Archiv für das Tag 'Mistkäfer'

Universität Harvard, Boston (USA), 12. September 2013
Zum 23. Mal wurden am 12. September im Sanders-Theater der Harvard Universität in Bosten (Massachusetts) die kultigen Ig-Nobelpreise verliehen. Ig steht wortspielerisch für ignoble, zu deutsch: gemein, niedrig, schmachvoll, unedel. Die Ig-Nobelpreise werden für besonders schrullige Forschungsarbeiten vergeben, die einen zum Lachen und zuweilen zum Nachdenken bringen. Es sind „echte“ Nobelpreisträger, die den Preis übergeben. Es wurden wieder zehn Forschungsarbeiten bzw. die dafür verantwortlichen Wissenschaftler Ig-ausgezeichnet:

In Psychologie wurden Ig-ausgezeichnet: Laurent Bègue (F), Brad Bushman (USA, GB, NL, PL), Oulmann Zerhouni (F), Baptiste Subra (F) und Medhi Ourabah (F), für den experimentell geführte Beweis, dass Menschen, die von sich meinen, sie seien betrunken, dann auch glauben, dass sie seien attraktiv. (Quelle: „‚Beauty Is in the Eye of the Beer Holder‘: People Who Think They Are Drunk Also Think They Are Attractive,“ Laurent Bègue, Brad J. Bushman, Oulmann Zerhouni, Baptiste Subra, Medhi Ourabah, British Journal of Psychology, 2012.)


In Chemie
wurden Shinsuke Imai (J), Nobuaki Tsuge (J), Muneaki Tomotake (J), Yoshiaki Nagatome (J), Toshiyuki Nagata (J, D) und Hidehiko Kumgai (J) für ihre Entdeckung, dass die biochemischen Prozesse, die für das Weinen des Menschen beim Zwiebelschneiden verantwortlich sind, in Wahrheit noch viel komplizierter sind, als die Forschung zuvor dachte. (Quelle: „Plant Biochemistry: An Onion Enzyme that Makes the Eyes Water,“ S. Imai, N. Tsuge, M. Tomotake, Y. Nagatome, H. Sawada, T. Nagata and H. Kumagai, Nature, Vol. 419, Nr. 6908, Okt. 2002, S. 685.)


Den Preis für Medizin
erhalten Masateru Uchiyama (J), Xiangyuan Jin (Chin, J), Qi Zhang (J), Toshihito Hirai (J), Atsushi Amano (J), Hisashi Bashuda (J) und Masanori Niimi (J, GB) für ihre Untersuchungen zu der Wirkung von Opernmusik auf herztransplantierte Patienten – in diesem Fall: herztransplantierte Mäuse. (Quelle: „Auditory stimulation of opera music induced prolongation of murine cardiac allograft survival and maintained generation of regulatory CD4+CD25+ cells,“ Masateru Uchiyama, Xiangyuan Jin, Qi Zhang, Toshihito Hirai, Atsushi Amano, Hisashi Bashuda and Masanori Niimi, Journal of Cardiothoracic Surgery, Vol. 7, Nr. 26, 2012.)

Den Ig-Nobelpreis für Sicherheitstechnik bekommt Gustano Pizzo posthum (gest. 2006; USA)  für sein elektromechanisch funktionierendes System, mit dem Flugzeugentführer per Falltüre in eine Kiste fallen, die dann mit dem Fallschirm herunterkommt und am Boden von der Polizei erwartet wird. (Quelle: US Patent #3811643, Gustano A. Pizzo, „anti hijacking system for aircraft“, May 21, 1972.)

Der Ig-Nobelpreis für Archeologie geht an Brian Crandall (USA) und Peter Stahl (Kanada, USA), die verstorbene Spitzmäuse kochten und ohne zu Kauen direkt herunterschluckten, und nach gewisser Zeit die eigenen Exkremente dahingehend untersuchten, welche Knochen nun verdaut wurden und welche nicht. (Quelle: „Human Digestive Effects on a Micromammalian Skeleton,“ Peter W. Stahl, Brian D. Crandall, Journal of Archaeological Science, Vol. 22, 1995, S. 789–97.)

Den Preis für Wahrscheinlichkeitsforschung erhalten  Bert Tolkamp (GB, NL), Marie Haskell (GB), Fritha Langford (GB, Kanada), David Roberts (GB) und Colin Morgan (GB) für zwei zusammenhängende Entdeckungen: Erstens steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Kuh aufsteht, mit der Dauer, die diese zuvor gelegen hat. Zweitens kann man aber nicht einfach voraussagen, wann eine Kuh, die steht, sich nun wieder hinlegt. (Quelle: „Are Cows More Likely to Lie Down the Longer They Stand?“ Bert J. Tolkamp, Marie J. Haskell, Fritha M. Langford, David J. Roberts, Colin A. Morgan, Applied Animal Behaviour Science, Vol. 124, Nrs. 1-2, 2010, S. 1–10.)

In Physik werden für die Entdeckung, dass manche Menschen über das Wasser eines Teiches gehen könnten, wenn sowohl die Menschen als auch der Teich sich auf dem Monde befänden, folgende Wissenschaftler Ig-ausgezeichnet:  Alberto Minetti (I, GB, Dän., Schweiz), Yuri Ivanenko (I, Russ, F), Germana Cappellini (I), Nadia Dominici (I, Schweiz) und Francesco Lacquaniti (I). (Quelle: „Humans Running in Place on Water at Simulated Reduced Gravity,“ Alberto E. Minetti, Yuri P. Ivanenko, Germana Cappellini, Nadia Dominici, Francesco Lacquaniti, PLoS ONE, Vol. 7, Nr. 7, 2012.)

Im Fach Öffentliche Gesundheit wurden Kasian Bhanganada, Tu Chayavatana, Chumporn Pongnumkul, Anunt Tonmukayakul, Piyasakol Sakolsatayadorn, Krit Komaratal und Henry Wilde ausgezeichnet für ihre medizinischen Techniken, die sie in Ihrem Bericht beschrieben: „Surgical Management of an Epidemic of Penile Amputations in Siam“ (d.h.: „Operationstechniken bei einer Epidemie von Penisamputationen in Siam“). Darin werden verschiedene Techniken empfohlen– ausgenommen die Fälle, in denen der amputierte Penis bereits teilweise von einer Ente gegessen wurde. (Quelle: „Surgical Management of an Epidemic of Penile Amputations in Siam„,Kasian Bhanganada, Tu Chayavatana, Chumporn Pongnumkul, Anunt Tonmukayakul, Piyasakol Sakolsatayadorn, Krit Komaratal, und Henry Wilde, American Journal of Surgery, 1983, Nr. 146, S. 376-382.)

Den Ig-Friedensnobelpreis bekommen der weißrussische Präsident Lukaschenko für das Verbot des öffentlichen Applaudierens und die weißrussische Polizei, die einen Einarmigen festnahm, der in der Öffentlichkeit applaudierte.

Den gemeinsamen Ig-Nobelpreis für Biologie und Astronomie bekommen Marie Dacke (S, Austral.), Emily Baird (S, Austral., D), Marcus Byrne ( Südafrika, GB), Clarke Scholtz (Südafrika) und Eric J. Warrant (S, Austr., D) für ihr Experiment, das bewies, dass verirrte Mistkäfer sich auf ihrem dem Weg nach Hause an der Milchstraße orientieren. (Quelle: „Dung Beetles Use the Milky Way for Orientation,“ Marie Dacke, Emily Baird, Marcus Byrne, Clarke H. Scholtz, Eric J. Warrant, Current Biology, 2013. )

Video: Die Verleihung im Sanders-Theater auf youtube

Und letztes Jahr: Ig-Nobelpreise 2012!

http://improbable.com/ (Seite der „Ig-Nobelstiftung“ Improbable Resaerch, zu deutsch: unwahrscheinliche Wissenschaft)