Archiv für die Kategorie 'Nobelpreise-Medizin'

Stockholm, 3. Oktober 2016: Der Nobelpreisträger für Physiogie und Medizin wurde am am 3. Oktober 2016 um 11:30 Uhr im Karolinska-Institut bei Stockholm bekannt gegeben.

Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2016 geht an den japanischen Zellbiologen Yoshinori Ohsumi „für die Entdeckung des Mechanismus der Autophagie (Autophagozytose)“


Yoshinori Ohsumi (*1945 in Fukuaka, Japan) ist ein bereits mehrfach ausgezeichneter Zellbiologe. Ohsumi bekann in Tokio mit einem Chemiestudium und wechselte später zur Molekularbiolgie. Nach der Promotion forschte er als Postdoc an der US-amerikanischen Rockefeller University. Danach arbeitete er wieder in Japan an wissenschaftlichen Instituten in Tokio und Okazaki. Er spezialisierte sich auf den Membrantransport in Vakuolen, welche im Prozess der Autophagozytose, wobei die Zellen ihre eigenen Bestandteile verwerten und sich abbauen, eine wichtige Rolle spielen. Bei der Autophagozytose fressen sich die Zellen gewissermaßen selbst. Ohsumi konnte den Prozess der Autophagie auf molekularer Ebene erstmals an Hefezellen aufklären. Inzwischen sind auf molekulargenetischer Ebene auch die beteiligten Gene bekannt. Ohsumi konnte in der Folge auch die Autophagie in Säugetierzellen aufklären. Die Autophagozytose ist ein lebensnotwendiger Prozess zum Abbau alter und beschädigter oder fremder Zellbestandteile. So dient dieser spezielle Fressmechnismus in der Immunantwort auch der Beseitigung fremder Viren, Bakterien oder anderer Fremdproteine aus der gesunden Zelle.

Im Vorfeld zur Vergabe des Medizin-Nobelpreises 2016 gab es am Karolinska-Institut bei Stockholm einen Skandal um den umstrittenen Transplantationsmediziner Paolo Macchiarini, dem unethische Vorgehensweisen vorgeworfen werden. Im Zuge dieses Skandals trat der Generalsekretär der Nobeklpreis-Jury, Urban Lendahl, von seinem Amt zurück „aus Respekt vor der Integrität des Nobelpreises“.

Casanova und Leipzig

Das Preisgeld beträgt 8 Mio Schwedische Kronen (ca. 850.000 €).

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2016/ (Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2016/press.html (Pressemitteilung der Nobelstiftung)

Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2015

Der Medizin-Nobelpreis 2015 geht zur einen Hälfte an den irischen Biologen William C. Campbell (*1930) und an den japanischen Biochemiker Satoshi Ōmura (*1935) für ihre Entdeckungen im Zusammenhang mit einer neuen Therapie gegen Infektionen, die durch Wurmparasiten wie die Fadenwürmer verursacht werden,
und zur anderen Hälfte an die chinesische Pharmakologin Tu YouYou (*1930) für ihre Entdeckungen im Zusammenhang mit einer neuen Therapie gegen Malaria.

Die Nobelpreisträger für Physiogie und Medizin wurden am am 5. Oktober 2015 um 11:30 Uhr im Karolinska-Institut bei Stockholm bekannt gegeben


Casanova und Leipzig

Das Preisgeld beträgt 8 Mio Schwedische Kronen (ca. 850.000 €).

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

William C. Campbell (*1930 in Ramelton, Irland) studierte am Trinity College der University of Dublin und promovierte 1957 an der University of Wisconsin (USA). Danach arbeitete war er bis 1990 Mitarbeiter am Merck Institute for Therapeutic Research (USA), wo er auch an der Entdeckung antibiotischer bzw. antiparasitologischer Wirkstoffe, die sich vom Avermectin ableiten, arbeitete. Heute ist er emeritierter Professor an der Drew University in Madison (USA).

Satoshi Ōmura (*1935, Japan) studierte zunächst Chemie in Tokio, wo er später in Pharmazie und Chemie promivierte. Seit 1965 arbeitete er am Kitasato Institut in Tokio, dessen Präsident er später wurde. Ōmuras Forschertätigkeit konzentrierte sich auf die Isolierung von pharmazeutischen Wirkstoffen aus Bakterien und Pilzen. Dabei fand er auch zahlreiche Antibiotika wie z.B. die Avermectine.

Ōmura und Campbell gelang mit den Avermectin-Wirkstoffen insbesondere die wirksame Bekämpfung von Tropenkrankheiten wie Elephantiasis („Elephantenkrankheit“) und Onchozerkose (Flussblindkeit), die durch Filarien, einer Überfamilie der Fadenwürmer, übertragen werden.

Filarien vom Typ Wuchereria Bancrofti

Filarien vom Typ Wuchereria Bancrofti

Chemische Strukturformel von Doramectin aus der Avermectin-Gruppe, Bild: Lukaz Mizoch (wikipedia)

Chemische Strukturformel von Doramectin aus der Avermectin-Gruppe, Bild: Lukaz Mizoch (wikipedia)

Tu YouYou (*1930, China) studierte Pharmazie in Peking und forschte an der Gewinnung von Arzneistoffen aus Heipfplanzen unter Berücksichtigung der Traditionellen Chinesischen Medizin. Auf diesem Gebiet ist sie auch Professorin. Tu YouYou isolierte den Wirkstoff Artesmisinin gegen die Malaria-Erkrankung aus dem Einjährigen Beifuß.

Tu YouYou hat mit der Entdeckung des Wirkstoffs Artesmisinin ungezählten Menschen, die an Malaria erkrankten, das Leben gerettet!

Malaria-Überträger Moskito Anopheles

Malaria-Überträger Moskito Anopheles

Chemische Strukturformel von Artemisinin, Bild: Ayacop, Leyo (wikipedia)

Chemische Strukturformel von Artemisinin, Bild: Ayacop, Leyo (wikipedia)

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2015/ (Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2015/press.html (Pressemitteilung der Nobelstiftung)


Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2014

 

geht zur einen Hälfte an den amerikanisch-britischen Neuropsychologen John O’Keefe (*1939, NYC) und zur anderen Hälfte an ein Forscher-Ehepaar aus Norwegen, die beiden Hirnforscher May-Britt (*1963) und Edvard Moser (*1962) für die Entdeckung der für den räumlichen Orientierungssinn verantwortlichen Komponenten im Gehirn.

John O’Keefe (*1939, NYC) ist ein experimentell forschender Psychologe, der seit 1967 am University College London arbeitet.

John O'Keefe, Neurowissenschaftler und Nobelpreisträger (Bild: Per Henning / NTNU)

John O'Keefe (Bild: Per Henning / NTNU)

Bei Experimenten an Ratten entdeckte Keefe 1971, dass im Hippocampus, eine in der Evolution sehr früh herausgebildete Gehirnregion in Form eines Seepferdchens, ein bestimmter Typ von Nervenzellen (Neuronen) immer dann aktiviert ist, wenn eine Ratte einen bestimmten Ort einnimmt. Demnach bilden diese Neuronen („Place Cells“) eine Art Karte des Raumes, in dem sich die Ratte nun orientieren kann. Seine Theorie über die Funktionsweise des Orientierungssinns mittels dieser Neuronen im Hippocampus konnte mit Experimenten an Ratten und auch an Menschen bestätigt werden.

May-Britt und Edvard Moser (Bild: KI/CBM, Kavli Institut der NTNU)

May-Britt und Edvard Moser (Bild: KI/CBM, Kavli Institut der NTNU)

May-Britt (*1963, Fosnavåg) und Edvard Moser (*1962, Ålesund) sind norwegische Hirnforscher, die in den 1990iger Jahren als Postdoktoranden bei John O’Keefe in London gearbeitet haben. Seit 1996 forschen sie im norwegischen Trondheim an der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegen (NTNU) und gründeten dort später ein Zentrum für die Biologie des Gedächtnisses (heute das Kavli-Institut). Beide entdeckten im Jahr 2005 eine weitere, wesentliche Neuronen-Komponente des Orientierungssinns im Hippocampus, die sogenannten „grid-cells“ (Koordinaten-Zellen oder auch Raster-Zellen). Ebenso fanden sie einen Neuronentyp im Gehirnareal des entorhinalen Cortex, der dem Erkennen einer Bewegungsrichtung dient. May-Britt und Edvards Mosers Forschungen auf der Grundlage von O’Keefes Entdeckungen zum Hippocampus geben sehr wichtige Aufschlüsse über unseren Orientierungssinn und das „Raum-Zeit-Gedächtnis“.  Es ist also nicht falsch, wenn man sagt, dass diese Forscher das „GPS“ oder das „Navi“ unseres Gehirns entdeckt haben.

Die Entdeckungen der drei Neurowissenschaftler sind auch von großer Bedeutung für die Erforschung und Behandlung der Alzheimer-Krankheit, die u.a. Fehlfunktionen im Hippocampus aufweist.

Hippocampus-Präparat aus dem menschl. Gehirn von Prof. Lazlo Seress (links) und Vergleich mit Seepferdchen (rechts)

Hippocampus-Präparat aus menschl. Gehirn des ungar. Neurowissenschaftlers Prof. Lázló Seress (links), zum Vergleich Seepferdchen (rechts)

Das Preisgeld beträgt 8 Mio Schwedische Kronen (ca. 900.000 €).

Noch zwei statistische Anmerkungen zum Medizin-Nobelpreis 2014: Es gibt bislang nur verhältnismäßig wenige Frauen unter den Nobelpreisträgern. Frau May-Britt Moser ist die 12. Medizin-Nobelpreisträgerin. Gemeinsam ausgezeichnete Ehepaare kommen sehr selten vor! Edvard und May-Britt Moser sind das 5. Ehepaar, das gemeinsam mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wird.

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2014/ (Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2014/press.html (Pressemitteilung der Nobelstiftung)

Homepage der Arbeitsgruppe von John O’Keefe am University College London

Homepage von May-Britt und Edvard Moser am Kavli-Institut der NTNU

Stockholm, 7. Oktober 2013

Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2013 geht an die drei Biochemiker und Zellforscher James E. Rothman (*1950, USA), Randy W. Schekman (*1948, USA) und den deutschen Thomas C. Südhof (*1955 in Göttingen, D) für ihre Entdeckungen zum wichtigen intrazellulären Transport über die Vesikel.

Rothman, Schekman und Südhof konnten mit ihren Entdeckungen zur Organsiation des Transports wichtiger Moleküle (Botenstoffe, Hormone) in den Zellen unser Verständnis über die Ursachen zahlreicher Krankheiten wesentlich verbessern, darunter zu Krankheiten wie Diabetes, Alzheimer, Parkinson und anderen auch erblich bedingten Erkrankungen.

Die drei Biochemiker arbeiten alle in den USA an sehr renommierten Universitäten, Rothman an der Yale-Universität (New Haven, Connectitut), Schekman an der Universität Berkeley und Südhof an der Universität Stanford, beide in Kalifornien.

Randy Schekman (Bild: eLife Sciences Publications, Ltd)

Randy Schekman

Schekman erforscht die Regulation des intrazellulären Transports von Proteinen und die genetische Grundlage dieser Regulation an Hefezellen vor dem Hintergrund der Erforschung von Erbkrankheiten. Schekman wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Sein Anteil am Nobelpreis liegt in der Aufklärung genetischer Grundlagen bei der Regulation des intrazellulären Transports.

Rothman erforscht den Mechanismus der intrazellulären Membranfusion in bestimmten Vesikeln, die spezielle Proteine transportieren können. Einige Krankheiten liegen Störungen im Mechanismus dieser Membranfusionen zugrunde. Bei Diabetes Typ 2 sind dies beispielsweise Störungen im Transport von Insulin. Rothman wurde bereits vielfach ausgzeichnet. Er wird nun auch mit dem Nobelpreis geehrt für die Aufklärung der Protein-Protein-Wechselwirkungen, die die Kopplung (Fusion) der molekularen Fracht (Proteine, Botenstoffe) an die Vesikel ermöglicht.

Der deutsche Biochemiker Thomas Südhof untersucht insbesondere das neuronale Transportsystem vor dem Hintergrund der Ausschüttung von Neurotransmittern im Zusammenhang mit der Erforschung neuronaler Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer. Südhof bekommt den Nobelpreis für seine Entdeckung, wie neuronale Signale die Vesikel mit ihrer molekularen Fracht (Proteine, Botenstoffe) beim Transportmechanismus so steuern, dass diese Fracht präzise den Bestimungsort am Rezeptor erreicht (s. unten Abb. 2).

Hintergrund:

Abb. 1  Intrazellulärer Transport über Vesikel

Schema Vesikeltransport zwischen Zellkern, ER und Golgi-Apparat (Bild: Magnus Manske, Wikipedia)

Schema Vesikeltransport zwischen Zellkern, ER und Golgi-Apparat

Abbildung 1 zeigt schematisch eine Art des intrazellulären Transports mittels Vesikel (7) zwischen Zellkern (1,2,) und Golgi-Apparat (8-11) über das Endoplasmatische Retikulum, ER, (3-5) mir angedeuteten Makromolekülen (6).
Dabei stülpen sich zunächst kleine Vesikel (7, das sind Transportblasen) aus einer Membran (z.B. am Rand des Zellkerns) heraus. In diesen Vesikeln können Makromoleküle wie z.B. große Proteine (darunter Hormone, Signalstoffe) geschützt transportiert werden. Das Endoplasmatische Retikulum (ER) ist ein membranumschlossenes, weitverzweigtes Kanalsystem in der Zelle. Der Golgi-Apparat ist ein sehr komplexer Zellbestandteil, in dem viele wichtige Proteine hergestellt werden.
Die Regulation dieses intrazellulären Transports über Vesikel ist ein fundamentaler Prozess in der Zelle, dessen Erforschung ein Ziel der drei diesjährigen Medizin-Nobelpreisträger ist.

Abb. 2 Transport von Neurotransmittern über Vesikel  in Synapsen

Schema Transport Neurotransmitter über Vesikel in Synapsen

Schema Transport Neurotransmitter über Vesikel in Synapsen

Abbildung 2 zeigt den Transport von Neurotransmittern in Synapsen, d.h. nach Ausschüttung wird der Neurotransmitter, z.B. Dopamin, in Vesikeln von Nerv zu Nerv transportiert. Diese Art des Transports von Botenstoffen ist auch Forschungthema des deutschen Nobelpreisträgers Thomas Südhof.

Den Medizin-Nobelpreis im Jahr 2000 gab es übrigens für den Signaltransport in Synapsen.

Das Preisgeld beträgt 8 Mio Schwedische Kronen (ca. 930.000 €).

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2013/ (Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2013/press.html (Pressemitteilung der Nobelstiftung)

Arbeitsgruppe von Thomas Südhof an der Universität Stanford

Über James Rothman an der Universität Yale

Über Randy Schekman an der Universität Berlekey

Stockholm, 8. Oktober 2012 – Die Nobelpreiswoche 2012 ist wieder eröffnet!

Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2012 geht an zwei Stammzellenforscher, an den britischen Biologen Sir John Bertrand Gurdon (*1933, Dippenhall, Hampshire, GB) und an den japanischen Mediziner und Stammzellenforscher Shinya Yamanaka (*1962, Ōsaka, Japan). Sie erhalten die Auszeichnung auf dem Gebiet der Zellforschung für ihre Entdeckung, dass pluripotente Stammzellen aus der Reprogrammierung reifer Zellen erhalten werden können.

Der Biologe John B. Gurdon arbeitete lange Zeit als Professor an der Universität Cambridge in England. Bereits 1962 entdeckte er, dass die Zelldifferenzierung reversibel sein kann. Dazu verpflanzte Gurdon nur den Zellkern einer ausdifferenzierten Körperzelle aus dem Darm eines Krallenfrosches in die entkernte Eizelle eines anderen Krallenfrosches (siehe Bild unten). Aus dieser nun befruchteten Eizelle entwickelte sich das erste geklonte Tier. Weitere geklonte Tiere sollten später folgen, besonders berühmt wurde 1997 das Schaf Dolly.
Shinya Yamanaka ist Professor für Medizin an der Universität Kyōto in Japan. Er entwickelte 2006 eine Methode zur Gewinnung von induzierten  pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) aus der „Reprogrammierung“ von Bindegewebszellen (Fibroblasten) aus Mäusen. Ihre Ergebnisse sind von herausragender Bedeutung sowohl in der Grundlagenforschung und sehr wahrscheinlich auch in der zukünftigen medizinische Anwendung auf dem Feld der sogenannten Stammzellentherapie. Yamanaka wurde bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet.

Hintergrund: Stammzellen besitzen als eine Art allround-Vorläuferzellen die Möglichkeit sich zu spezialisierten Körperzellen (z.B. Hautzelle, Nervenzelle) zu differenzieren. Pluripotente Stammzellen haben die Möglichkeit sich zu vielen unterschiedlichen Organzellen ausdifferenzieren zu können, und sie sind daher von größtem medizinischen Interesse, etwa zum Wiederaufbau zerstörter Zellen. Embryonale Stammzellen (ES) sind pluripotent und werden aus Embryonen gewonnen, was ethisch sehr umstritten ist. Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) können dagegen aus reifen Organzellen (z.B. Leberzellen oder Blutzellen) ethisch unproblematisch gewonnen werden, indem bestimmte Gene (die auch in embryonalen Stammzellen vorkommen) in diese ausdifferenzierten, reifen Zellen per Retrovirus geschleust werden. Diese eingeschleusten Gene bewirken, dass die so induzierten Zellen sich wieder zu Stammzellen (rück-) entwickeln. Es wird also eine Art zellbiologische Reprogrammierung erreicht. Diese von Yamanaka und seiner Forschergruppe 2006 entwickelte Methode gilt als bahnbrechend und spektakulär, weil sie inzwischen auch auf menschliche Zellen anwendbar ist und auch weil sie keine Embryonen „verbraucht“.

Krallenfrosch (Bild: Peter Halasz, auf Wikipedia zu Krallenfrosch)

Krallenfrosch - das erste, von Gurdon geklonte Tier (Bild: Peter Halasz)

Das Preisgeld wurde dieses Jahr als Sparmaßnahme (!) um ein Fünftel von 10 auf 8 Mio Schwedische Kronen (ca. 930.000 €) gesenkt.

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2012/ (Seite der Nobelstiftung)

Stockholm, 3. Oktober 2011, 11:30 Uhr:
Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2011 geht an 3 Immunologen. Der Preis wird geteilt: Ausgezeichnet werden einerseits der amerikanische Forscher Bruce A. Beutler (*1957, Chicago) und der luxemburgische Biologe Jules A. Hoffmann (*1941, Echternach, Lux.) und andererseits der kanadische Immunologe Ralph M. Steinman (*1943, Montreal, † 2011 – Steinman starb kurz vor Bekanntgabe des Preises am 30. September!). Die neuen Medizin-Nobelpreisträger Beutler und Hoffmann erhalten die Auszeichnung für ihre Entdeckungen zur Aktivierung der körpereigenen Immunabwehr, Steinman für die Entdeckung und Erforschung der Dendritischen Zellen im Immunsystem.

Bruce Beutler, heute Professor für Immunologie am „Scripps Research Institute“ in Kalifornien, und Jules Hoffmann, Spezialist für das Immunsystem bei Insekten, heute Direktor am Institut für Biologie der französischen Forschungseinrichtung CNRS an der Universität Straßburg, erforschen bestimmte Strukturen (PAMP, Pathogen Associated Molecular Patterns), die auf Krankheitserregern zu finden sind, und die die Immunabwehr aktivieren. Die Forscher entdeckten nun dabei bestimmte Rezeptoren, die sogenannten „Toll-like-Receptors“, in der körpereigenen Immunabwehr, die körperfremde Strukturen wie die PAMP von körpereigenen Strukturen unterscheiden können. Das Wissen darum nützt bei Behandlung von Immunerkrankungen, so auch Autoimmunerkrankungen (wo körpereigene Zellen von der Immunabwehr fälschlicherweise als fremd erkannt werden).

Steinman lehrte und forschte an der Rockefeller University (NYC) und am „Christopher Browne Center for Immunology and Immune Diseases“. Steinman entdeckte bereits 1973 zusammmen mit Zanvil A. Cohn die Dendritischen Zellen und ihre besondere Funktion im Immunsystem des Körpers bei der Aktivierung des Immunsystems durch Erkennung von fremden Strukturen auf Zelloberflächen (von Antigenen).

Dendritische Zelle

Dendritische Zelle (Bild von J. Behnsen, P. Narang, F. Gunzer u.a.)

Die Preisübergabe erfolgt im Ramen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2011/ (Seite der Nobelstiftung)
Die Forschungsgruppe um Bruce Beutler
Die Forschungsgruppe Jules Hoffmann
Die Forschungsgruppe Ralph Steinmann

Die Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie im Jahr 1970 sind Sir Bernard Katz, Ulf von Euler-Chelpin und Julius Axelrod. Sie teilen sich den Nobelpreis für ihre Entdeckungen zu den Signalsubstanzen (Neurotransmitter) in den Nerven sowie zu den Mechanismen für ihre Lagerung, Ausschüttung und Inaktivierung.

Der vielfach ausgezeichnete und in England zum Ritter geschlagene Sir Bernard Katz (*1911 in Leipzig, †2003 in London) entstammt einer russisch-jüdischen Familie, die 1904 in die Stadt Leipzig umsiedelte. Sein Vater war Pelzhändler und Leipzig damals ein internationales Zentrum des Pelzhandels. Hier wuchs Bernard Katz – zunächst noch russicher Staatsbürger und nach der Revolution von 1917 staatenlos – auf, besuchte das Gymnasium und studierte von 1929-1934 an der Universität Leipzig Medizin, wo er u.a. Vorlesungen in Physik bei Peter Debye, dem Chemie-Nobelpreisträger von 1936, hörte.  Noch in Leipzig wurde Katz für seine neurophysiologischen Forschungen 1934 mit dem Siegfried-Garten-Preis ausgezeichnet. Katz emigriert 1935 nach England und kann seine Forschungen in der Gruppe des Muskelspezialisten und Nobelpreisträgers von 1922, Archibald Vivian Hill, an der Universität London fortsetzen. Seit 1952 forschte Katz als Professor für Biophysik an der Universität London. Katz‘ Arbeiten, insbesondere seine quantentheoretischen Betrachtungen zu Aktionspotenzialen in Muskelzellen, stellen Pionierleistungen zur Aufklärung der Mechnismen der Signalübertragung über Neurotransmitter in Nervenzellen dar. Der schwedische Physiologe Ulf von Euler-Chelpin (*1905 in Stockholm, †1983 in Stockholm), Sohn des Chemie-Nobelpreisträgers von 1929, Hans von Euler-Chelpin, studierte Medizin am Karolinska Institut bei Stockholm und stößt ebenfalls in die Gruppe um A.V. Hill an der Universität in London. Von Euler entdeckte und erforschte die Eigenschaft des im Nebennierenmark gebildeten Hormons Noradrenalin als Neurotransmitter. Der amerikanische Pharmakologe Julius Axelrod (*1912 in New York City, †2004 in Rockville, Maryland, USA),arbeitete zunächst viele Jahre in der Industrie (Bereich Hygiene) bevor er mit 43 Jahren an der George-Washington-Universität (Washington D.C.) in Chemie (Pharmakologie) promovierte. Axelrods pharmakologische Forschungen liegen auf dem Gebiet der Neuropsychopharmaka, u.a. untersuchte er die stimulierende Wirkung von Amphetaminen und Ephedrin, er ist auch einer der Mitentdecker des Wirkstoffs Paracetamol. Axelrod erforschte auch den Transport und Stoffwechsel von Neurotransmittern mit radioaktiv markiertem Noradrenalin und Adrenalin.

Hormon und Neurotransmitter Adrenalin

Hormon und Neurotransmitter Adrenalin

Hormon und Neurotransmitter Noradrenalin

Hormon und Neurotransmitter Noradrenalin

Julius Axelrod

Julius Axelrod

Bernard Katz im Labor an der Universität London

Bernard Katz im Labor an der Universität London

Denkmal für Bernard Katz in Leipzig

Denkmal für Bernard Katz in Leipzig

Teil der Inschrift Denkmal für B. Katz in Leipzig

Teil der Inschrift Denkmal für B. Katz in Leipzig

Hintergrund: Signalübertragung in Synapsen, siehe dazu Nobelpreis für Medizin 2000

Weblinks (mit Bildern):

http://www.artikelmacher.de/allgemein/sir-bernard-katz-aus-leipzig-zum-100-geburtstag/ (Sonderartikel: Bernard Katz in Leipzig)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/1970/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/1970/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)

Stockholm, 4. Oktober 2010, 11:30 Uhr:
Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2010  geht an:
Robert G. Edwards

für die Entwicklung der In-vitro-Fertilisation.

Der britische Physiologe Robert Geoffrey Edwards (*1925 in Manchester, GB) ist der Pionier der Reproduktionsmedizin und entwickelte die in-vitro-Fertilisation, d.h. die Methode der künstlichen Befruchtung. Der Medizin-Nobelpreis 2010 geht damit an den Urvater des Retortenbabies. Nach seinem Studium der Agrarwissenschaften an der Universität in Glasgow lehrt Edwards Physiologie an der altehrwürdigen Universität in Cambridge (England).
Seit den späten 1950iger Jahren erforscht Edwards die Erzeugung von Embryos im Reagenzglas, die in-vitro-Fertilisation. Wenige Tage nach einer künstlichen Befruchtung wird zum Erreichen einer so gewünschten Fortpflanzung die befruchtete Eizelle wieder in die Gebärmutter der Frau überführt. 1978 kommt auf diese Weise das erste „Retortenbaby“ auf die Welt. Die Methode der in-vitro-Fertilisation ist inzwischen nicht mehr ungewöhnlich und hat vielen Paaren einen lange unerfüllt gebliebenen Kinderwunsch doch noch erfüllen können. Edwards gründet 1980 mit seinem Kollegen Patrick Steptoe eine Privatklinik für künstliche Befruchtung.

Spermium trifft Eizelle, elektronenmikroskopische Aufnahme

Spermium trifft Eizelle, elektronenmikroskopische Aufnahme

Hintergrund: Die Befruchtung zur Fortpflanzung geschieht auf natürlichem Wege, d.h. in-vivo, wenn in Folge des Geschlechtsverkehrs fruchtbare Spermien auf fruchtbare Eizellen treffen, so dass eine Befruchtung und die Entwicklung eines Embryos stattfinden kann.

In-vitro bedeutet im Reagenzglas, so dass bei der in-vitro-Fertilisation, also der künstlichen Befruchtung, die Befruchtung (Fertilisation) im Reagenzglas, d.h. außerhalb des Körpers vorgenommen wird. Dabei kann man den Befruchtungsvorgang zwischen Spermien und Eizellen im Reagenzglas spontan verlaufen lassen und nach 2-5 Tagen den entstandenen, mehrzelligen embryonalen Keim (Blastozyste) in die Gebärmutter zur Entwicklung einer Schwangerschaft einsetzen. Alternativ kann unter dem Mikroskop ein (gut entwickeltes) Spermium ausgewählt und in eine ebenfalls ausgewählte Eizelle injiziert werden. Künstlich befruchtete Eizellen können (auch noch im Mehrzellstadium) unter flüssigem Stickstoff bei -196°C praktisch unbegrenzt aufbewahrt werden.

Weblink: (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2010/ (Seite der Nobelstiftung)

Die Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie im Jahr 2000 sind Arvid Carlsson, Paul Greengard und Eric Kandel. Sie teilen sich den Nobelpreis für ihre Entdeckungen zur Signalübertragung im Nervensystem.

Der vielfach und  darunter bereits 1979 mit dem Wolf-Preis ausgezeichnete schwedische Mediziner und Pharmakologe Arvid Carlsson (*1923 in Uppsala, Schweden), bis zu seiner Emeritierung 1989 Professor für Pharmakologie an der Universität Göteburg, entdeckt in den 1950iger Jahren den Neurotransmitter (Botenstoff) Dopamin und die Bedeutung eines Dopaminmangels für die Krankheit Parkinson. Der amerikanische Biochemiker Paul Greengard (*1925 in New York City), Professor am Institut für molekulare und zelluläre  Neurowissenschaften der Rockefeller University in New York City, erforscht die Wege der Signalübertragung an den Synapsen von Nervenzellen im Gehirn und die biochemischen Wege des Dopamins. Der österreichisch-amerikanische Psychiater und Neurobiologe Eric Richard Kandel (*1925 in Wien), dessen jüdische Familie 1939 in die USA emigriert, beginnt seine wissenschaftliche Laufbahn mit einem Stipendium an der Universität Harvard in Cambridge (Massachusetts, USA), zuletzt ist er als Professor an der Columbia University in New York City. Kandel wird als Wissenschaftler für seine Forschungen zum Gedächtnis und zum Lernen bereits vor Erhalt des Nobelpreises vielfach ausgezeichnet (darunter 1999 ebenfalls mit dem Wolf-Preis).

chemische Strukturformel des Neurotransmitters Dopamin

chemische Strukturformel des Neurotransmitters Dopamin

Hintergrund:
Angeregte Nervenzellen (Neurone) leiten über ihre Nervenfasern (Axon) elektrische Signale an Synapsen, die Kontaktstelle zu anderen Zellen, beispielsweise eine Muskelzelle (eines „Erfolgsorgans“) oder eine andere Nervenzelle (Dendrit). In einer Synapse kann das elektrische Signal die Ausschüttung eines chemischen Botenstoffes, den Neuorotransmitter, auslösen. Mittels des ausgeschütteten Neurotransmitters wird das Signal chemisch über den synaptischen Spalt hinweg zu den Rezeptoren der nächsten Zelle übertragen. Wichtige Neurotransmitter sind z.B. Acetylcholin, Dopamin, Adrenalin oder Serotonin.

Schema Ausschüttung eines Neurotransmitters an Synapse

Schema Ausschüttung eines Neurotransmitters an Synapse

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2000/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2000/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)

Die Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie im Jahr 2001 sind Leland Hartwell, Tim Hunt und Sir Paul Nurse. Sie teilen sich den Nobelpreis für die Entdeckungen zur Regulation der Zellteilung (Zellzyklus).

Der amerikanische Molekularbiologe Leland Harrison Hartwell (*1939 in Los Angeles, Kalif., USA), zuletzt Direktor des „Fred Hutchinson Cancer Reasearch Centers“ (Institut für Krebsforschung) der Universität Washington in Seattle (Washington, USA), untersucht die einzelnen Stadien der Zellteilung an Hefezellen und kann bei seinen genetischen Versuchen die für die Regulation der Zellteilung verantwortlichen Gene ausfindig machen.  Die britischen Biochemiker Richard Timothy („Tim“) Hunt (*1943 in Neston, UK) und Sir Paul M. Nurse (*1949 in Norwich, UK), beide Wissenschaftler in Laboratorien des“Imperial Cancer Rearch Fund“ in London, studieren ebenfalls die Regulierung der Zellteilung mit Fokus auf die für diese Regulierung wichtige Proteingruppe der Cycline.

Hintergrund:
Die Zellteilung oder Cytokinese läuft in mehreren Stadien ab, die im Zellzyklus aus Wachstum und Vermehrung von Zellen auftreten. Die Zellteilung wird genetisch reguliert. Damit wird sichergestellt, dass das Genom vollständig auf die Tochterzellen übertragen (repliziert) wird. Hierbei laufen wichtige Prüfmechanismen ab. Bei Zellen mit Zellkern, den Eukaryonten, beginnt die eigentliche Zellteilung mit der Kernteilung, der Mitose. Ein ganzer Zellzyklus dauert je nach Zelltyp meist mehrere Stunden, wobei vor und nach der Mitose Zwischenphasen auftreten. Von besonderer Bedeutung ist, dass die physiologisch vorgesehene Regulation in gesunden Zellen bei Krebszellen nicht mehr stattfindet. Krebszellen können sich daher außer Kontrolle teilen und vermehren.

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2001/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2001/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)

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