Archiv für das Tag 'Rumäniendeutsche'

Mit dem Literaturnobelpreis 2009 wird Herta Müller ausgezeichnet. Die Nobelpreisträgerin erhält diese höchste Auszeichnung für ihr schriftstellerisches Gesamtwerk. Darin wird ihre Sprache „die mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit zeichnet” besonders hervorgehoben.

Die deutsche Schriftstellerin Herta Müller (*1953 in Nitzkydorf, Rumänien) stammt aus der Region Banat, historisch und sprachlich gesehen eine sehr interessante Region, die bis Ende des 1. Weltkriegs zur österreichisch-ungarischen Donaumonarchie angehört und deren Teilgebiete später in Rumänien, Ungarn und Serbien liegen. In der Banatregion siedeln sich im 18. Jahrhundert während der sogenannten  „Schwabenzüge“ Schwaben an. Bis in die Gegenwart gibt es dort eine ansässige deutsche Bevölkerung, deren Zahl allerdings rückläufig ist.
Herta Müller wächst in Rumänien unter der Diktatur Ceaușescus auf, deren Geheimdienst, die Securitate, allgegenwärtig ist, um Regimegegner sowie alle freiheitlich-kritisch denkenden Menschen zu unterdrücken. Müller studiert Germanistik und Romanistik an der Universität in Temeswar, wo 1972 die „Aktionsgruppe Banat“, ein Zusammenschluss kritischer Schriftsteller, gegründet und 1976 wieder verboten wird. Hier lernt sie ihren späteren Ehemann, den Schriftsteller Richard Wagner, Mitstreiter der „Aktionsgruppe Banat,“ kennen. 1982 erscheint Müllers Erzählband Niederungen, der thematisch das Leben von dörflichen Schwaben im Banat beschreibt. Das Buch wird vom rumänischen Staat zensiert und von Teilen der Bevölkerung im Banat als Nestbeschmutzung beschimpft. Der Geheimdienst Securitate wertet dieses Buch später aus und berichtet u.a.: „Neben Herabwürdigungen unseres Staates beschreibt sie verschiedene Sitten und Unsittlichkeiten, die in den Kreisen der Bürger deutscher Nationalität im Banat herrschen…“ (Quelle: soweit-das-auge-reicht.blogspot.com ). 1987 geht Herta Müller mit Richard Wagner in die Bundesrepublik Deutschland.
Herta Müller erhält für ihre Werke zahlreiche Auszeichnungen, darunter bereits 1984 den Aspekte-Literaturpreis, den Ricarda-Huch-Preis (1987), den Kleist-Preis (1994) und die Carl-Zuckmaier-Medaille (2002), um nur einige zu nennen. Im Jahr des Nobelpreises erscheint der Roman Atemschaukel, der nach den Erfahrungen des Lyrikers Oskar Pastior (1927-2006) die Verfolgung der Rumäniendeutschen unter Stalin zum Thema hat.

Herta Müller signiert ihren Roman "Atemschaukel" (Bild: Magnus Wanske)

Herta Müller signiert ihren Roman "Atemschaukel" (Bild: Magnus Wanske)

Hörprobe: Herta Müller bei lyrikline.org.

Werke: (eine Auswahl): Niederungen. Bukarest 1982 (Erzählband), Drückender Tango. Bukarest 1984 (Erzählband), Barfüßiger Februar. Berlin 1987, Reisende auf einem Bein. Graz/Berlin 1991, Herztier. Hamburg 1994, Atemschaukel. Roman, München 2009.

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2009/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2009/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)
http://www.perlentaucher.de/autoren/3479/Herta_Mueller.html (Rezensionen bei perlentaucher)
http://de.wikipedia.org/wiki/Herta_Müller (Portait Herta Müllers bei Wikipedia)