (Massachusetts) die kultigen Ig-Nobelpreise verliehen. Ig steht wortspielerisch für ignoble, zu deutsch: gemein, niedrig, schmachvoll, unedel. Die Ig-Nobelpreise werden für besonders schrullige Forschungsarbeiten vergeben, die einen zum Lachen und zuweilen zum Nachdenken bringen. Es sind „echte“ Nobelpreisträger, die den Preis übergeben. Es wurden wieder zehn Forschungsarbeiten bzw. die dafür verantwortlichen Wissenschaftler Ig-ausgezeichnet:
In Chemie wurden Callum Ormond, Colin Raston, Tom Yuan, Stephan Kudlacek, Sameeran Kunche, Joshua N. Smith, William A. Brown, Kaitlin Pugliese, Tivoli Olsen, Mariam Iftikhar und Gregory Weiss ausgezeichnet für die Erfindung einer chemischen Rezeptur, um ein bereits gekochtes Ei teilweise wieder in den rohen Zustand zu überführen. (Methode zur Rückfaltung von Proteinen…) (Quelle: Shear-Stress-Mediated Refolding of Proteins from Aggregates and Inclusion Bodies)
Der Preis für Medizin geht an Forscher aus Japan, China, USA, Slowakei u.a. Ländern: Hajime Kimata, Jaroslava Durdiakova, Peter Celec, Natalia Kamodyova, Tatiana Sedlackova, Gabriela Repiska, Barbara Sviezena und Gabriel Minarik für ihre Experimente zur Untersuchung des biomedizinischen Nutzens bzw. der Konsequenzen des intensiven Küssens (und anderer intimer, zwischenmenschlicher Aktivitäten). (Quelle:“Kissing Reduces Allergic Skin Wheal Responses and Plasma Neurotrophin Levels„)
Der Ig-Nobelpreis für Literatur geht an Mark Dingemanse, Francisco Torreira und Nick J. Enfield für ihre Entdeckung, dass das Wort „Huh?“ (bzw. dessen Entsprechung) in jeder menschlichen Sprache existiert – und dafür, dass sie nicht herausgefunden haben, warum das so ist. (Quelle: „Is ‚Huh?‘ a universal word? Conversational infrastructure and the convergent evolution of linguistic items„)
Der Ig-Nobelpreis für Physiologie und Entomologie geht an Justin Schmidt für seine mühevolle Erstellung des Schmidt Sting Pain Index, welcher die relativen Schmerzen nach dem Stich verschiedener Insektenarten beschreibt, und Michael L. Smith für seine sorgfältige Arbeit mit Honigbienen, bei der er sich wiederholt an 25 verschiedenen Körperstellen stechen ließ, um herauszufinden, welche Stichstellen am wenigsten schmerzhaft (Kopf, Spitze des mittleren Zehs, Oberarm) und welche am schmerzhaftesten sind (Nasenloch, Oberlippe und Penisschaft). (Quellen: „Hemolytic Activities of Stinging Insect Venoms“ und: „Honey Bee Sting Pain Index by Body Location„)
Den Preis für Management erhalten Gennaro Bernile, Vineet Bhagwat und P. Raghavendra Rau für ihre Erkenntnis, dass viele Geschäftsführer sich in ihrer Kindheit Risikobereitschaft aneigneten, wenn sie Naturkatastrophen (wie Erdbeben, Vulkanausbrüche, Tsunamis und Waldbrände) selbst erlebten ohne selbst dabei geschädigt zu werden. (Quelle: „What Doesn’t Kill You Will Only Make You More Risk-Loving: Early-Life Disasters and CEO Behavior„)
In Physik werden Patricia Yang, David Hu, Jonathan Pham und Jerome Choo für ihre Studie zur Verifizierung des biologischen Prinzips, dass fast alle Säugetiere innerhalb von 21 Sekunden ihre Harnblase leeren – plus/minus 13 Sekunden Ig-ausgezeichnet.. (Quelle: „Duration of Urination Does Not Change With Body Size,“)
In Wirtschaftswissenschaften ist der Preisträger die Bangkok Metropolitan Police, die ihre Polizeibeamten zusätzlich entlohnt, wenn sie auf Bestechungsgelder verzichten. (Quelle: viele Zeitungsberichte)
In Mathematik werden Ig-ausgezeichnet: Elisabeth Oberzaucher und Karl Grammer, die mittels mathematischer Methoden herauszufinden suchten, ob und wie Moulai Ismael der Blutdürstige, der sharifische Kaiser von Marokko, es geschafft hatte, in der Zeit von 1697 bis 1727 sage und schreibe 888 Kinder zu zeugen. (Quelle: „The Case of Moulay Ismael-Fact or Fancy?„)
Den Ig-Nobelpreis für Biologie bekommen Bruno Grossi, Omar Larach, Mauricio Canals, Rodrigo A. Vasquez und Jose Iriarte-Diaz für ihre Beobachtung, dass Hühner in einer ähnlichen Weise wie Dinosaurier gehen, wenn ihnen zuvor ein beschwerter Stab am Hinterteil befestigt wurde. (Quelle: „Walking Like Dinosaurs: Chickens with Artificial Tails Provide Clues about Non-Avian Theropod Locomotion„)
Der Preis für Medizinische Diagnostik geht an Diallah Karim, Anthony Harnden, Nigel D’Souza, Andrew Huang, Abdel Kader Allouni, Helen Ashdown, Richard J. Stevens und Simon Kreckler für ihren Nachweis, dass akute Blinddarmentzündung zuverlässig diagnostiziert werden kann durch die Stärke der Schmerzen, die der Patient spürt, wenn man ihn über eine Bremsschwelle fährt. Quelle: „Pain Over Speed Bumps in Diagnosis of Acute Appendicitis: Diagnostic Accuracy Study„)
Video: Die Verleihung im Sanders-Theater auf youtube
http://improbable.com/ (Seite der „Ig-Nobelstiftung“ Improbable Resaerch, zu deutsch: unwahrscheinliche Wissenschaft)
