Archiv für das Tag 'Ein Sportstück'

Mit dem Literaturnobelpreis 2004 wird Elfriede Jelinek für ihre Prosa und die Dramen ausgezeichnet. In der Begründung für diese höchste Auszeichnung wird hervorgehoben, dass Jelineks Werk eine „einzigartige sprachliche Leidenschaft” aufweist, die „die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees” offenbart.

Die vielfach ausgezeichnete österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek (*1946 in Mürzzuschlag; Steiermark, Österreich) besucht in der Kindheit eine (katholische) Klosterschule und wird als Jugendliche intensiv musikalisch geschult (u.a. Aufnahme an das Wiener Konservatorium). Jelinek beginnt in einer persönlichen Krise und nach Abbruch des Studiums (Theaterwissenschaften, Kunsgeschichte) Ende der 1960iger Jahre mit dem Schreiben und beendet 1968 ihren ersten Roman bukolit. In der nachfolgenden Zeit entwickelt sie Ausdrucksmöglichkeiten für ihre auch biografisch begründete Verachtung gegenüber einem österreichisch-katholischen Bürgertum, das sich der NS-Vergangenheit nicht stellen will, gegenüber Patriarchat, Pornographie und kapitalistischem Kommerz. Hier erscheint Jelineks Empfinden gewissermaßen seelenverwandt mit den Bildern eines Manfred Deix. Sie gewinnt mit ihren Texten und Stücken, die vom Publikum zuweilen als zynisch und provokativ aufgefasst werden, eine große Aufmerksamkeit. Einen besonders großen Erfolg erzielt Jelinek 1985 mit dem oft biografisch gedeuteten, später verfilmten Roman Die Klavierspielerin sowie 1989 mit Lust, einer Satire auf Pornografie. Ihre Stücke werden anfangs bevorzugt an experimentierfreudigen Bühnen, bald darauf aber auch in vielen großen Schauspielhäusern aufgeführt. Genannt seien hier beispielsweise Ein Sportstück, das 1998 eine berühmte Inszenierung durch den Regisseur und Dramatiker Einar Schleef (1944-2001) erlebt, oder Bambiland, 2003 inszeniert von Christoph Schlingensief (1960-2010) am Burgtheater Wien.

Dramatische Werke: (eine Auswahl der dramatischen Werke, Jahr Erstaufführung): Burgtheater (1985), Krankheit oder Moderne Frauen (1987),  Wolken.Heim. (1988), Ein Sportstück (1998), Bambiland (2003), Ulrike Maria Stuart (2006) sowie zuletzt Die Kontrakte des Kaufmanns. Eine Wirtschaftskomödie (2009).

Prosa Werke: (eine Auswahl der Romane, Erscheinungsjahr): bukolit (1979), wir sind lockvögel baby! (1970),  Die Liebhaberinnen (1975), Die Ausgesperrten (1980), Die Klavierspielerin (1985), Lust (1989) sowie zuletzt Neid (2009, nur auf Jelineks Homepage im Internet).

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2004/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2004/jelinek-lecture-g.html (Nobelvortrag Jelineks bei der Nobelstiftung)
http://www.elfriedejelinek.com (Seite von und über Jelinek)