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Der Literaturnobelpreis 2008 geht an Jean-Marie Gustave Le Clézio, der diese höchste Auszeichnung für sein schriftstellerisches Gesamtwerk erhält. Darin wird er mit seinem Werk als „Erforscher einer Menschlichkeit außerhalb und unterhalb der herrschenden Zivilisation” besonders hervorgehoben.

Der französische Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio (*1940 in Nizza, Frankreich) entstammt einer bretonischen Familie, die in der Zeit der französichen Revolution auf die Insel Mauritius im indischen Ozean auswandert. Diese Insel steht bis 1810 unter französicher und danach bis zu ihrer Unabhängigkeit 1968 unter britischer Herrschaft. Charakteritisch für Le Clézios Biographie sind dessen familiär, privat oder beruflich bedingten längeren Aufenthalte in außereuropäischen Ländern, beispielsweise in verschiedenen Ländern Afrifkas, Süd- und Mittelamerikas.
Als Autor hat Le Clézio bereits mit 23 Jahren einen großen Erfolg mit seinem Roman Das Protokoll, der 1963 unter seinem französsichen Titel Le Procès-verbal im traditionsreichen Verlag Gallimard in Paris erscheint. In der Folge veröffentlicht er zahlreiche Romane, die ihre Inspiration aus den Kulturen fremder Länder beziehen, ohne das dabei diese Kulturen für den Leser auf eine europäische Vorstellung vom typisch Exotischen reduziert werden.

Werke: (Auswahl, deutsche Titel, in Klammern: Titel, Erscheinungsort mit -jahr in Frankreich): Das Protokoll (Le Procès-verbal, Paris 1963)Das Fieber (La Fièvre, Paris 1965, Novellenband), Terra amata (Terra amata, Paris 1967), Wüste (Désert, Paris 1980), Revolution (Révolutions, Paris 2003), Der Afrikaner (L’Africain, Paris 2004) sowie zuletzt der Roman Ritournelle de la faim (Paris 2008).

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2008/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2008/press_ty.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)
http://www.perlentaucher.de/autoren/2078/J_M_G_Le_Clezio.html (Rezensionen bei perlentaucher)
http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Marie_Gustave_Le_ Clézio (Portait Le Clézios bei Wikipedia)

Mit dem Literaturnobelpreis 2009 wird Herta Müller ausgezeichnet. Die Nobelpreisträgerin erhält diese höchste Auszeichnung für ihr schriftstellerisches Gesamtwerk. Darin wird ihre Sprache „die mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit zeichnet” besonders hervorgehoben.

Die deutsche Schriftstellerin Herta Müller (*1953 in Nitzkydorf, Rumänien) stammt aus der Region Banat, historisch und sprachlich gesehen eine sehr interessante Region, die bis Ende des 1. Weltkriegs zur österreichisch-ungarischen Donaumonarchie angehört und deren Teilgebiete später in Rumänien, Ungarn und Serbien liegen. In der Banatregion siedeln sich im 18. Jahrhundert während der sogenannten  „Schwabenzüge“ Schwaben an. Bis in die Gegenwart gibt es dort eine ansässige deutsche Bevölkerung, deren Zahl allerdings rückläufig ist.
Herta Müller wächst in Rumänien unter der Diktatur Ceaușescus auf, deren Geheimdienst, die Securitate, allgegenwärtig ist, um Regimegegner sowie alle freiheitlich-kritisch denkenden Menschen zu unterdrücken. Müller studiert Germanistik und Romanistik an der Universität in Temeswar, wo 1972 die „Aktionsgruppe Banat“, ein Zusammenschluss kritischer Schriftsteller, gegründet und 1976 wieder verboten wird. Hier lernt sie ihren späteren Ehemann, den Schriftsteller Richard Wagner, Mitstreiter der „Aktionsgruppe Banat,“ kennen. 1982 erscheint Müllers Erzählband Niederungen, der thematisch das Leben von dörflichen Schwaben im Banat beschreibt. Das Buch wird vom rumänischen Staat zensiert und von Teilen der Bevölkerung im Banat als Nestbeschmutzung beschimpft. Der Geheimdienst Securitate wertet dieses Buch später aus und berichtet u.a.: „Neben Herabwürdigungen unseres Staates beschreibt sie verschiedene Sitten und Unsittlichkeiten, die in den Kreisen der Bürger deutscher Nationalität im Banat herrschen…“ (Quelle: soweit-das-auge-reicht.blogspot.com ). 1987 geht Herta Müller mit Richard Wagner in die Bundesrepublik Deutschland.
Herta Müller erhält für ihre Werke zahlreiche Auszeichnungen, darunter bereits 1984 den Aspekte-Literaturpreis, den Ricarda-Huch-Preis (1987), den Kleist-Preis (1994) und die Carl-Zuckmaier-Medaille (2002), um nur einige zu nennen. Im Jahr des Nobelpreises erscheint der Roman Atemschaukel, der nach den Erfahrungen des Lyrikers Oskar Pastior (1927-2006) die Verfolgung der Rumäniendeutschen unter Stalin zum Thema hat.

Herta Müller signiert ihren Roman "Atemschaukel" (Bild: Magnus Wanske)

Herta Müller signiert ihren Roman "Atemschaukel" (Bild: Magnus Wanske)

Hörprobe: Herta Müller bei lyrikline.org.

Werke: (eine Auswahl): Niederungen. Bukarest 1982 (Erzählband), Drückender Tango. Bukarest 1984 (Erzählband), Barfüßiger Februar. Berlin 1987, Reisende auf einem Bein. Graz/Berlin 1991, Herztier. Hamburg 1994, Atemschaukel. Roman, München 2009.

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2009/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2009/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)
http://www.perlentaucher.de/autoren/3479/Herta_Mueller.html (Rezensionen bei perlentaucher)
http://de.wikipedia.org/wiki/Herta_Müller (Portait Herta Müllers bei Wikipedia)

Die Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie im Jahr 2000 sind Arvid Carlsson, Paul Greengard und Eric Kandel. Sie teilen sich den Nobelpreis für ihre Entdeckungen zur Signalübertragung im Nervensystem.

Der vielfach und  darunter bereits 1979 mit dem Wolf-Preis ausgezeichnete schwedische Mediziner und Pharmakologe Arvid Carlsson (*1923 in Uppsala, Schweden), bis zu seiner Emeritierung 1989 Professor für Pharmakologie an der Universität Göteburg, entdeckt in den 1950iger Jahren den Neurotransmitter (Botenstoff) Dopamin und die Bedeutung eines Dopaminmangels für die Krankheit Parkinson. Der amerikanische Biochemiker Paul Greengard (*1925 in New York City), Professor am Institut für molekulare und zelluläre  Neurowissenschaften der Rockefeller University in New York City, erforscht die Wege der Signalübertragung an den Synapsen von Nervenzellen im Gehirn und die biochemischen Wege des Dopamins. Der österreichisch-amerikanische Psychiater und Neurobiologe Eric Richard Kandel (*1925 in Wien), dessen jüdische Familie 1939 in die USA emigriert, beginnt seine wissenschaftliche Laufbahn mit einem Stipendium an der Universität Harvard in Cambridge (Massachusetts, USA), zuletzt ist er als Professor an der Columbia University in New York City. Kandel wird als Wissenschaftler für seine Forschungen zum Gedächtnis und zum Lernen bereits vor Erhalt des Nobelpreises vielfach ausgezeichnet (darunter 1999 ebenfalls mit dem Wolf-Preis).

chemische Strukturformel des Neurotransmitters Dopamin

chemische Strukturformel des Neurotransmitters Dopamin

Hintergrund:
Angeregte Nervenzellen (Neurone) leiten über ihre Nervenfasern (Axon) elektrische Signale an Synapsen, die Kontaktstelle zu anderen Zellen, beispielsweise eine Muskelzelle (eines „Erfolgsorgans“) oder eine andere Nervenzelle (Dendrit). In einer Synapse kann das elektrische Signal die Ausschüttung eines chemischen Botenstoffes, den Neuorotransmitter, auslösen. Mittels des ausgeschütteten Neurotransmitters wird das Signal chemisch über den synaptischen Spalt hinweg zu den Rezeptoren der nächsten Zelle übertragen. Wichtige Neurotransmitter sind z.B. Acetylcholin, Dopamin, Adrenalin oder Serotonin.

Schema Ausschüttung eines Neurotransmitters an Synapse

Schema Ausschüttung eines Neurotransmitters an Synapse

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2000/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2000/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)

Die Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie im Jahr 2001 sind Leland Hartwell, Tim Hunt und Sir Paul Nurse. Sie teilen sich den Nobelpreis für die Entdeckungen zur Regulation der Zellteilung (Zellzyklus).

Der amerikanische Molekularbiologe Leland Harrison Hartwell (*1939 in Los Angeles, Kalif., USA), zuletzt Direktor des „Fred Hutchinson Cancer Reasearch Centers“ (Institut für Krebsforschung) der Universität Washington in Seattle (Washington, USA), untersucht die einzelnen Stadien der Zellteilung an Hefezellen und kann bei seinen genetischen Versuchen die für die Regulation der Zellteilung verantwortlichen Gene ausfindig machen.  Die britischen Biochemiker Richard Timothy („Tim“) Hunt (*1943 in Neston, UK) und Sir Paul M. Nurse (*1949 in Norwich, UK), beide Wissenschaftler in Laboratorien des“Imperial Cancer Rearch Fund“ in London, studieren ebenfalls die Regulierung der Zellteilung mit Fokus auf die für diese Regulierung wichtige Proteingruppe der Cycline.

Hintergrund:
Die Zellteilung oder Cytokinese läuft in mehreren Stadien ab, die im Zellzyklus aus Wachstum und Vermehrung von Zellen auftreten. Die Zellteilung wird genetisch reguliert. Damit wird sichergestellt, dass das Genom vollständig auf die Tochterzellen übertragen (repliziert) wird. Hierbei laufen wichtige Prüfmechanismen ab. Bei Zellen mit Zellkern, den Eukaryonten, beginnt die eigentliche Zellteilung mit der Kernteilung, der Mitose. Ein ganzer Zellzyklus dauert je nach Zelltyp meist mehrere Stunden, wobei vor und nach der Mitose Zwischenphasen auftreten. Von besonderer Bedeutung ist, dass die physiologisch vorgesehene Regulation in gesunden Zellen bei Krebszellen nicht mehr stattfindet. Krebszellen können sich daher außer Kontrolle teilen und vermehren.

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2001/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2001/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)

Die Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie im Jahr 2002 sind Sydney Brenner, Bob Horvitz und John E. Sulston. Sie teilen sich den Nobelpreis für die Entdeckungen zur genetischen Regulierung der Organentwicklung und des programmierten Zellsterbens (Apoptose).

Der südafrikanisch-britische Molekuarbiologe Sydney Brenner (*1927 in Germiston, Südafrika), zuletzt für das private Institut „Janena Farm Resaerch Campus“ in Ashburn (Virginia, USA) tätig, ist ein bekannter Spezialist auf dem Gebiet der Organentwicklung, insbesondere für den Organismus des Fadenwurms.  Der amerikanische Biologe Howard Robert („Bob“) Horvitz (*1947 in Chicago, Illinois, USA), zuletzt Professor am Massachusetts Institut of Technoligy (MIT) in Cambridge (Massachusetts, USA), und sein Kollege, der  britische Biochemiker John Edward Sulston (*1942 in Cambridge, UK), zuletzt Wissenschaftler (bis 2000 auch Direktor) an der privaten Forschungseinrichtung „Wellcome Trust Sanger Institute“, studieren ebenfalls den Fadenwurm. Horvitz ist dabei insbesondere auf das genetisch programmierte Zellsterben, die Apoptose, spezialisiert. Sulston arbeitet zeitweise auch mit Martin Chalfie zusammen, dem späteren Nobelpreisträger für Chemie 2008.

Hintergrund:
Die Apoptose ist der körpereigene, physiologisch vorgesehene Prozess des genetisch programmierten Zellstods, der mit dem Schrumpfen der Zelle beginnt. Hierbei wird die DNA der Zelle abgebaut. Die Apoptose gehört zum natürlichen Stoffwechsel. So ist der programmierte Zelltod Teil der Organentwicklung, wenn bestimmte Zellen nur vorübergehend gebildet werden (z.B. „Schwimmhäute“ während der embryonalen Entwicklung beim Menschen) und später wieder abgebaut werden, oder wenn Zellen erneuert werden, etwa bei der Bildung neuer Haut. Dazu spielt die Apoptose im Immunsystem eine sehr wichtige Rolle bei der Entsorgung infizierter oder beschädigter Zellen. Die Apoptose kann auch von außen her aktiviert werden, beispielsweise durch Mangelernährung oder durch Einwirkung von Chemikalien.

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http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2002/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2002/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)

Die Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie im Jahr 2003 sind Paul C. Lauterbur und Peter Mansfield. Sie teilen sich den Nobelpreis für die Erforschung der bildgebenden Technik der diagnostisch so wertvollen Magnetresonanztomographie (MRT).

Der amerikanische Chemiker Paul Christian Lauterbur (*1929 in Sidney, Ohio, USA; †2007), zuletzt Professor an der University of Illinois (Chicago), und der britische Physiker Sir Peter Mansfield (*1933 in London), zuletzt Professor an der Universität Nottingham (UK), sind beide vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler, die durch ihre Forschungen die Entwicklung der bildgebenden Technik mittels MRT  (Magnetresonanztomographie) möglich gemacht haben.  Lauterbur war Spezialist auf dem Gebiet der verwandten Technik der Kernresonanz-Spektroskopie, englisch kurz NMR-Spektroskopie (nuclear magnetic resonance) und führte technisch magnetische Gradientenfelder ein, die die räumliche Verteilung der Signale aus Kernspinresonanzen erkennbar machte. Mansfield beschäftigt sich ebenfalls bereits seit Ende der 1950iger Jahre mit der NMR-Spektroskopie. Er entwickelt in den 1970iger Jahren die Möglichkeit der Umwandlung von Signalen aus Kernspinresonanzen von Körpergewebe in sichtbare Bilder.

Echtzeit-MRT am Herz (Quelle: Wikipedia Commons, von: Stevenfruitsmaak)

Echtzeit-MRT am Herzen (Quelle: Wikipedia Commons, von: Stevenfruitsmaak)

Hintergrund:
Die Magnetresonanztomographie (MRT), auch Kernspintomographie genannt, beruht auf dem physikalischen Prinzip der angeregten Kernspinresonanz (vgl. Chemie-Nobelpreis 2002). Im angelegten Magnetfeld (und bei angelegtem elektromagnetischen Wechselfeldern im Radiofrequenzbereich) können in den Atomkernen im Körper je nach gewebespezifischer bzw. chemischer Umgebung, Resonanzen der Kernspins (zumeist werden Wasserstoffkerne betrachtet) auftreten und sichtbar gemacht werden. Das bildgebende Verfahren der MRT liefert dabei in schonender Weise diagnostisch höchst wertvolle und genaue Bilder von Körpergewebe.

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2003/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2003/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)

Die Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie im Jahr 2004 sind Richard Axel und Linda B. Buck. Sie teilen sich den Nobelpreis für die Erforschung der Riechrezeptoren und der Organisation des olfaktorischen Systems.

Der amerikanische Mediziner Richard Axel (*1946 in New York City), Professor an der Columbia Universität (New York City), arbeitet Anfang der 1990iger Jahre mit seiner PostDoc-Mitarbeiterin Linda B. Buck (*1947 in Seattle, Wash., USA), später Professor an der Universität Washington, auf dem Gebiet der Riechrezeptoren. Axel und Buck können mittels molekularbiologischer Methoden zahlreiche Gene identifizieren, die dem körpereigenen System der Geruchswahrnehmung zugeordnet werden können.

Hintergrund:
Die Erkennung und Unterscheidung von Gerüchen (und Geschmäckern) erfolgt im Körper über das olfaktorische System aus vielen unterschiedlichen Rezeptoren und Nervenleitungen. Die hier durch Gerüche ausgelösten Signale werden schließlich an den Riechkolben (Bulbus olfaktorius), einem Teil auf der Vorderseite des Gehirns, weitergeleitet.

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2004/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2004/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)

Die Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie im Jahr 2005 sind Barry Marshall und J. Robin Warren. Sie teilen sich den Nobelpreis für die Entdeckung des für Magengeschwüre verantwortlichen Bakteriums Heliobacter pylori.

Die australischen Mediziner John Robin Warren (*1937 in Adelaide, Austarlien), Facharzt (Pathologe) am Royal Hospital in der australischen Stadt Perth, und Barry Marshall (*1951 in Kalgoorli, Australien), Professor an der Universität Western Australia in Perth, entdecken das für Magengeschwüre, Zwölffingerdamrgeschwüre und Magenkrebs verantwortliche Bakterium Heliobacter pylori. Warren entdeckt Ende der 1970iger Jahre bei der Behandlung des Magengeschwürs seiner Frau Bakterienansiedlungen in einer Gewebeprobe der Magenschleimhaut, obwohl die damalige Medizin Bakterienansiedlungen im sauren Milieu des Magens nicht für möglich hält. Warren und Marshall stellen dennoch die These auf, dass Heliobacter pylori für die Bildung von Magengeschwüren verantwortlich ist. Marshall nimmt 1984 einen Selbstversuch vor und infiziert sich bewußt mit Heliobacter pylori, sein kurz darauf gebildetes Magengeschwür gilt als erster Nachweis ihrer These.

Heliobacter plylori EM-Aufnahme (Quelle: Centers for Disease Control and Prevention, USA)

Heliobacter pylori EM-Aufnahme (Quelle: Centers for Disease Control and Prevention, USA)

Hintergrund:
Heliobacter pylori ist ein gramnegatives Stäbchenbakterium, das sich mit Geißeln fortbewegen kann. Es ist sehr weit verbreitet mit entsprechend hoher Infektionsrate (vermutlich über 50% aller Menschen). Die genauen Infektionswege werden noch erforscht. Heliobacter pylori kann einen eigenen Säureschutzmantel ausbilden und daher problemlos im sauren Milieu der Magenschleimhäute ansiedeln. Eine Infektion mit Heliobacter pylori kann die Bildung von Magenschleimhautentzündung (Gastritis), Magengeschwüren (Ulcus), Zwölffingerdarmgeschwüren und auch die Entstehung von Magenkrebs verursachen. Die Entwicklung eines geeigneten Impfstoffs ist Gegenstand der Forschung.

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2005/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2005/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)

Die Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie im Jahr 2006 sind Andrew Z. Fire und Craig Mello. Sie teilen sich den Nobelpreis für die Entdeckung der sogenannten RNA-Interferenz, ein Mechanismus zur (vorübergehenden) Deaktivierung von Genen.

Der amerikanische Mathematiker und Molekularbiologe Andrew Zachary Fire (*1959 in Palo Alto, Kalif., USA), Professor an der Universität Stannford (Kalifornien), und der an der Universität Harvard (Massachusetts) promovierte Biochemiker Craig Cameron Mello (*1960 in New Haven, Conn., USA), Professor an der Universität Massachusetts, entdecken Ende der 1990iger Jahre gemeinsam den Mechanismus der RNA-Interferenz, zur Deaktivierung von Genen in eukaryontischen Zellen.

Hintergrund:
RNA-Interferenz ist ein natürlich exisitierender Mechanismus, der die Übersetzung (Translation) der genetischen Information auf der mRNA (messenger-RNA) in Proteine verhindert. Zuvor wird die genetische Information der DNA gelesen und auf mRNA übertragen (transkribiert). Die Translation findet im Rahmen der Proteinbiosynthese in den Ribosomen statt, wobei die mRNA an das Ribosom gebunden wird (vgl. Nobelpreis für Chemie 2009). Bei der von Fire und Mello bewusst eingesetzten RNA-Interferenz wird die einzelsträngige mRNA durch teilweise Doppelstrangbildung mit anderen RNA-Fragmenten für die Translation zur Proteinbildung blockiert bzw. „stumm geschaltet“ (engl.: RNA-silencing). Im Gegensatz zur Abschaltung von Genen (vgl. Nobelpreis für Medizin 2007) kann die RNA-Interferenz zu einer zeitlich vorübergenden Deaktivierung einer bestimmten Gen-Aktivität genutzt werden, möglicherweise zukünftig denkbar z.B. im Rahmen einer therapeutischen Maßnahme (Gentherapie).

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2006/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2006/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)

Die Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie im Jahr 2007 sind: Mario Capecchi, Martin Evans und Oliver Smithies. Sie teilen sich den Nobelpreis für ihre grundlegenden Entdeckungen zum Einbau veränderter Gene in Mäusen (Knockout-Mäuse) über embryonale Stammzellen.

Der italienisch-amerikanische Chemiker und Biophysiker Mario Capecchi (*1937 in Verona, Italien), zuletzt Professor an der Universität Utah, promoviert 1967 in Harvard bei James D. Watson, dem Entdecker der Struktur der Doppelhelix der DNA. Capecchi wird zusammen mit dem britischen Biochemiker Oliver Smithies (*1925 in Halifax, Engl., UK) für das Modell der Knockout-Maus bereits mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Wolf-Preis (2002). Der britische Molekularbiologe Sir Martin Evans (*1941 in Stroud, UK), lange Zeit führender Genetiker an der Universität in Cambridge, heute Professor an der Universität in Cardiff, ist Spezialist für genetische Stammzellentechnologie, eine Basis für die Erzeugung von Knockout-Mäusen.

Hintergrund:
Knockout-Mäuse sind genetisch manipulierte Mäuse, die bewußt erzeugte Anomalien und Defekte aufweisen, verursacht durch abgeschaltete Gene. Das Modell der Knockout-Maus ist als Tierversuch ein nützliches Studienobjekt in der medizinischen Forschung, um Anomalien und Krankheiten auf bestimmte, dafür verantwortliche Gene zurückführen zu können. Bei dieser Methode wird durch Einbringen von Mutationen in noch nicht differenzierte embryonale Stammzellen von Mäusen ein Gen „abgeschaltet“, d.h. so verändert, dass es bei Entwicklung des Organismus nicht mehr gelesen werden kann. Somit werden bestimmte Proteine nicht hergestellt und der Organismus hat Fehler, die nun auf das abgeschaltete Gen zurückgeführt werden können.

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2007/ (Seite der Nobelstiftung)

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2007/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)

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