Stockholm, 9. Oktober 2013

Der Chemie-Nobelpreis 2013 geht Martin Karplus, Michael Levitt und Arieh Warshel für die Entwicklung von Multiskalenmodellen für komplexe chemische Systeme, ein Gebiet in der theoretischen Chemie mit dem Verfahren der Computersimulation zum Verständnis über das dynamische Verhalten von Molekülen.

Martin Karplus stammt aus Wien (*1930), seine Familie emigrierte 1938 aus Österreich in die USA, wo er studierte und in der Arbeitsgruppe des berühmten Chemikers und Nobelpreisträger Linus Pauling promovierte. Als theoretischer Chemiker spezialisierte sich Karplus auch auf die Simulation des dynamischen Verhaltens von Molekülen. Karplus ist Mitautor des Computerprogramms CHARMM (Chemistry at Harvard Makromolekular Mechanics), das sich zur Simulation der Moleküldynamik von biologischen Makromolekülen wie Proteinen oder der DNA eignet. Chemikern, die die NMR-Spektroskopie nutzen, ist er auch über die Karplus-Gleichung bekannt.

Martin Karplus

Martin Karplus

Michael Levitt (*1940, Pretoria, Südafrika) erforscht in Stanford als Physiker bzw. Biophysiker die molekulare Struktur und die Dynamik großer biologischer Moleküle wie z.B. Proteine.

Michael Levitt (Bild: Keilan)

Michael Levitt

Arieh Warshel (*1940, in einem Kibbutz in Israel) promovierte nach seinem Studium als Chemiker am Weizmann-Institut in Israel. Danach wechelte er an die Universität Harvard, kam zurück und arbeitete danach an der USC (University of Southern California) auf dem Gebiet der Computersimulation zum Verhalten komplexer biologischer Systeme.

Arieh Warshel (Bild: Cutgunhome)

Arieh Warshel

Hintergrund: Der diesjährige Chemienobelpreis steht für ein modernes Forschungsgebiet der Chemie: Die Computersimulation zur Vorhersage des Verhaltens von chemischen Molekülen. Karplus, Levitt und Warshel sind die Pioniere dieser Methode. Unter Nutzung der Kenntnisse der theoretischen Chemie, d.h. die bekannten quantenmechanischen Beschreibungen von Molekülen, und unter Nutzung der Erkenntnisse aus der Strukturforschung (z.B. aus der Röntgenstrukturanalyse), gelang es Ihnen Computermodelle zur Vorhersage des Verhaltens von Molekülen zu entwickeln. Insbesondere komplexe chemische Systeme, wie z.B. die Proteine in biologischen Systemen können nicht einfach direkt quantenmechanisch berechnet werden, hier hilft die Computersimulation entscheidend weiter. Diese Methode ist auch von medizinischer Bedeutung: So kann per Simulation das mögliche Verhalten von pharmakologischen Wirkstoffen auf Proteine im Körper vorhergesagt werden, so dass diese Daten beispielsweise für das Drug Design genutzt werden können. Ein weiteres Stichwort ist hier das Molecular Modelling. Heute haben alle großen Pharmafirmen spezielle Abteilungen, die sich dieser computergestützten Methoden bedienen. Der Computer ist damit eine Art virtuelles Reagenzglas.

Die Chemie-Nobelpreisträger 2013 forschen alle an renommierten US-Universitäten, Karplus in Harvard, Levitt in Stanford und Warshel an der USC (University of Southern California). Alle drei Chemiker arbeiten auf einem der modernsten Gebiete der Grundlagenforschung in der theoretischen Chemie: der Computersimulation zum Verständnis der Moleküldynamik.

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/chemistry/laureates/2013/(Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/chemistry/laureates/2013/press.html (Pressemitteilung der Nobel-Stiftung)

Martin Karplus an der Universität Harvard: http://chemistry.harvard.edu/people/martin-karplus

Michael Levitt in Stanford: http://csb.stanford.edu/levitt/

Arieh Warshel an der USC: http://futura.usc.edu/wgroup/people/warshel/