Archiv für das Tag 'Physiknobelpreisträger'

Stockholm, 8. Oktober 2013

Um 12:45 Uhr wurde heute der Physik-Nobelpreis 2013 bekanntgegeben.

Die Physik-Nobelpreisträger 2013 sind: Peter Higgs (*1929, Wallsend, GB) und François Englert (*1932, Etterbeek, Belgien) für ihre Theorie und die Entdeckungen zur Erklärung der Masse von Elementarteilchen.

Francois Englert

Francois Englert (Bild: Pnicolet, Wikipedia (en))

Peter Higgs (Bild: Gert-Martin Greuel, MFO)

Peter Higgs (Bild: Gert-Martin Greuel, MFO)

Die diesjährigen Physik-Nobelpreisträger, Peter Higgs, zuletzt Professor an der Universität in Edinburgh, und François Englert, zuletzt Professor an der Universität in Brüssel, fanden unabhängig voneinander 1964 eine Erklärung der Masse von Elementarteilchen mit dem später sogenannten Higgs-Mechanismus unter Einführung des Higgs-Feldes, ein Energiefeld, das für ca. 1% der Masse der Teilchen verantwortlich ist. Dieses Higgs-Feld trat direkt nach dem Urknall auf. Physikalisch begründet ist dieses Energiefeld in den Schwachen Wechselwirkungen zwischen den Teilchen. Beide Forscher wurden schon vielfach ausgezeichnet.
Das Higgs-Feld setzt die Existenz eines besonders leichten und kurzlebigen Teilchens voraus, das Higgs-Boson, nur 2,25 mal 10-25 kg schwer und mit einer Lebensdauer von 10-22 Sekunden. Das Higgs-Boson oder Higgs-Teilchen wird auch gerne „Gottesteilchen“ genannt. Eine Herleitung dafür kommt von „Gottverdammtes Teilchen“,  so sollte ein Buchtitel zum Higgs-Teilchen lauten, da es wohl so schwer zu finden war, schließlich wurde es aber „Gottesteilchen“ genannt.

Das Higgs-Teilchen oder „Gottesteilchen“  konnte tatsächlich erst fast 50 Jahre nach der Higgs-Theorie, am 4. Juli 2012, im Teilchenbeschleuniger am europäischen Kernforschungszentrum CERN bei Genf in der Schweiz nachgewiesen werden!

Grafische Darstellung des Higgs-Feldes (Bild: MissMJJ, Wikipedia)

Grafische Darstellung des Higgs-Potenzialfeldes

Die Elemenarteilchenphysik suchte zur Vervollständigung des Standardmodells der Teilchenphysik jahrzehntelang nach dem noch fehlenden Higgs-Boson.

Abbildung: Standardmodell der Teilchenphysik:

Standardmodell der Teilchenphysik mit Higgs-Boson (oben rechts)

Standardmodell der Teilchenphysik mit Higgs-Boson (oben rechts)

Das Standardmodell der Teilchenphysik berücksichtigt die massebehafteten Teilchen. In den ersten 3 Spalten stehen die sogenannten Fermionen (Teilchen mit halbzahligem Spin). Darin sind die bekannteren, den Atomkern aufbauenden Neutronen und Protonen aus 6 Quark-Teilchen (aus 3 Quark-Familien: up/down, charm/strange und top/beauty) aufgebaut, das sind die blauen Kästchen oben links. Darunter kommen die Familien der sogenannten Leptonen, dabei die Neutrinos und ganz unten links findet man das Elektron. Dann gibt es in den beiden rechten Spalten die Teilchen vom Typ Boson (mit ganzzahligem Spin), oben ganz rechts das berühmte Higgs-Boson. Die Teilchen unterscheiden sich durch ihr Symmetrieverhalten (Spin), man vergleiche dazu auch den Nobelpreis für Physik 2008.

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/physics/laureates/2013/ (Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/physics/laureates/2013/press.html (Pressemitteilung der Nobelstiftung)

Nobelpreisträger Physik

Jahr
Nobelpreisträger (Lebensdaten) Land
Gewürdigte Arbeiten

2016

David J. Thouless (*1934, UK/Schottl.) und zur zweiten Hälfte an:
F. Duncan M. Haldane (*1951, UK) und J. Michael Kosterlitz (*1951, UK)
für ihre theoretischen Entdeckungen zu topologischen Phasenübergängen und topologischen Phasen in Festkörpern.

2015

Takaaki Kaijta (*1959, Japan)
Arthur B. McDonald
(*1943, Kanada)
für ihre Entdeckung der Neutrinooszillation, welche beweist, dass Neutrinos eine Masse haben

2014

Isamu Akasaki (*1929, Chiran, Jap) JAP
Hiroshi Amano (*1960, Hamamatsu, Jap) JAP
Shuji Nakamura (*1954, Ikata; Jap) JAP/USA

für die Erfindung der die Farbe Blau emittierenden Leuchtdioden (LED), die Voraussetzung für helle und energiesparende weiße Lichtquellen.

2013
Peter Higgs (*1929, Wallsend, GB)
François Englert (*1932, Etterbeek, Belgien)

für ihre Theorie und die Entdeckung zur Erklärung der Masse von Elementarteilchen.

2012
David J. Wineland (*1944, Milwaukee, USA)
Serge Haroche (*1944, Casablanca, Marokko/F)

Für ihre quantenphysikalischen Experimenten, die eine neue Ära der Quantenphysik eröffnet haben. Ihre Experimente ermöglichen die experimentelle Kontrolle und Beeinflussung von Quantenzuständen kleinster Teilchen.

2011
Saul Perlmutter (*1959)
//
Brian P. Schmidt (*1967)
Adam G. Riess (*1969)

Für ihre Entdeckung der beschleunigten Expansion des Universums aus Beobachtungen von Supernovae

2010
Andre Gleim (*1958)
Konstantin Novoselov (*1974)

für ihre Entdeckungen zur zweidimensionalen Kohlenstoffmodifikation Graphen

2009
Charles Kuen Kao (* 1933) China/GB;
// Willard S. Boyle (* 1924) USA
George E. Smith (* 1930) USA

für seine bahnbrechenden Erfolge auf dem Gebiet der Lichtleitung mittels Fiberoptik für optische Kommunikation;
// beiden für die Erfindung des CCD-Sensors

2008
Yōichirō Nambu (* 1921) Japan/USA
//Makoto Kobayashi (* 1944) Japan
Toshihide Masukawa (* 1940) Japan

Nambu für die Entdeckung der Bedeutung der spontan gebrochenen Symmetrie in der Teilchenphysik;
//beiden für die Entdeckung des Ursprungs der gebrochenen Symmetrie, welche die Existenz von mindestens drei Quarkfamilien voraussagt

2007
Albert Fert (* 1938) F
Peter Grünberg (* 1939) D

für die Entdeckung des Riesenmagnetwiderstands (GMR)

2006
John C. Mather (*1946) USA
George F. Smoot (*1945) USA

Untersuchung der kosmischen Hintergrundstrahlung

2005
Roy J. Glauber (* 1925) USA
// John Lewis Hall (* 1934) USA
Theodor Hänsch (* 1941) D

für Glaubers quantentheoretische Betrachtung der optischen Kohärenz;
// für ihre Beiträge zur Entwicklung der laserbasierten Präzisionsspektrographie, einschließlich der Technik des optischen Frequenzkamms

2004
David Gross (* 1941) USA
David Politzer (* 1949) USA
Frank Wilczek (* 1951) USA

Entdeckung der asymptotischen Freiheit in der Theorie der Starken Wechselwirkung

2003
Alexei Abrikossow (* 1928) USA/Russland
Witali Ginsburg (1916-2009) Russland
Anthony James Leggett (* 1938) GB/USA

bahnbrechende Arbeiten in der Theorie über Supraleiter und Supraflüssigkeiten

2002
Raymond Davis Jr. (1914-2006) USA
Masatoshi Koshiba (* 1926) Japan;
// Riccardo Giacconi (* 1931) I/USA

bahnbrechende Arbeiten in der Astrophysik, insbesondere für den Nachweis kosmischer Neutrinos;
// ebenfalls bahnbrechende Arbeiten in der Astrophysik, insbesondere für die Entdeckung kosmischer Röntgenstrahlungsquellen

2001
Eric A. Cornell (* 1961) USA
Wolfgang Ketterle (* 1957) D
Carl E. Wieman (* 1951) USA

erstmalige Erzeugung der Bose-Einstein-Kondensation in verdünnten Gasen aus Alkaliatomen und für grundsätzliche Studien über die Eigenschaften des Bose-Einstein-Kondensats

2000
Schores Alfjorow (* 1930) Russland
Herbert Kroemer (* 1928) D
// Jack Kilby (1923-2005) USA

Entwicklung von Halbleiterheterostrukturen für Hochgeschwindigkeits- und Optoelektronik (Halbleiterlaser);
// für die Entwicklung integrierter Schaltungen (IC) auf Halbleiterbasis

1901
Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) D

Entdeckung der nach ihm benannten Röntgenstrahlen

1902
Hendrik Antoon Lorentz (1853-1928) NL
Pieter Zeeman (1865-1943) NL

Spektrallinien im Magnetfeld: „Zeeman-Effekt“

1903
Antoine Henri Becquerel (1852-1908) F
Marie Curie (1867-1934) Polen/F
Pierre Curie (1859-1906) F

Entdeckung und Erforschung der Radioaktivität Den ganzen Beitrag lesen »