Archiv für das Tag 'Das stille Haus'

Mit dem Literaturnobelpreis 2006 wird Orhan Pamuk ausgezeichnet, der diese höchste Auszeichnung für sein schriftstellerisches Gesamtwerk erhält. In der Preisbegründung wird hervorgehoben, dass er mit seiner Prosa „auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt Istanbul neue Sinnbilder für Zusammenstoß und Verflechtung der Kulturen gefunden hat”.

Die türkische Schriftsteller Orhan Pamuk (*1952 in Istanbul) entstammt einer wohlhabenden und kulturell westlich ausgerichteten Familie, wobei es ein Großvater war, ein erfolgreicher Ingenieur und Geschäftsmann, der den Wohlstand einst begründete. Der junge Orhan bricht aus, er will nicht wie sein Vater und Großvater Ingenieur werden sondern Maler. Tatsächlich malt Pamuk ernsthaft bis zum Alter von 22 Jahren, wendet sich danach aber hauptsächlich dem Schreiben zu. Zu dieser Zeit beendet er seine erste Novelle, Cevdet Bey ve Oğullar (Herr Cevedet und seine Söhne), die 1982 veröffentlicht wird. Pamuk entwickelt sich zu einem auch im Ausland erfolgreichen Schriftsteller, dessen biografisch inspirierte Themen oft um Menschen (in Istanbul) kreisen, die kulturell zwischen türkisch-muslimischen Traditionen und modernen westlichen Lebensvorstellungen hin- und hergerissen werden. Der Autor setzt sich darüber hinaus öffentlich für Menschenrechte, Minderheitenrechte, mehr Demokratie und aufgeklärte individuelle Freiheit ein, was ihm Schwierigkeiten und Anklagen seitens der politischen Machthabern in der Türkei einbringt. Pamuk wird im Jahr 2005 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet, sowohl für seine Romane, in denen Pamuk orientalische Erzähltraditionen mit der westeuropäischen Weise des Romans verbindet, als auch für sein mutiges politisches Engagement. Pamuks Stadt, Istanbul, die Metropole zwischen Orient und Okzident, glänzt im Jahr 2010 als Kulturhauptstadt Europas, mutmaßlich auch befördert durch die Romane und den Erfolg Pamuks.

Werke: (eine Auswahl, deutsche Titel; in Klammern: Titel des Orginals mit Erscheinungsjahr):  Herr Cevedet und seine Söhne (Cevdet Bey ve Oğullar, 1982)Das stille Haus (Sessiz Ev, 1983), Das neue Leben (Yeni Hayat, 1994), Schnee (Kar, 2002), Istanbul – Erinnerungen an eine Stadt (İstanbul – Hatıralar ve Şehir, 2003) sowie zuletzt der Roman Das Museum der Unschuld (Masumiyet Müzesi, 2008).

Video: Interview mit Pamuk bei Deutsche Welle TV bei youtube.com

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2006/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2006/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2006/pamuk-lecture_ty.html (Pamuks Nobelpreisrede „Der Koffer meines Vaters“, in deutscher Sprache)
http://www.perlentaucher.de/autoren/7530/Orhan_Pamuk.html (Portrait und Rezensionen bei perlentaucher.de)
http://de.wikipedia.org/wiki/Orhan_Pamuk (Wikipedia ausführlich über Orhan Pamuk)