Mit dem Literaturnobelpreis 2005 wird Harold Pinter ausgezeichnet, der diese höchste Auszeichnung für sein Gesamtwerk erhält. In der Preisbegründung wird u.a. die Freilegung des Abgrunds „unter dem alltäglichen Geschwätz” im dramatischen Werk des Theaterschriftstellers hervorgehoben
Die britische Schriftsteller Sir Harold Pinter (*1930 in London; † 2008) gilt mit Samuel Beckett im 20. Jahrhundert als bedeutendster Vertreter des Absurden Theaters. Darüber hinaus ist Pinter Verfasser von zahlreichen Hörspielen, Drehbüchern sowie von Prosa und Lyrik. Als politischer Mensch ergreift Pinter stets Partei für unterdrückte Menschen und soziale Errungenschaften. Bereits als junger Mann zeigt Pinter, der den Wehrdienst verweigert und dafür in Haft muss, eine politisch freiheitsliebende Einstellung, die er bis an sein Lebensende vetreten wird. Pinter enstammt einer jüdischen Familie in London und beginnt seine künstlerische Entwicklung als Schauspieler für eine Wanderbühne. Ein begonnenes Studium für Theaterwissenschaften bricht er ab. 1957 debütiert er mit zwei Theaterstücken, The Room und The Birthday Party. Mit dem Stück The Caretaker (zu deutsch: Der Hausmeister) erreicht Pinter 1960 einen großen Erfolg beim Publikum und bei der Kritik. Nicht nur The Caretaker steht bis heute in vielen Ländern regelmäßig auf dem Programm. Gelegentlich trat Pinter in seinen Stücken auch immer wieder selbst als Schauspieler auf.
In seinem Nobelvortrag über „Kunst, Wahrheit & Politik“ sagt Pinter, dass es für ihn als Künstler nie klare Unterschiede gibt, „zwischen dem, was wirklich und dem was unwirklich ist, genauso wenig, wie zwischen dem, was wahr und dem was unwahr ist“. Die zentrale Aufgabe des Künstlers sei die „Erforschung der Wirklichkeit durch Kunst“. Der (politische) Bürger Pinter jedoch will wissen: „Was ist wahr? Was ist unwahr?“ Im zweiten Teil seines Vortrages wird er dann politisch wendet er sich in scharfen Worten gegen die (von Großbritannien unterstützte) US-Außenpolitik in Mittelamerika und bei der Invasion in den Irak.
Werke: (eine Auswahl der dramatischen Werke, deutsche Titel; in Klammern: Titel des Orginals mit Erscheinungsjahr): Das Zimmer (The Room, 1957), Die Geburtstagsfeier (The Birthday Party, 1957), Der Hausmeister (The Caretaker, 1960), Schnee (Kar, 2002), Niemandsland (No Man’s Land, 1974), Betrogen (Betrayal, 1978), Berg-Sprache (Mountain Language, 1988), The New World Order (1991), Party-Time (1991) und als letztes Theaterstück Pressekonferenz (Press-Conference, 2002).
Video: Harold Pinters Nobelvortrag auf youtube.com: Teil 1 und hier Teil 2.
Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2005/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2005/pinter-lecture-g.html (Nobelvortrag Pinters auf Deutsch bei der Nobelstiftung)
http://www.haroldpinter.org (Seite mit umfassender Bibliographie zu Harold Pinter)