Archiv für die Kategorie 'Medizin-Nobelpreise'

Stockholm, 3. Oktober 2016: Der Nobelpreisträger für Physiogie und Medizin wurde am am 3. Oktober 2016 um 11:30 Uhr im Karolinska-Institut bei Stockholm bekannt gegeben.

Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2016 geht an den japanischen Zellbiologen Yoshinori Ohsumi „für die Entdeckung des Mechanismus der Autophagie (Autophagozytose)“


Yoshinori Ohsumi (*1945 in Fukuaka, Japan) ist ein bereits mehrfach ausgezeichneter Zellbiologe. Ohsumi bekann in Tokio mit einem Chemiestudium und wechselte später zur Molekularbiolgie. Nach der Promotion forschte er als Postdoc an der US-amerikanischen Rockefeller University. Danach arbeitete er wieder in Japan an wissenschaftlichen Instituten in Tokio und Okazaki. Er spezialisierte sich auf den Membrantransport in Vakuolen, welche im Prozess der Autophagozytose, wobei die Zellen ihre eigenen Bestandteile verwerten und sich abbauen, eine wichtige Rolle spielen. Bei der Autophagozytose fressen sich die Zellen gewissermaßen selbst. Ohsumi konnte den Prozess der Autophagie auf molekularer Ebene erstmals an Hefezellen aufklären. Inzwischen sind auf molekulargenetischer Ebene auch die beteiligten Gene bekannt. Ohsumi konnte in der Folge auch die Autophagie in Säugetierzellen aufklären. Die Autophagozytose ist ein lebensnotwendiger Prozess zum Abbau alter und beschädigter oder fremder Zellbestandteile. So dient dieser spezielle Fressmechnismus in der Immunantwort auch der Beseitigung fremder Viren, Bakterien oder anderer Fremdproteine aus der gesunden Zelle.

Im Vorfeld zur Vergabe des Medizin-Nobelpreises 2016 gab es am Karolinska-Institut bei Stockholm einen Skandal um den umstrittenen Transplantationsmediziner Paolo Macchiarini, dem unethische Vorgehensweisen vorgeworfen werden. Im Zuge dieses Skandals trat der Generalsekretär der Nobeklpreis-Jury, Urban Lendahl, von seinem Amt zurück „aus Respekt vor der Integrität des Nobelpreises“.

Casanova und Leipzig

Das Preisgeld beträgt 8 Mio Schwedische Kronen (ca. 850.000 €).

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2016/ (Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2016/press.html (Pressemitteilung der Nobelstiftung)

Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2015

Der Medizin-Nobelpreis 2015 geht zur einen Hälfte an den irischen Biologen William C. Campbell (*1930) und an den japanischen Biochemiker Satoshi Ōmura (*1935) für ihre Entdeckungen im Zusammenhang mit einer neuen Therapie gegen Infektionen, die durch Wurmparasiten wie die Fadenwürmer verursacht werden,
und zur anderen Hälfte an die chinesische Pharmakologin Tu YouYou (*1930) für ihre Entdeckungen im Zusammenhang mit einer neuen Therapie gegen Malaria.

Die Nobelpreisträger für Physiogie und Medizin wurden am am 5. Oktober 2015 um 11:30 Uhr im Karolinska-Institut bei Stockholm bekannt gegeben


Casanova und Leipzig

Das Preisgeld beträgt 8 Mio Schwedische Kronen (ca. 850.000 €).

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

William C. Campbell (*1930 in Ramelton, Irland) studierte am Trinity College der University of Dublin und promovierte 1957 an der University of Wisconsin (USA). Danach arbeitete war er bis 1990 Mitarbeiter am Merck Institute for Therapeutic Research (USA), wo er auch an der Entdeckung antibiotischer bzw. antiparasitologischer Wirkstoffe, die sich vom Avermectin ableiten, arbeitete. Heute ist er emeritierter Professor an der Drew University in Madison (USA).

Satoshi Ōmura (*1935, Japan) studierte zunächst Chemie in Tokio, wo er später in Pharmazie und Chemie promivierte. Seit 1965 arbeitete er am Kitasato Institut in Tokio, dessen Präsident er später wurde. Ōmuras Forschertätigkeit konzentrierte sich auf die Isolierung von pharmazeutischen Wirkstoffen aus Bakterien und Pilzen. Dabei fand er auch zahlreiche Antibiotika wie z.B. die Avermectine.

Ōmura und Campbell gelang mit den Avermectin-Wirkstoffen insbesondere die wirksame Bekämpfung von Tropenkrankheiten wie Elephantiasis („Elephantenkrankheit“) und Onchozerkose (Flussblindkeit), die durch Filarien, einer Überfamilie der Fadenwürmer, übertragen werden.

Filarien vom Typ Wuchereria Bancrofti

Filarien vom Typ Wuchereria Bancrofti

Chemische Strukturformel von Doramectin aus der Avermectin-Gruppe, Bild: Lukaz Mizoch (wikipedia)

Chemische Strukturformel von Doramectin aus der Avermectin-Gruppe, Bild: Lukaz Mizoch (wikipedia)

Tu YouYou (*1930, China) studierte Pharmazie in Peking und forschte an der Gewinnung von Arzneistoffen aus Heipfplanzen unter Berücksichtigung der Traditionellen Chinesischen Medizin. Auf diesem Gebiet ist sie auch Professorin. Tu YouYou isolierte den Wirkstoff Artesmisinin gegen die Malaria-Erkrankung aus dem Einjährigen Beifuß.

Tu YouYou hat mit der Entdeckung des Wirkstoffs Artesmisinin ungezählten Menschen, die an Malaria erkrankten, das Leben gerettet!

Malaria-Überträger Moskito Anopheles

Malaria-Überträger Moskito Anopheles

Chemische Strukturformel von Artemisinin, Bild: Ayacop, Leyo (wikipedia)

Chemische Strukturformel von Artemisinin, Bild: Ayacop, Leyo (wikipedia)

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2015/ (Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2015/press.html (Pressemitteilung der Nobelstiftung)


Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2014

 

geht zur einen Hälfte an den amerikanisch-britischen Neuropsychologen John O’Keefe (*1939, NYC) und zur anderen Hälfte an ein Forscher-Ehepaar aus Norwegen, die beiden Hirnforscher May-Britt (*1963) und Edvard Moser (*1962) für die Entdeckung der für den räumlichen Orientierungssinn verantwortlichen Komponenten im Gehirn.

John O’Keefe (*1939, NYC) ist ein experimentell forschender Psychologe, der seit 1967 am University College London arbeitet.

John O'Keefe, Neurowissenschaftler und Nobelpreisträger (Bild: Per Henning / NTNU)

John O'Keefe (Bild: Per Henning / NTNU)

Bei Experimenten an Ratten entdeckte Keefe 1971, dass im Hippocampus, eine in der Evolution sehr früh herausgebildete Gehirnregion in Form eines Seepferdchens, ein bestimmter Typ von Nervenzellen (Neuronen) immer dann aktiviert ist, wenn eine Ratte einen bestimmten Ort einnimmt. Demnach bilden diese Neuronen („Place Cells“) eine Art Karte des Raumes, in dem sich die Ratte nun orientieren kann. Seine Theorie über die Funktionsweise des Orientierungssinns mittels dieser Neuronen im Hippocampus konnte mit Experimenten an Ratten und auch an Menschen bestätigt werden.

May-Britt und Edvard Moser (Bild: KI/CBM, Kavli Institut der NTNU)

May-Britt und Edvard Moser (Bild: KI/CBM, Kavli Institut der NTNU)

May-Britt (*1963, Fosnavåg) und Edvard Moser (*1962, Ålesund) sind norwegische Hirnforscher, die in den 1990iger Jahren als Postdoktoranden bei John O’Keefe in London gearbeitet haben. Seit 1996 forschen sie im norwegischen Trondheim an der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegen (NTNU) und gründeten dort später ein Zentrum für die Biologie des Gedächtnisses (heute das Kavli-Institut). Beide entdeckten im Jahr 2005 eine weitere, wesentliche Neuronen-Komponente des Orientierungssinns im Hippocampus, die sogenannten „grid-cells“ (Koordinaten-Zellen oder auch Raster-Zellen). Ebenso fanden sie einen Neuronentyp im Gehirnareal des entorhinalen Cortex, der dem Erkennen einer Bewegungsrichtung dient. May-Britt und Edvards Mosers Forschungen auf der Grundlage von O’Keefes Entdeckungen zum Hippocampus geben sehr wichtige Aufschlüsse über unseren Orientierungssinn und das „Raum-Zeit-Gedächtnis“.  Es ist also nicht falsch, wenn man sagt, dass diese Forscher das „GPS“ oder das „Navi“ unseres Gehirns entdeckt haben.

Die Entdeckungen der drei Neurowissenschaftler sind auch von großer Bedeutung für die Erforschung und Behandlung der Alzheimer-Krankheit, die u.a. Fehlfunktionen im Hippocampus aufweist.

Hippocampus-Präparat aus dem menschl. Gehirn von Prof. Lazlo Seress (links) und Vergleich mit Seepferdchen (rechts)

Hippocampus-Präparat aus menschl. Gehirn des ungar. Neurowissenschaftlers Prof. Lázló Seress (links), zum Vergleich Seepferdchen (rechts)

Das Preisgeld beträgt 8 Mio Schwedische Kronen (ca. 900.000 €).

Noch zwei statistische Anmerkungen zum Medizin-Nobelpreis 2014: Es gibt bislang nur verhältnismäßig wenige Frauen unter den Nobelpreisträgern. Frau May-Britt Moser ist die 12. Medizin-Nobelpreisträgerin. Gemeinsam ausgezeichnete Ehepaare kommen sehr selten vor! Edvard und May-Britt Moser sind das 5. Ehepaar, das gemeinsam mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wird.

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2014/ (Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2014/press.html (Pressemitteilung der Nobelstiftung)

Homepage der Arbeitsgruppe von John O’Keefe am University College London

Homepage von May-Britt und Edvard Moser am Kavli-Institut der NTNU

Stockholm, 7. Oktober 2013

Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2013 geht an die drei Biochemiker und Zellforscher James E. Rothman (*1950, USA), Randy W. Schekman (*1948, USA) und den deutschen Thomas C. Südhof (*1955 in Göttingen, D) für ihre Entdeckungen zum wichtigen intrazellulären Transport über die Vesikel.

Rothman, Schekman und Südhof konnten mit ihren Entdeckungen zur Organsiation des Transports wichtiger Moleküle (Botenstoffe, Hormone) in den Zellen unser Verständnis über die Ursachen zahlreicher Krankheiten wesentlich verbessern, darunter zu Krankheiten wie Diabetes, Alzheimer, Parkinson und anderen auch erblich bedingten Erkrankungen.

Die drei Biochemiker arbeiten alle in den USA an sehr renommierten Universitäten, Rothman an der Yale-Universität (New Haven, Connectitut), Schekman an der Universität Berkeley und Südhof an der Universität Stanford, beide in Kalifornien.

Randy Schekman (Bild: eLife Sciences Publications, Ltd)

Randy Schekman

Schekman erforscht die Regulation des intrazellulären Transports von Proteinen und die genetische Grundlage dieser Regulation an Hefezellen vor dem Hintergrund der Erforschung von Erbkrankheiten. Schekman wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Sein Anteil am Nobelpreis liegt in der Aufklärung genetischer Grundlagen bei der Regulation des intrazellulären Transports.

Rothman erforscht den Mechanismus der intrazellulären Membranfusion in bestimmten Vesikeln, die spezielle Proteine transportieren können. Einige Krankheiten liegen Störungen im Mechanismus dieser Membranfusionen zugrunde. Bei Diabetes Typ 2 sind dies beispielsweise Störungen im Transport von Insulin. Rothman wurde bereits vielfach ausgzeichnet. Er wird nun auch mit dem Nobelpreis geehrt für die Aufklärung der Protein-Protein-Wechselwirkungen, die die Kopplung (Fusion) der molekularen Fracht (Proteine, Botenstoffe) an die Vesikel ermöglicht.

Der deutsche Biochemiker Thomas Südhof untersucht insbesondere das neuronale Transportsystem vor dem Hintergrund der Ausschüttung von Neurotransmittern im Zusammenhang mit der Erforschung neuronaler Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer. Südhof bekommt den Nobelpreis für seine Entdeckung, wie neuronale Signale die Vesikel mit ihrer molekularen Fracht (Proteine, Botenstoffe) beim Transportmechanismus so steuern, dass diese Fracht präzise den Bestimungsort am Rezeptor erreicht (s. unten Abb. 2).

Hintergrund:

Abb. 1  Intrazellulärer Transport über Vesikel

Schema Vesikeltransport zwischen Zellkern, ER und Golgi-Apparat (Bild: Magnus Manske, Wikipedia)

Schema Vesikeltransport zwischen Zellkern, ER und Golgi-Apparat

Abbildung 1 zeigt schematisch eine Art des intrazellulären Transports mittels Vesikel (7) zwischen Zellkern (1,2,) und Golgi-Apparat (8-11) über das Endoplasmatische Retikulum, ER, (3-5) mir angedeuteten Makromolekülen (6).
Dabei stülpen sich zunächst kleine Vesikel (7, das sind Transportblasen) aus einer Membran (z.B. am Rand des Zellkerns) heraus. In diesen Vesikeln können Makromoleküle wie z.B. große Proteine (darunter Hormone, Signalstoffe) geschützt transportiert werden. Das Endoplasmatische Retikulum (ER) ist ein membranumschlossenes, weitverzweigtes Kanalsystem in der Zelle. Der Golgi-Apparat ist ein sehr komplexer Zellbestandteil, in dem viele wichtige Proteine hergestellt werden.
Die Regulation dieses intrazellulären Transports über Vesikel ist ein fundamentaler Prozess in der Zelle, dessen Erforschung ein Ziel der drei diesjährigen Medizin-Nobelpreisträger ist.

Abb. 2 Transport von Neurotransmittern über Vesikel  in Synapsen

Schema Transport Neurotransmitter über Vesikel in Synapsen

Schema Transport Neurotransmitter über Vesikel in Synapsen

Abbildung 2 zeigt den Transport von Neurotransmittern in Synapsen, d.h. nach Ausschüttung wird der Neurotransmitter, z.B. Dopamin, in Vesikeln von Nerv zu Nerv transportiert. Diese Art des Transports von Botenstoffen ist auch Forschungthema des deutschen Nobelpreisträgers Thomas Südhof.

Den Medizin-Nobelpreis im Jahr 2000 gab es übrigens für den Signaltransport in Synapsen.

Das Preisgeld beträgt 8 Mio Schwedische Kronen (ca. 930.000 €).

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2013/ (Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2013/press.html (Pressemitteilung der Nobelstiftung)

Arbeitsgruppe von Thomas Südhof an der Universität Stanford

Über James Rothman an der Universität Yale

Über Randy Schekman an der Universität Berlekey

Stockholm, 8. Oktober 2012 – Die Nobelpreiswoche 2012 ist wieder eröffnet!

Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2012 geht an zwei Stammzellenforscher, an den britischen Biologen Sir John Bertrand Gurdon (*1933, Dippenhall, Hampshire, GB) und an den japanischen Mediziner und Stammzellenforscher Shinya Yamanaka (*1962, Ōsaka, Japan). Sie erhalten die Auszeichnung auf dem Gebiet der Zellforschung für ihre Entdeckung, dass pluripotente Stammzellen aus der Reprogrammierung reifer Zellen erhalten werden können.

Der Biologe John B. Gurdon arbeitete lange Zeit als Professor an der Universität Cambridge in England. Bereits 1962 entdeckte er, dass die Zelldifferenzierung reversibel sein kann. Dazu verpflanzte Gurdon nur den Zellkern einer ausdifferenzierten Körperzelle aus dem Darm eines Krallenfrosches in die entkernte Eizelle eines anderen Krallenfrosches (siehe Bild unten). Aus dieser nun befruchteten Eizelle entwickelte sich das erste geklonte Tier. Weitere geklonte Tiere sollten später folgen, besonders berühmt wurde 1997 das Schaf Dolly.
Shinya Yamanaka ist Professor für Medizin an der Universität Kyōto in Japan. Er entwickelte 2006 eine Methode zur Gewinnung von induzierten  pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) aus der „Reprogrammierung“ von Bindegewebszellen (Fibroblasten) aus Mäusen. Ihre Ergebnisse sind von herausragender Bedeutung sowohl in der Grundlagenforschung und sehr wahrscheinlich auch in der zukünftigen medizinische Anwendung auf dem Feld der sogenannten Stammzellentherapie. Yamanaka wurde bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet.

Hintergrund: Stammzellen besitzen als eine Art allround-Vorläuferzellen die Möglichkeit sich zu spezialisierten Körperzellen (z.B. Hautzelle, Nervenzelle) zu differenzieren. Pluripotente Stammzellen haben die Möglichkeit sich zu vielen unterschiedlichen Organzellen ausdifferenzieren zu können, und sie sind daher von größtem medizinischen Interesse, etwa zum Wiederaufbau zerstörter Zellen. Embryonale Stammzellen (ES) sind pluripotent und werden aus Embryonen gewonnen, was ethisch sehr umstritten ist. Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) können dagegen aus reifen Organzellen (z.B. Leberzellen oder Blutzellen) ethisch unproblematisch gewonnen werden, indem bestimmte Gene (die auch in embryonalen Stammzellen vorkommen) in diese ausdifferenzierten, reifen Zellen per Retrovirus geschleust werden. Diese eingeschleusten Gene bewirken, dass die so induzierten Zellen sich wieder zu Stammzellen (rück-) entwickeln. Es wird also eine Art zellbiologische Reprogrammierung erreicht. Diese von Yamanaka und seiner Forschergruppe 2006 entwickelte Methode gilt als bahnbrechend und spektakulär, weil sie inzwischen auch auf menschliche Zellen anwendbar ist und auch weil sie keine Embryonen „verbraucht“.

Krallenfrosch (Bild: Peter Halasz, auf Wikipedia zu Krallenfrosch)

Krallenfrosch - das erste, von Gurdon geklonte Tier (Bild: Peter Halasz)

Das Preisgeld wurde dieses Jahr als Sparmaßnahme (!) um ein Fünftel von 10 auf 8 Mio Schwedische Kronen (ca. 930.000 €) gesenkt.

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2012/ (Seite der Nobelstiftung)

Stockholm, 3. Oktober 2011, 11:30 Uhr:
Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2011 geht an 3 Immunologen. Der Preis wird geteilt: Ausgezeichnet werden einerseits der amerikanische Forscher Bruce A. Beutler (*1957, Chicago) und der luxemburgische Biologe Jules A. Hoffmann (*1941, Echternach, Lux.) und andererseits der kanadische Immunologe Ralph M. Steinman (*1943, Montreal, † 2011 – Steinman starb kurz vor Bekanntgabe des Preises am 30. September!). Die neuen Medizin-Nobelpreisträger Beutler und Hoffmann erhalten die Auszeichnung für ihre Entdeckungen zur Aktivierung der körpereigenen Immunabwehr, Steinman für die Entdeckung und Erforschung der Dendritischen Zellen im Immunsystem.

Bruce Beutler, heute Professor für Immunologie am „Scripps Research Institute“ in Kalifornien, und Jules Hoffmann, Spezialist für das Immunsystem bei Insekten, heute Direktor am Institut für Biologie der französischen Forschungseinrichtung CNRS an der Universität Straßburg, erforschen bestimmte Strukturen (PAMP, Pathogen Associated Molecular Patterns), die auf Krankheitserregern zu finden sind, und die die Immunabwehr aktivieren. Die Forscher entdeckten nun dabei bestimmte Rezeptoren, die sogenannten „Toll-like-Receptors“, in der körpereigenen Immunabwehr, die körperfremde Strukturen wie die PAMP von körpereigenen Strukturen unterscheiden können. Das Wissen darum nützt bei Behandlung von Immunerkrankungen, so auch Autoimmunerkrankungen (wo körpereigene Zellen von der Immunabwehr fälschlicherweise als fremd erkannt werden).

Steinman lehrte und forschte an der Rockefeller University (NYC) und am „Christopher Browne Center for Immunology and Immune Diseases“. Steinman entdeckte bereits 1973 zusammmen mit Zanvil A. Cohn die Dendritischen Zellen und ihre besondere Funktion im Immunsystem des Körpers bei der Aktivierung des Immunsystems durch Erkennung von fremden Strukturen auf Zelloberflächen (von Antigenen).

Dendritische Zelle

Dendritische Zelle (Bild von J. Behnsen, P. Narang, F. Gunzer u.a.)

Die Preisübergabe erfolgt im Ramen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2011/ (Seite der Nobelstiftung)
Die Forschungsgruppe um Bruce Beutler
Die Forschungsgruppe Jules Hoffmann
Die Forschungsgruppe Ralph Steinmann

Nobelpreisträger Medizin und Physiologie

Jahr
Nobelpreisträger (Lebensdaten) Land
Gewürdigte Arbeiten

2016
Yoshinori Ohsumi (*1945 in Fukuaka, Japan)
für die Entdeckung des Mechanismus der Autopha

2015
William C. Campbell
(*1930, Irland) und
Satoshi Ōmura (*1935, Japan) für ihre Entdeckungen im Zusammenhang mit einer neuen Therapie gegen Infektionen, die durch Wurmparasiten verursacht werden
und
Tu YouYou (*1930, China)
für ihre Entdeckungen im Zusammenhang mit einer neuen Therapie gegen Malaria

2014
John O’Keefe (*1939, USA)
May-Britt Moser (*1963, NOR)
Edvard Moser (*1963, NOR)
für:
für die Entdeckung der für den räumlichen Orientierungssinn verantwortlichen Komponenten im Gehirn.

2013
James E. Rothman (*1950, USA)
Randy W. Schekman (*1948, USA)
Thomas C. Südhof (*1955 in Göttingen, D)
für:
ihre Entdeckungen zur Regulation der Vesikel im intrazellulären Transportsystem, ein sehr wichtiges Transportsystem in den Zellen.

2012
Sir John Bertrand Gurdon (*1933, Dippenhall, Hampshire, GB)
Shinya Yamanaka (*1962, Ōsaka, Japan)
für:
ihre Forschungen auf dem Gebiet der Zellforschung, insbesondere für ihre Entdeckung, dass pluripotente Stammzellen aus der biologischen Reprogrammierung reifer Zellen erhalten werden können.

2011
Bruce A. Beutler (*1957, Chicago, USA) und Jules A. Hoffmann (*1941, Echternach, Luxemburg)
//Ralph M. Steinman (*1943, Montreal, Kanada)
für:
Entdeckungen zur Aktivierung der körpereigenen Immunabwehr
// Entdeckung und Erforschung der Dendritischen Zellen im Immunsystem

2010
Robert G. Edwards (* 1925)

für die Entwicklung der in-vitro-Fertilisation (künstliche Befruchtung)

2009
Elizabeth Blackburn (* 1948) Australien/USA
Carol W. Greider (* 1961) USA
Jack Szostak (* 1952) GB/USA

Entdeckung wie Chromosome durch Telomere und das Enzym Telomerase geschützt werden

2008
Harald zur Hausen (* 1936) D;
// Françoise Barré-Sinoussi (* 1947) F
Luc Montagnier (* 1932) F

Entdeckung der Auslösung von Gebärmutterhalskrebs durch humane Papillomviren;
// Entdeckung des HI-Virus

2007
Mario Capecchi (* 1937) I/USA
Martin Evans (* 1941) GB
Oliver Smithies (* 1925) GB/USA

Entdeckungen zum Einbau veränderter Gene in Mäusen (Knockout-Mäuse) über embryonale Stammzellen

2006
Andrew Z. Fire (* 1959) USA
Craig Mello (* 1960) USA

Entdeckung der RNA-Interferenz

2005
Barry Marshall (* 1951) Australien
J. Robin Warren (* 1937) Australien

Entdeckung des Magenbakteriums Helicobacter pylori und dessen Bedeutung bei Gastritis und Magengeschwüren

2004
Richard Axel (* 1946) USA
Linda B. Buck (* 1947) USA

Erforschung der Riechrezeptoren und der Organisation des olfaktorischen Systems

2003
Paul C. Lauterbur (1929-2007) USA
Peter Mansfield (* 1933) USA

Entdeckungen in Bezug auf die Abbildung mit Magnetresonanz

2002
Sydney Brenner (* 1927) Südafrika/GB
H. Robert Horvitz (* 1947) USA
John E. Sulston (* 1942) GB

Entdeckungen zur genetischen Regulierung der Organentwicklung und des programmierten Zellsterbens (Apoptose)

2001
Leland H. Hartwell (* 1939) USA
Tim Hunt (* 1943) GB
Paul M. Nurse (* 1949) GB

Entdeckungen zur Regulation des Zellzyklus

2000
Arvid Carlsson (* 1923) Schweden
Paul Greengard (* 1925) USA
Eric Kandel (* 1929) Österreich/USA

Entdeckungen zur Signalübertragung im Nervensystem

1901
Emil von Behring (1854-1917) D

Arbeiten über Serumtherapie und besonders für deren Anwendung gegen Diphtherie

1902
Ronald Ross (1857-1932) GB

Arbeiten über Malaria, durch die er nachwies, wie die Krankheit in den Organismus gelangt

1903
Niels Ryberg Finsen (1860-1904) Faröer/Dänemark

in Anerkennung seines Beitrags zur Behandlung von Krankheiten, insbesondere von Lupus vulgaris, mittels konzentrierter Lichtstrahlen Den ganzen Beitrag lesen »