Universität Harvard, Boston (USA), 20./21. September 2012
Auch dieses Jahr wieder wurden nun zum 22. Mal die kultigen Ig-Nobelpreise verliehen. Die Ig-Nobelpreise werden nur für besonders schrullige Forschungsarbeiten vergeben, die einen zum Lachen bringen und zum Nachdenken anregen. Die Verleihung dieser „Anti-Nobelpreise“ fand am Abend des 20. September wieder ganz zeremoniell im Sanders-Theater der Harvard Universität in Bosten (Massachusetts) statt. Es sind „echte“ Nobelpreisträger, die den Preis übergeben. Zehn Forschungsarbeiten bzw. die dafür verantwortlichen Wissenschaftler Ig-ausgezeichnet:
Für Psychologie werden ausgezeichnet: Anita Eerland und Rolf Zwaan (beide NL) sowie Tulio Guadalupe (Peru,Russland, NL) für Ihre Arbeit über den Effekt, dass ein Anlehnen an die linke Seite des Eiffelturms diesen kleiner erscheinen lässt. (Quelle: „Leaning to the Left Makes the Eiffel Tower Seem Smaller: Posture-Modulated Estimation,“ Anita Eerland, Tulio M. Guadalupe and Rolf A. Zwaan, Psychological Science, vol. 22 no. 12, December 2011, pp. 1511-14)
In Chemie wird Johan Pettersson ausgezeichnet, weil er das Problem gelöst hat, warum sich in bestimmten Häusern seiner schwedischen Heimatstadt Anderslöv die Haare der Bewohner mit der Zeit grün färben.
Den Preis für Medizin erhalten Emmanuel Ben-Soussan und Michel Antonietti (beide F) für ihre wissenschaftlichen Empfehlungen an Ärzte, die Darmspiegelungen vornehmen, wie die Gefahr der Explosion Ihrer Patienten zu verringern ist. (Quelle: „Colonic Gas Explosion During Therapeutic Colonoscopy with Electrocautery,“ Spiros D Ladas, George Karamanolis, Emmanuel Ben-Soussan, World Journal of Gastroenterology, vol. 13, no. 40, October 2007, pp. 5295–8)
Den Ig-Nobelpreis für Anatomie bekommen Frans de Waal (NL/USA) und Jennifer Pokorny (USA) für ihre Entdeckung, dass Schimpansen andere Artgenossen an Fotos von deren Hinternteilen wiedererkennen können. (Quelle: „Faces and Behinds: Chimpanzee Sex Perception“ Frans B.M. de Waal and Jennifer J. Pokorny, Advanced Science Letters, vol. 1, 99–103, 2008)
Der Ig-Nobelpreis für Literatur geht an den US-Rechnungshof für die Ausfertigung eines Berichts über Berichte, die wiederum auf Berichte über einen Bericht verweisen, welcher die Ausfertigung von Berichten über Berichte, die auf Berichte über Berichte verweisen, empfiehlt.
Den Preis für Akustik erhalten Kazutaka Kurihara und Koji Tsukada (Japan) für die Erfindung eines technischen Redeunterbrechers, der die Rede einer Person dadurch unterbricht, dass der Redner die eigene Stimme in geringer Verzögerung zu hören bekommt! (Quelle: „SpeechJammer: A System Utilizing Artificial Speech Disturbance with Delayed Auditory Feedback„, Kazutaka Kurihara, Koji Tsukada, arxiv.org/abs/1202.6106. February 28, 2012)
In Physik werden für ihre Arbeit über die Berechnung der verschiedenen Kräfte und Kraftgleichgewichte, die für die Form und Bewegung des Haares im Ponyschanz verantwortlich sind die Wissenschaftler Joseph Keller (USA), Raymond Goldstein (USA u. GB), Patrick Warren, u. Robin Ball (GB) ausgezeichnet. (Quellen: „Shape of a Ponytail and the Statistical Physics of Hair Fiber Bundles.“ Raymond E. Goldstein, Patrick B. Warren, and Robin C. Ball, Physical Review Letters, vol. 198, no. 7, 2012. Und: „Ponytail Motion,“ Joseph B. Keller, SIAM [Society for Industrial and Applied Mathematics] Journal of Applied Mathematics, vol. 70, no. 7, 2010, pp. 2667–72.)
In Neurowissenschaften werden Craig Bennett, Abigail Baird, Michael Miller, und George Wolford (USA), für Ihren Nachweis ausgezeichnet, dass Gehirnforscher mit komplizierten Instrumenten und einfacher Statistik selbst in einem toten Lachs noch bedeutsame Gehirnaktivität aufzeigen können. (Quelle: „Neural correlates of interspecies perspective taking in the post-mortem Atlantic Salmon: An argument for multiple comparisons correction,“ Craig M. Bennett, Abigail A. Baird, Michael B. Miller, and George L. Wolford, 2009. Und: „Neural Correlates of Interspecies Perspective Taking in the Post-Mortem Atlantic Salmon: An Argument For Multiple Comparisons Correction,“ Craig M. Bennett, Abigail A. Baird, Michael B. Miller, and George L. Wolford, Journal of Serendipitous and Unexpected Results, vol. 1, no. 1, 2010, pp. 1-5)
Den Ig-Friedensnobelpreis bekommt die Firma SKN aus Russland für ihr Verfahren, alte russiche Munition in Diamanten umzuwandeln!
Den Ig-Nobelpreis für Strömungslehre bekommen Rouslan Krechetnikov (USA u.a.) und Hans Mayer (USA) für ihre Forschung über das dynamische Schwapp-Verhalten von Kaffee in Kaffeetassen und darüber wie eine Person am besten mit einer Kaffeetasse in der Hand ohne überzuschwappen geht. (Quelle: „Walking With Coffee: Why Does It Spill?“ Hans C. Mayer and Rouslan Krechetnikov, Physical Review E, vol. 85, 2012)
Video: Die Verleihung im Sanders-Theater auf youtube
Und letztes Jahr: Ig-Nobelpreise 2011!
http://improbable.com/ (Seite der „Ig-Nobelstiftung“ Improbable Resaerch, zu deutsch: unwahrscheinliche Wissenschaft)
* Ig steht vermutlich für ignoble, zu deutsch: gemein, niedrig, schändlich, schmachvoll, unedel, unehrenhaft, unwürdig, von niedriger Geburt (übersetzt mit: leo.org)