Archiv für das Tag 'Literaturnobelpreis 2009'

Mit dem Literaturnobelpreis 2005 wird Harold Pinter ausgezeichnet, der diese höchste Auszeichnung für sein Gesamtwerk erhält. In der Preisbegründung wird u.a. die Freilegung des Abgrunds „unter dem alltäglichen Geschwätz” im dramatischen Werk des Theaterschriftstellers hervorgehoben

Die britische Schriftsteller Sir Harold Pinter (*1930 in London; † 2008) gilt mit Samuel Beckett im 20. Jahrhundert als bedeutendster Vertreter des Absurden Theaters. Darüber hinaus ist Pinter Verfasser von zahlreichen Hörspielen, Drehbüchern sowie von Prosa und Lyrik. Als politischer Mensch ergreift Pinter stets Partei für unterdrückte Menschen und soziale Errungenschaften. Bereits als junger Mann zeigt Pinter, der den Wehrdienst verweigert und dafür in Haft muss, eine politisch freiheitsliebende Einstellung, die er bis an sein Lebensende vetreten wird. Pinter enstammt einer jüdischen Familie in London und beginnt seine künstlerische Entwicklung als Schauspieler für eine Wanderbühne. Ein begonnenes Studium für Theaterwissenschaften bricht er ab. 1957 debütiert er mit zwei Theaterstücken, The Room und The Birthday Party. Mit dem Stück The Caretaker (zu deutsch: Der Hausmeister) erreicht Pinter 1960 einen großen Erfolg beim Publikum und bei der Kritik. Nicht nur The Caretaker steht bis heute in vielen Ländern regelmäßig auf dem Programm. Gelegentlich trat Pinter in seinen Stücken auch immer wieder selbst als Schauspieler auf.
In seinem Nobelvortrag über „Kunst, Wahrheit & Politik“ sagt Pinter, dass es für ihn als Künstler nie klare Unterschiede gibt, „zwischen dem, was wirklich und dem was unwirklich ist, genauso wenig, wie zwischen dem, was wahr und dem was unwahr ist“. Die zentrale Aufgabe des Künstlers sei die „Erforschung der Wirklichkeit durch Kunst“. Der (politische) Bürger Pinter jedoch will wissen: „Was ist wahr? Was ist unwahr?“ Im zweiten Teil seines Vortrages wird er dann politisch wendet er sich in scharfen Worten gegen die (von Großbritannien unterstützte) US-Außenpolitik in Mittelamerika und bei der Invasion in den Irak.

Werke: (eine Auswahl der dramatischen Werke, deutsche Titel; in Klammern: Titel des Orginals mit Erscheinungsjahr):  Das Zimmer (The Room, 1957),  Die Geburtstagsfeier (The Birthday Party, 1957), Der Hausmeister (The Caretaker, 1960), Schnee (Kar, 2002), Niemandsland (No Man’s Land, 1974), Betrogen (Betrayal, 1978), Berg-Sprache (Mountain Language, 1988), The New World Order (1991), Party-Time (1991) und als letztes Theaterstück Pressekonferenz (Press-Conference, 2002).

Video: Harold Pinters Nobelvortrag auf youtube.com: Teil 1 und hier Teil 2.

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2005/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2005/pinter-lecture-g.html (Nobelvortrag Pinters auf Deutsch bei der Nobelstiftung)
http://www.haroldpinter.org (Seite mit umfassender Bibliographie zu Harold Pinter)

Mit dem Literaturnobelpreis 2009 wird Herta Müller ausgezeichnet. Die Nobelpreisträgerin erhält diese höchste Auszeichnung für ihr schriftstellerisches Gesamtwerk. Darin wird ihre Sprache „die mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit zeichnet” besonders hervorgehoben.

Die deutsche Schriftstellerin Herta Müller (*1953 in Nitzkydorf, Rumänien) stammt aus der Region Banat, historisch und sprachlich gesehen eine sehr interessante Region, die bis Ende des 1. Weltkriegs zur österreichisch-ungarischen Donaumonarchie angehört und deren Teilgebiete später in Rumänien, Ungarn und Serbien liegen. In der Banatregion siedeln sich im 18. Jahrhundert während der sogenannten  „Schwabenzüge“ Schwaben an. Bis in die Gegenwart gibt es dort eine ansässige deutsche Bevölkerung, deren Zahl allerdings rückläufig ist.
Herta Müller wächst in Rumänien unter der Diktatur Ceaușescus auf, deren Geheimdienst, die Securitate, allgegenwärtig ist, um Regimegegner sowie alle freiheitlich-kritisch denkenden Menschen zu unterdrücken. Müller studiert Germanistik und Romanistik an der Universität in Temeswar, wo 1972 die „Aktionsgruppe Banat“, ein Zusammenschluss kritischer Schriftsteller, gegründet und 1976 wieder verboten wird. Hier lernt sie ihren späteren Ehemann, den Schriftsteller Richard Wagner, Mitstreiter der „Aktionsgruppe Banat,“ kennen. 1982 erscheint Müllers Erzählband Niederungen, der thematisch das Leben von dörflichen Schwaben im Banat beschreibt. Das Buch wird vom rumänischen Staat zensiert und von Teilen der Bevölkerung im Banat als Nestbeschmutzung beschimpft. Der Geheimdienst Securitate wertet dieses Buch später aus und berichtet u.a.: „Neben Herabwürdigungen unseres Staates beschreibt sie verschiedene Sitten und Unsittlichkeiten, die in den Kreisen der Bürger deutscher Nationalität im Banat herrschen…“ (Quelle: soweit-das-auge-reicht.blogspot.com ). 1987 geht Herta Müller mit Richard Wagner in die Bundesrepublik Deutschland.
Herta Müller erhält für ihre Werke zahlreiche Auszeichnungen, darunter bereits 1984 den Aspekte-Literaturpreis, den Ricarda-Huch-Preis (1987), den Kleist-Preis (1994) und die Carl-Zuckmaier-Medaille (2002), um nur einige zu nennen. Im Jahr des Nobelpreises erscheint der Roman Atemschaukel, der nach den Erfahrungen des Lyrikers Oskar Pastior (1927-2006) die Verfolgung der Rumäniendeutschen unter Stalin zum Thema hat.

Herta Müller signiert ihren Roman "Atemschaukel" (Bild: Magnus Wanske)

Herta Müller signiert ihren Roman "Atemschaukel" (Bild: Magnus Wanske)

Hörprobe: Herta Müller bei lyrikline.org.

Werke: (eine Auswahl): Niederungen. Bukarest 1982 (Erzählband), Drückender Tango. Bukarest 1984 (Erzählband), Barfüßiger Februar. Berlin 1987, Reisende auf einem Bein. Graz/Berlin 1991, Herztier. Hamburg 1994, Atemschaukel. Roman, München 2009.

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2009/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2009/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)
http://www.perlentaucher.de/autoren/3479/Herta_Mueller.html (Rezensionen bei perlentaucher)
http://de.wikipedia.org/wiki/Herta_Müller (Portait Herta Müllers bei Wikipedia)