Archiv für die Kategorie 'Nobelpreise-Literatur'

Mit dem Literaturnobelpreis 2003 wird J. M. Coetzee für seine Prosa ausgezeichnet. In der Preisbegründung wird hervorgehoben, dass der Autor damit „in zahlreichen Verkleidungen die überrumpelnde Teilhabe des Außenseitertums darstellt”.

Die südafrikanische Schriftsteller John M. Coetzee (*1940 in Kapstadt, Südafrika) lebt und arbeitet seit 2002 in Australien. Coetzee kommt aus einer Familie des Mittelstands mit niederländischen Wurzeln. Er studiert Englisch und Mathematik und arbeitet zunächst als Informatiker, später erhält er als Professor an verschiedenen Universitäten Lehraufträge in Literaturwissenschften. 1974 erscheint sein erster Band mit dem Titel Dusklands, der 2 Novellen enthält. In seiner Literatur beschäftigt sich Coetzee mit den sozialen Fragestellungen seines Heimatlandes, darunter auch die Probleme der Apartheid. Einen großen Erfolg erringt Coetzee mit seinem Roman Leben und Zeit des Michael K. für den er 1984 mit dem renommierten Booker-Preis ausgezeichnet wird. Seit 1994 erscheinen von ihm nahezu im 2-Jahres-Rythmus neue Romane, wobei er für den Titel Schande 1999 zum 2. Mal mit dem Booker-Preis ausgezeichnet wird. Neben seinen Romanen veröffentlicht Coetzee auch Sachbücher und Essays zu gesellschaftlichen und literaturwissenschaftlichen Fragestellungen.

J.M. Coetzee in Warschau 2006 (Bild: Mariusz Kubik)

J.M. Coetzee in Warschau 2006 (Bild: Mariusz Kubik)

Werke: (eine Auswahl der Romane, teilweise deutsche Titel, ggf. in Klammern: Orginaltitel und Erscheinungsjahr): Dusklands (1974), Waiting for the Barbarians (1980), Leben und Zeit des Michael K. (Life & Times of Michael K , 1984), Schande (Disgrace, 1999), Tagebuch eines schlimmen Jahres (Diary of a Bad Year, 2007) sowie zuletzt Sommer des Lebens (Summertime, 2009).

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2003/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2003/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)
http://www.perlentaucher.de/autoren/1140/J_M_Coetzee.html (Rezensionen zu Coetzee bei perlentaucher.de)

Mit dem Literaturnobelpreis 2004 wird Elfriede Jelinek für ihre Prosa und die Dramen ausgezeichnet. In der Begründung für diese höchste Auszeichnung wird hervorgehoben, dass Jelineks Werk eine „einzigartige sprachliche Leidenschaft” aufweist, die „die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees” offenbart.

Die vielfach ausgezeichnete österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek (*1946 in Mürzzuschlag; Steiermark, Österreich) besucht in der Kindheit eine (katholische) Klosterschule und wird als Jugendliche intensiv musikalisch geschult (u.a. Aufnahme an das Wiener Konservatorium). Jelinek beginnt in einer persönlichen Krise und nach Abbruch des Studiums (Theaterwissenschaften, Kunsgeschichte) Ende der 1960iger Jahre mit dem Schreiben und beendet 1968 ihren ersten Roman bukolit. In der nachfolgenden Zeit entwickelt sie Ausdrucksmöglichkeiten für ihre auch biografisch begründete Verachtung gegenüber einem österreichisch-katholischen Bürgertum, das sich der NS-Vergangenheit nicht stellen will, gegenüber Patriarchat, Pornographie und kapitalistischem Kommerz. Hier erscheint Jelineks Empfinden gewissermaßen seelenverwandt mit den Bildern eines Manfred Deix. Sie gewinnt mit ihren Texten und Stücken, die vom Publikum zuweilen als zynisch und provokativ aufgefasst werden, eine große Aufmerksamkeit. Einen besonders großen Erfolg erzielt Jelinek 1985 mit dem oft biografisch gedeuteten, später verfilmten Roman Die Klavierspielerin sowie 1989 mit Lust, einer Satire auf Pornografie. Ihre Stücke werden anfangs bevorzugt an experimentierfreudigen Bühnen, bald darauf aber auch in vielen großen Schauspielhäusern aufgeführt. Genannt seien hier beispielsweise Ein Sportstück, das 1998 eine berühmte Inszenierung durch den Regisseur und Dramatiker Einar Schleef (1944-2001) erlebt, oder Bambiland, 2003 inszeniert von Christoph Schlingensief (1960-2010) am Burgtheater Wien.

Dramatische Werke: (eine Auswahl der dramatischen Werke, Jahr Erstaufführung): Burgtheater (1985), Krankheit oder Moderne Frauen (1987),  Wolken.Heim. (1988), Ein Sportstück (1998), Bambiland (2003), Ulrike Maria Stuart (2006) sowie zuletzt Die Kontrakte des Kaufmanns. Eine Wirtschaftskomödie (2009).

Prosa Werke: (eine Auswahl der Romane, Erscheinungsjahr): bukolit (1979), wir sind lockvögel baby! (1970),  Die Liebhaberinnen (1975), Die Ausgesperrten (1980), Die Klavierspielerin (1985), Lust (1989) sowie zuletzt Neid (2009, nur auf Jelineks Homepage im Internet).

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2004/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2004/jelinek-lecture-g.html (Nobelvortrag Jelineks bei der Nobelstiftung)
http://www.elfriedejelinek.com (Seite von und über Jelinek)

Mit dem Literaturnobelpreis 2005 wird Harold Pinter ausgezeichnet, der diese höchste Auszeichnung für sein Gesamtwerk erhält. In der Preisbegründung wird u.a. die Freilegung des Abgrunds „unter dem alltäglichen Geschwätz” im dramatischen Werk des Theaterschriftstellers hervorgehoben

Die britische Schriftsteller Sir Harold Pinter (*1930 in London; † 2008) gilt mit Samuel Beckett im 20. Jahrhundert als bedeutendster Vertreter des Absurden Theaters. Darüber hinaus ist Pinter Verfasser von zahlreichen Hörspielen, Drehbüchern sowie von Prosa und Lyrik. Als politischer Mensch ergreift Pinter stets Partei für unterdrückte Menschen und soziale Errungenschaften. Bereits als junger Mann zeigt Pinter, der den Wehrdienst verweigert und dafür in Haft muss, eine politisch freiheitsliebende Einstellung, die er bis an sein Lebensende vetreten wird. Pinter enstammt einer jüdischen Familie in London und beginnt seine künstlerische Entwicklung als Schauspieler für eine Wanderbühne. Ein begonnenes Studium für Theaterwissenschaften bricht er ab. 1957 debütiert er mit zwei Theaterstücken, The Room und The Birthday Party. Mit dem Stück The Caretaker (zu deutsch: Der Hausmeister) erreicht Pinter 1960 einen großen Erfolg beim Publikum und bei der Kritik. Nicht nur The Caretaker steht bis heute in vielen Ländern regelmäßig auf dem Programm. Gelegentlich trat Pinter in seinen Stücken auch immer wieder selbst als Schauspieler auf.
In seinem Nobelvortrag über „Kunst, Wahrheit & Politik“ sagt Pinter, dass es für ihn als Künstler nie klare Unterschiede gibt, „zwischen dem, was wirklich und dem was unwirklich ist, genauso wenig, wie zwischen dem, was wahr und dem was unwahr ist“. Die zentrale Aufgabe des Künstlers sei die „Erforschung der Wirklichkeit durch Kunst“. Der (politische) Bürger Pinter jedoch will wissen: „Was ist wahr? Was ist unwahr?“ Im zweiten Teil seines Vortrages wird er dann politisch wendet er sich in scharfen Worten gegen die (von Großbritannien unterstützte) US-Außenpolitik in Mittelamerika und bei der Invasion in den Irak.

Werke: (eine Auswahl der dramatischen Werke, deutsche Titel; in Klammern: Titel des Orginals mit Erscheinungsjahr):  Das Zimmer (The Room, 1957),  Die Geburtstagsfeier (The Birthday Party, 1957), Der Hausmeister (The Caretaker, 1960), Schnee (Kar, 2002), Niemandsland (No Man’s Land, 1974), Betrogen (Betrayal, 1978), Berg-Sprache (Mountain Language, 1988), The New World Order (1991), Party-Time (1991) und als letztes Theaterstück Pressekonferenz (Press-Conference, 2002).

Video: Harold Pinters Nobelvortrag auf youtube.com: Teil 1 und hier Teil 2.

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2005/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2005/pinter-lecture-g.html (Nobelvortrag Pinters auf Deutsch bei der Nobelstiftung)
http://www.haroldpinter.org (Seite mit umfassender Bibliographie zu Harold Pinter)

Mit dem Literaturnobelpreis 2006 wird Orhan Pamuk ausgezeichnet, der diese höchste Auszeichnung für sein schriftstellerisches Gesamtwerk erhält. In der Preisbegründung wird hervorgehoben, dass er mit seiner Prosa „auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt Istanbul neue Sinnbilder für Zusammenstoß und Verflechtung der Kulturen gefunden hat”.

Die türkische Schriftsteller Orhan Pamuk (*1952 in Istanbul) entstammt einer wohlhabenden und kulturell westlich ausgerichteten Familie, wobei es ein Großvater war, ein erfolgreicher Ingenieur und Geschäftsmann, der den Wohlstand einst begründete. Der junge Orhan bricht aus, er will nicht wie sein Vater und Großvater Ingenieur werden sondern Maler. Tatsächlich malt Pamuk ernsthaft bis zum Alter von 22 Jahren, wendet sich danach aber hauptsächlich dem Schreiben zu. Zu dieser Zeit beendet er seine erste Novelle, Cevdet Bey ve Oğullar (Herr Cevedet und seine Söhne), die 1982 veröffentlicht wird. Pamuk entwickelt sich zu einem auch im Ausland erfolgreichen Schriftsteller, dessen biografisch inspirierte Themen oft um Menschen (in Istanbul) kreisen, die kulturell zwischen türkisch-muslimischen Traditionen und modernen westlichen Lebensvorstellungen hin- und hergerissen werden. Der Autor setzt sich darüber hinaus öffentlich für Menschenrechte, Minderheitenrechte, mehr Demokratie und aufgeklärte individuelle Freiheit ein, was ihm Schwierigkeiten und Anklagen seitens der politischen Machthabern in der Türkei einbringt. Pamuk wird im Jahr 2005 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet, sowohl für seine Romane, in denen Pamuk orientalische Erzähltraditionen mit der westeuropäischen Weise des Romans verbindet, als auch für sein mutiges politisches Engagement. Pamuks Stadt, Istanbul, die Metropole zwischen Orient und Okzident, glänzt im Jahr 2010 als Kulturhauptstadt Europas, mutmaßlich auch befördert durch die Romane und den Erfolg Pamuks.

Werke: (eine Auswahl, deutsche Titel; in Klammern: Titel des Orginals mit Erscheinungsjahr):  Herr Cevedet und seine Söhne (Cevdet Bey ve Oğullar, 1982)Das stille Haus (Sessiz Ev, 1983), Das neue Leben (Yeni Hayat, 1994), Schnee (Kar, 2002), Istanbul – Erinnerungen an eine Stadt (İstanbul – Hatıralar ve Şehir, 2003) sowie zuletzt der Roman Das Museum der Unschuld (Masumiyet Müzesi, 2008).

Video: Interview mit Pamuk bei Deutsche Welle TV bei youtube.com

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2006/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2006/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2006/pamuk-lecture_ty.html (Pamuks Nobelpreisrede „Der Koffer meines Vaters“, in deutscher Sprache)
http://www.perlentaucher.de/autoren/7530/Orhan_Pamuk.html (Portrait und Rezensionen bei perlentaucher.de)
http://de.wikipedia.org/wiki/Orhan_Pamuk (Wikipedia ausführlich über Orhan Pamuk)

Der Literaturnobelpreis 2007 geht an Doris Lessing, die diese höchste Auszeichnung für ihr schriftstellerisches Gesamtwerk erhält. Darin wird sie mit ihrem Werk als „Epikerin weiblicher Erfahrung, die sich mit Skepsis, Leidenschaft und visionärer Kraft eine zersplitterte Zivilisation zur Prüfung vorgenommen hat” besonders hervorgehoben.

Die britische Schriftstellerin Doris Lessing (*1919 in Kermanschah, Iran) verbringt als Doris May Taylor ihre Kindheit zunächst im Iran, wo ihr Vater für die iranische Nationalbank arbeitet, und später in Südrhodesien (heute: Zimbabwe), damals britische Kolonie in Afrika. Als Autorin behandelt Lessing thematisch das karge Leben britischer Siedler, insbesondere der Frauen in den Kolonien, sowie die schwierige soziale Lage der einheimischen Bevölkerung und den Rassismus. Hierfür steht beispielhaft ihr erster Roman mit dem deutschen Titel Afrikanische Tragödie (The Grass Is Singing) von 1950. Die weibliche Perspektive ist ein besonders wesentlicher Aspekt in ihrem Werk. Der Roman Das goldene Notizbuch (The Golden Notebook) von 1962 wird vielfach als ihr Hauptwerk bezeichnet. Sie gilt als sozial mitfühlende, politisch links-stehende und feministische Schriftstellerin, die sich jedoch von Ideologien distanziert zeigt. Den deutschen Namen Lessing behält die Autorin von ihrem 2. Ehemann, dem deutschen Kommunisten und späteren DDR-Diplomaten Gottfried Lessing, im übrigen ein Onkel des populären deutschen Politikers Gregor Gysi, der seiner Tante zum Nobelpreis auch persönlich gratuliert.

Werke: (eine Auswahl mit deutschen Titeln, in Klammern: Titel des Orginals, Erscheinungsjahr in Großbritannien):  Afrikanische Tragödie (The Grass Is Singing, 1963)Das goldene Notizbuch (The Golden Notebook, 1962), Rückkehr nach Afrika (African Laughter. Four Visits to Zimbabwe, 1998) sowie zuletzt der Roman Alfred and Emily (2008).

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2007/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2007/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)
http://www.dorislessing.org (Homepage der Autorin u.a. mit Werkverzeichnis)
http://www.perlentaucher.de/autoren/1065/Doris_Lessing.html (Portrait und Rezensionen bei perlentaucher.de)

Der Literaturnobelpreis 2008 geht an Jean-Marie Gustave Le Clézio, der diese höchste Auszeichnung für sein schriftstellerisches Gesamtwerk erhält. Darin wird er mit seinem Werk als „Erforscher einer Menschlichkeit außerhalb und unterhalb der herrschenden Zivilisation” besonders hervorgehoben.

Der französische Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio (*1940 in Nizza, Frankreich) entstammt einer bretonischen Familie, die in der Zeit der französichen Revolution auf die Insel Mauritius im indischen Ozean auswandert. Diese Insel steht bis 1810 unter französicher und danach bis zu ihrer Unabhängigkeit 1968 unter britischer Herrschaft. Charakteritisch für Le Clézios Biographie sind dessen familiär, privat oder beruflich bedingten längeren Aufenthalte in außereuropäischen Ländern, beispielsweise in verschiedenen Ländern Afrifkas, Süd- und Mittelamerikas.
Als Autor hat Le Clézio bereits mit 23 Jahren einen großen Erfolg mit seinem Roman Das Protokoll, der 1963 unter seinem französsichen Titel Le Procès-verbal im traditionsreichen Verlag Gallimard in Paris erscheint. In der Folge veröffentlicht er zahlreiche Romane, die ihre Inspiration aus den Kulturen fremder Länder beziehen, ohne das dabei diese Kulturen für den Leser auf eine europäische Vorstellung vom typisch Exotischen reduziert werden.

Werke: (Auswahl, deutsche Titel, in Klammern: Titel, Erscheinungsort mit -jahr in Frankreich): Das Protokoll (Le Procès-verbal, Paris 1963)Das Fieber (La Fièvre, Paris 1965, Novellenband), Terra amata (Terra amata, Paris 1967), Wüste (Désert, Paris 1980), Revolution (Révolutions, Paris 2003), Der Afrikaner (L’Africain, Paris 2004) sowie zuletzt der Roman Ritournelle de la faim (Paris 2008).

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2008/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2008/press_ty.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)
http://www.perlentaucher.de/autoren/2078/J_M_G_Le_Clezio.html (Rezensionen bei perlentaucher)
http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Marie_Gustave_Le_ Clézio (Portait Le Clézios bei Wikipedia)

Mit dem Literaturnobelpreis 2009 wird Herta Müller ausgezeichnet. Die Nobelpreisträgerin erhält diese höchste Auszeichnung für ihr schriftstellerisches Gesamtwerk. Darin wird ihre Sprache „die mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit zeichnet” besonders hervorgehoben.

Die deutsche Schriftstellerin Herta Müller (*1953 in Nitzkydorf, Rumänien) stammt aus der Region Banat, historisch und sprachlich gesehen eine sehr interessante Region, die bis Ende des 1. Weltkriegs zur österreichisch-ungarischen Donaumonarchie angehört und deren Teilgebiete später in Rumänien, Ungarn und Serbien liegen. In der Banatregion siedeln sich im 18. Jahrhundert während der sogenannten  „Schwabenzüge“ Schwaben an. Bis in die Gegenwart gibt es dort eine ansässige deutsche Bevölkerung, deren Zahl allerdings rückläufig ist.
Herta Müller wächst in Rumänien unter der Diktatur Ceaușescus auf, deren Geheimdienst, die Securitate, allgegenwärtig ist, um Regimegegner sowie alle freiheitlich-kritisch denkenden Menschen zu unterdrücken. Müller studiert Germanistik und Romanistik an der Universität in Temeswar, wo 1972 die „Aktionsgruppe Banat“, ein Zusammenschluss kritischer Schriftsteller, gegründet und 1976 wieder verboten wird. Hier lernt sie ihren späteren Ehemann, den Schriftsteller Richard Wagner, Mitstreiter der „Aktionsgruppe Banat,“ kennen. 1982 erscheint Müllers Erzählband Niederungen, der thematisch das Leben von dörflichen Schwaben im Banat beschreibt. Das Buch wird vom rumänischen Staat zensiert und von Teilen der Bevölkerung im Banat als Nestbeschmutzung beschimpft. Der Geheimdienst Securitate wertet dieses Buch später aus und berichtet u.a.: „Neben Herabwürdigungen unseres Staates beschreibt sie verschiedene Sitten und Unsittlichkeiten, die in den Kreisen der Bürger deutscher Nationalität im Banat herrschen…“ (Quelle: soweit-das-auge-reicht.blogspot.com ). 1987 geht Herta Müller mit Richard Wagner in die Bundesrepublik Deutschland.
Herta Müller erhält für ihre Werke zahlreiche Auszeichnungen, darunter bereits 1984 den Aspekte-Literaturpreis, den Ricarda-Huch-Preis (1987), den Kleist-Preis (1994) und die Carl-Zuckmaier-Medaille (2002), um nur einige zu nennen. Im Jahr des Nobelpreises erscheint der Roman Atemschaukel, der nach den Erfahrungen des Lyrikers Oskar Pastior (1927-2006) die Verfolgung der Rumäniendeutschen unter Stalin zum Thema hat.

Herta Müller signiert ihren Roman "Atemschaukel" (Bild: Magnus Wanske)

Herta Müller signiert ihren Roman "Atemschaukel" (Bild: Magnus Wanske)

Hörprobe: Herta Müller bei lyrikline.org.

Werke: (eine Auswahl): Niederungen. Bukarest 1982 (Erzählband), Drückender Tango. Bukarest 1984 (Erzählband), Barfüßiger Februar. Berlin 1987, Reisende auf einem Bein. Graz/Berlin 1991, Herztier. Hamburg 1994, Atemschaukel. Roman, München 2009.

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2009/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2009/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)
http://www.perlentaucher.de/autoren/3479/Herta_Mueller.html (Rezensionen bei perlentaucher)
http://de.wikipedia.org/wiki/Herta_Müller (Portait Herta Müllers bei Wikipedia)

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