Die Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie im Jahr 2001 sind Leland Hartwell, Tim Hunt und Sir Paul Nurse. Sie teilen sich den Nobelpreis für die Entdeckungen zur Regulation der Zellteilung (Zellzyklus).
Der amerikanische Molekularbiologe Leland Harrison Hartwell (*1939 in Los Angeles, Kalif., USA), zuletzt Direktor des „Fred Hutchinson Cancer Reasearch Centers“ (Institut für Krebsforschung) der Universität Washington in Seattle (Washington, USA), untersucht die einzelnen Stadien der Zellteilung an Hefezellen und kann bei seinen genetischen Versuchen die für die Regulation der Zellteilung verantwortlichen Gene ausfindig machen. Die britischen Biochemiker Richard Timothy („Tim“) Hunt (*1943 in Neston, UK) und Sir Paul M. Nurse (*1949 in Norwich, UK), beide Wissenschaftler in Laboratorien des“Imperial Cancer Rearch Fund“ in London, studieren ebenfalls die Regulierung der Zellteilung mit Fokus auf die für diese Regulierung wichtige Proteingruppe der Cycline.
Hintergrund:
Die Zellteilung oder Cytokinese läuft in mehreren Stadien ab, die im Zellzyklus aus Wachstum und Vermehrung von Zellen auftreten. Die Zellteilung wird genetisch reguliert. Damit wird sichergestellt, dass das Genom vollständig auf die Tochterzellen übertragen (repliziert) wird. Hierbei laufen wichtige Prüfmechanismen ab. Bei Zellen mit Zellkern, den Eukaryonten, beginnt die eigentliche Zellteilung mit der Kernteilung, der Mitose. Ein ganzer Zellzyklus dauert je nach Zelltyp meist mehrere Stunden, wobei vor und nach der Mitose Zwischenphasen auftreten. Von besonderer Bedeutung ist, dass die physiologisch vorgesehene Regulation in gesunden Zellen bei Krebszellen nicht mehr stattfindet. Krebszellen können sich daher außer Kontrolle teilen und vermehren.
Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2001/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2001/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)
Den Nobelpreis für Physiologie und Medizin 2009 teilen sich Elizabeth Blackburn, Carol W. Greider und Jack Szostak für ihre Entdeckung wie Chromosome durch Telomere und das Enzym Telomerase geschützt werden.
Die australisch-amerikanische Molekularbiologin Elizabeth Helen Blackburn (*1948 in Hobart, Tasmanien, Australien), vielfach ausgezeichnete Forscherin auf dem Gebiet der Telemerase und Professorin an der Universität Berkeley (Kalifornien) sowie ihre ehemalige Doktorandin, die amerikanische Molekularbiologin Carol W. Greider (*1961 in San Diego, Kalif., USA), heute Professorin an der John Hopkins Universität in Baltimore (Maryland), entdecken 1984 in Wimpertierchen (Einzeller der Gattung Tetrahymena) das Enzym Telomerase, das beim Aufbau der Endstücke in Chromosomen, den Telomeren, entscheidend beteiligt ist. Blackburn berichtet bereits 1980 von ihrer Beobachtung, dass sich an Chromosmenenden bestimmte Nukleotidsequenzen häufig wiederholen. Der englisch-amerikanische Molekularbiologe Jack William Szostak (*1952 in London, GB) entdeckt u.a. den unerwartet schnellen Abbau bestimmter linearer DNA, die als Minichromosomen betrachtet werden können, beim Einbau in Hefezellen. Seit den 1980iger Jahren verfolgen er und Elisabeth Blackburn gemeinsame Projekte auf dem Gebiet der Telomere. Szostak ist heute Professor an der Universität Harvard in Cambridge (Massachusetts).
Hintergrund: Telomere sind DNA-Sequenzen an Chromosomenenden, die sich durch tausendfache Wiederholung charakteristischer Nukleotidsequenzen auszeichnen. Telomere spielen eine entscheidende Rolle bei der Zellteilung und für den Zelltod. Bei jeder Zellteilung gehen am Ende Nukleotidsequenzen verloren, bis ab Unterschreitung einer bestimmten Mindestlänge der Zelltod eintritt.
Die Telomerase ist ein Enzym, chemisch gesehen ein bestimmter RNA-Protein-Komplex, das den Wiederaufbau abgebauter Nukleotidbasen in Telomeren katalysiert. Die Telomerase kommt daher nur in Zellen vor, in denen kein Zelltod genetisch programmiert ist, solche Zellen sind beispielsweise (embryonale) Stammzellen, bestimmte Immunzellen sowie Krebszellen.
Telomere und Telomerase sind ein aufregendes Gebiet der Molekularbiologie. Sie spielen einerseits eine große Rolle bei der Entstehung und Bekämpfung von Krebs, andererseits wird ihr Zusammenspiel für die gewünschte Erneuerung von Gewebe und mit Blick auf eine mögliche Lebensverlängerung weltweit intensiv erforscht und diskutiert.
Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2009/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2009/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)