Archiv für das Tag 'Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 2010'

Den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften* 2010 teilen sich Peter A. Diamond, Dale T. Mortensen und Christopher A. Pissarides. Sie erhalten diese höchste Auszeichnung für ihre über das Standardmodell von Angebot und Nachfrage hinausgehende Theorie zum Suchen und Finden auf Märkten, inbesondere in Bezug auf Arbeitsmärkte.

Peter Arthur Diamond (*1940 in New York) und Dale Thomas Mortensen (*1939 in Enterprise, Oregon) sind amerikanische Wirtschaftswissenschaftler. Diamond, Absolvent der Wirtschaftswissenschaften am MIT (Massachusetts Institute of Technology) in Cambridge (Mass.), lehrt und forscht dort später als Professor mit einem Schwerpunkt auf den sozialen Sicherungssystemen in den USA. Mortensen ist Spezialist für Arbeitsmärkte und lehrt am Campus der Northwestern University in Evanston (Illinois). Der aus Zypern stammende, britische Wirtschaftswissenschaftler Christopher Antoniou Pissarides (*1948 in Nikosia, Zypern), ebenfalls ein Spezialist auf dem Gebiet des Arbeitsmarktes, ist Absolvent der University of Essex und forscht an der London School of Economics. Die drei Wissenschaftler erhalten den Preis für ihre Forschungen zum Suchen und Finden auf Märkten. Sie entwickelten dabei eine Theorie, die über die einfache und eher statische Standardtheorie von Angebot und Nachfrage hinausgeht und dynamische Entwicklungen besser berücksichtigt.

Hintergrund: Die ausgezeichneten Wissenschaftler begründen das von Fachleuten so genannte Diamond-Mortensen-Pissarides-Modell. Dieses Modell betrachtet das Suchen und Finden auf dynamischen Märkten, beispielsweise das Suchen und Finden von Arbeit. Starken praktischen bzw. politischen Einfluss übt das Diamond-Mortensen-Pissarides-Modell daher bei der Betrachtung der Funktionsweise des Arbeitsmarktes aus. So wird etwa die Frage untersucht, warum hohe Arbeitslosigkeit gleichzeitig mit starkem Arbeitskräftemangel einhergehen kann. Pissarides und Mortensen forschen seit 2001 u.a. auch für das Institut zur Zukunft der Arbeit in Bonn (s.u. Link) und beeinflussen insbesondere die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik der Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder. Die Hartz-IV-Gesetzgebung mit der These vom „Fördern und Fordern“ kann gewissermaßen auch als ein politisches Resultat der Arbeiten von Diamond, Mortensen und Pissarides in Deutschland gesehen werden.

*Anmerkung: Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften wird erst seit 1969 vergeben und wird offiziell als Preis der Reichsbank Schwedens für die ökonomische Wissenschaft zum Andenken an Alfred Nobel bezeichnet. Das Preisgeld beträgt wie bei den anderen Nobelpreisen auch etwa 1,1 Millionen Euro und wird durch eine von der Schwedischen Reichsbank anläßlich ihres dreihundertjährigen Bestehens 1968 gestiftete Summe ermöglicht.  Die Wahl der Preisträger erfolgt wie bei den anderen Nobelpreisen durch die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften und folgt den selben Prinzipien.

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/economics/laureates/2010/ (Seite der Nobelstiftung)
http://www.iza.org/ (Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit in Bonn)
http://econ-www.mit.edu/faculty/pdiamond (Peter Diamonds Seite am MIT)
http://sites.google.com/site/dalemortensensite/(Seite von Dale Mortensen)
http://econ.lse.ac.uk/staff/cap/index_own.html (Seite von Christopher Pissarides an der London School of Economics)