Stockholm, 4. Oktober 2010, 11:30 Uhr:
Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2010 geht an:
Robert G. Edwards
für die Entwicklung der In-vitro-Fertilisation.
Der britische Physiologe Robert Geoffrey Edwards (*1925 in Manchester, GB) ist der Pionier der Reproduktionsmedizin und entwickelte die in-vitro-Fertilisation, d.h. die Methode der künstlichen Befruchtung. Der Medizin-Nobelpreis 2010 geht damit an den Urvater des Retortenbabies. Nach seinem Studium der Agrarwissenschaften an der Universität in Glasgow lehrt Edwards Physiologie an der altehrwürdigen Universität in Cambridge (England).
Seit den späten 1950iger Jahren erforscht Edwards die Erzeugung von Embryos im Reagenzglas, die in-vitro-Fertilisation. Wenige Tage nach einer künstlichen Befruchtung wird zum Erreichen einer so gewünschten Fortpflanzung die befruchtete Eizelle wieder in die Gebärmutter der Frau überführt. 1978 kommt auf diese Weise das erste „Retortenbaby“ auf die Welt. Die Methode der in-vitro-Fertilisation ist inzwischen nicht mehr ungewöhnlich und hat vielen Paaren einen lange unerfüllt gebliebenen Kinderwunsch doch noch erfüllen können. Edwards gründet 1980 mit seinem Kollegen Patrick Steptoe eine Privatklinik für künstliche Befruchtung.

Spermium trifft Eizelle, elektronenmikroskopische Aufnahme
Hintergrund: Die Befruchtung zur Fortpflanzung geschieht auf natürlichem Wege, d.h. in-vivo, wenn in Folge des Geschlechtsverkehrs fruchtbare Spermien auf fruchtbare Eizellen treffen, so dass eine Befruchtung und die Entwicklung eines Embryos stattfinden kann.
In-vitro bedeutet im Reagenzglas, so dass bei der in-vitro-Fertilisation, also der künstlichen Befruchtung, die Befruchtung (Fertilisation) im Reagenzglas, d.h. außerhalb des Körpers vorgenommen wird. Dabei kann man den Befruchtungsvorgang zwischen Spermien und Eizellen im Reagenzglas spontan verlaufen lassen und nach 2-5 Tagen den entstandenen, mehrzelligen embryonalen Keim (Blastozyste) in die Gebärmutter zur Entwicklung einer Schwangerschaft einsetzen. Alternativ kann unter dem Mikroskop ein (gut entwickeltes) Spermium ausgewählt und in eine ebenfalls ausgewählte Eizelle injiziert werden. Künstlich befruchtete Eizellen können (auch noch im Mehrzellstadium) unter flüssigem Stickstoff bei -196°C praktisch unbegrenzt aufbewahrt werden.
Weblink: (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2010/ (Seite der Nobelstiftung)