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Der Friedensnobelpreis 2009 geht an Barack Obama, der damit u.a. für „seine Bemühungen zur Stärkung der internationalen Diplomatie“ ausgezeichnet wird.

Der 44. Präsident der USA Barack Hussein Obama (*1961 in Honolulu, Hawaii, USA) zeichnet sich während des Wahlkampfes 2007-2008 als Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei durch sein charismatisches Auftreten aus. Sein Wahlkampf wird durch inzwischen berühmt gewordene Slogans we Change und Yes we can geprägt (s.u. Video-Link zur Wahlkampfrede in New Hampshire).
Obamas Vater stammt aus Kenia, seine Mutter ist Amerikanerin, damit ist Obama der erste afroamerikanische Präseident der USA, womit insbesondere bei der afroamerikanischen Bevölkerung viele Hoffnungen auf bessere soziale Chancen in den USA verknüft sind.
Obama studiert zunächst Politikwissenschaften und beendet sein Studium der Rechtswissenschaften an der renommierten Harvard Law School in Cambridge (Massachusetts). Seine politische Laufbahn beginnt für die Demokraten in Chicago, 1996 wird er in den Senat von Illinois gewählt. Sein politisches Wirken zeichnet sich durch sein Engagement für die sozial schlechter gestellte Bevölkerung und für die Rechte der Minderheiten aus. Ein ganz besonderes Anliegen Obamas ist die Einführung einer Krankenversicheung, die für jeden zugänglich ist. Er wird von der Demokratischen Partei 2007 zu ihrem Präsidentschaftskandidaten gewählt.
Obama zieht im Januar 2009 mit seiner ebenfalls charismatischen Frau Michelle Obama und ihren Kindern ins Weiße Haus. Als 44. US-Präsident setzt sich Obama zunächst mit massiven Subventionen für die Lösung der Finanzkrise ein, er wirbt für die Einführung einer allgemein, d.h. auch für Arme zugänglichen Krankenversicherung und die Förderung umweltfreundlicher Energieerzeugung in den USA. Außenpolitisch visiert Obama u.a. den vollständigen Truppenrückzug aus dem Irak und die im Wahlkampf versprochene Auflösung des rechtswidrigen Sondergefängnisses in Guantanamo an.

Senatsmitglieder Barack Öbama (rechts) mit Richard Luger (links) 2008 bei einem Besuch in Russland

Senatsmitglieder Barack Obama (rechts) mit Richard Luger (links) 2008 bei einem Besuch in Russland

Video: Rede des Präsidentschaftskandidaten Obama in Nashua, New Hampshire auf youtube

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/peace/laureates/2009/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/peace/laureates/2009/obama-lecture_en.html (Nobelvortrag von Obama bei der Nobelstiftung)

Mit dem Right Livelihood Award bzw. mit dem Alternativen Nobelpreis werden dieses Jahr vier Empfänger ausgezeichnet (3 Personen und eine Organisation), die das Preisgeld über 200.000 EUR teilen:

NNIMMO BASSEY (Nigeria) ist ein bekannter Umweltaktivist, er wird für für seine Enthüllungen zu den ökologischen und menschlichen Katastrophen, die durch die Ölförderung in Nigeria ausgelöst werden, sowie für seinen Einsatz für mehr Umweltbewußtsein in Nigeria und darüber hinaus ausgezeichnet.

Bischof ERWIN KRÄUTLER (Brasilien) ist ein katholische Bischof aus Österreich, der für seinen lebenslangen Einsatz für die Menschrechte der Indianer Brasiliens sowie seinen Einsatz gegen die Zerstörung der Urwälder im Amazonas-Gebiet ausgezeichnet wird.

SHRIKRISHNA UPADHYAY und die Organisation SAPPROS (Nepal), Upadhyay ist eine Ökonomin und Menschenrechtlerin, sie und ihre Organsiation werden ausgezeichnet für den jahrelangen öffentlichen Einsatz für eine bessere Entwicklung und den Abbau der Armut in Nepal trotz unsicherer politischer Verhältnisse und trotz gegen sie gerichteter Drohungen mit Gewalt.

Die Organisation PHYSICIANS FOR HUMAN RIGHTS-ISRAEL (Israel), auf deutsch die Organisation „Mediziner für Menschrechte-Israel“, sie wird als gesamte Organisation ausgezeichnet für ihren Einsatz auf das Recht auf Gesundheit für alle Menschen in Israel, für Palästinenser und Israelis.

Der Alternative Nobelpreis wird von der Stiftung Right Livelihood Foundation, die 1980 von Jakob von Uexküll gegründet wurde, vergeben.

Weitere Weblinks:

http://www.rightlivelihood.org/summary_german.html (offizielle Seite der Stiftung für den Alternativen Nobelpreis, Right Livelihood Foundation)

Der Literaturnobelpreis 2000 geht an Gao Xingjian für sein schriftstellerisches Gesamtwerk. In der Begründung für diese höchste Auszeichnung wird die „universale Gütigkeit, bittere Einsicht und sprachlicher Sinnreichtum” hervorgehoben

Der chinesische Schriftsteller Gao Xingjian (*1940 in Ganzhou, Jiangxi, China) lebt seit 1987 in Frankreich. Gao, dessen Mutter Schauspielerin war, interessiert sich schon früh für Kunst, Theater und Literatur. Nach seinem Studium der französischen Literatur in Peking wurde der junge Gao während der chinesischen Kulturrevolution unter Mao auf die kommunistische Ideologie eingeschworen. In seinen Büchern und Theaterstücken erzählt Gao aus dem China der Kulturrevolution, das dabei einen dramatischen gesellschaftlichen Wandel erlebt. Anfang der 1980iger Jahre werden seine Stücke teilweise verboten, Gao geht nach Frankreich. Das Massaker an Studenten von 1989 auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“ in Peking wird von ihm, der inzwischen schon in Frankreich lebt, öffentlich scharf kritisiert, Gao löst sich endgültig vom chinesischen Kommunismus.

Werke, Prosa: (eine Auswahl, deutsche Titel, in Klammern: Erscheinungsjahr in Deutschland): Auf dem Meer (2000), Der Berg der Seele (2003), Das Buch eines einsamen Menschen (2006), Die Angel meines Großvaters (2008).

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2000/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2000/gao-lecture-e.html (Nobelvortrag von Gao bei der Nobelstiftung)
http://www.perlentaucher.de/autoren/7167/_Gao_Xingjian.html (Rezensionen auf perlentaucher.de)

Der Literaturnobelpreis 2001 geht an V. S. Naipaul für sein schriftstellerisches Gesamtwerk. In der Begründung für diese höchste Auszeichnung wird Naipuls „hellhöriges Erzählen und unbestechliches Beobachten” hervorgehoben.

Der antillische Schriftsteller Vidiadhar Surajprasad Naipaul (*1932 auf Trinidad, Antillen, Inselstaat Trinidad-Tobago) lebt seit 1950 in England. Naipauls Vater war Journalist, seine Familie gehört zu der Bevölkerungsgruppe auf Trinidad, die ursprünglich aus Indien stammt. Naipaul wird Schriftsteller, dessen Schriften von den vielen Ländern inspiriert werden, die er in seinem Leben bereist.  So behandeln seine Romane, teilweise mit biografischen Aspekten und oft sehr kritisch, die gesellschaftspolitische Situation und historisch-religiöse Einflüsse in den Ländern der Karibik, in Indien oder im Iran. Indien ist Thema mehrerer Romane, etwa in Land der Finsternis (1964), Indien, eine verwundete Zivilisation (1977) oder in  Indien: Land des Aufruhrs (1990). Naipul wird 1971 mit dem renommierten Booker-Preis geehrt.

Werke: (eine Auswahl, deutsche Titel, in Klammern: Erscheinungsjahr): Der mystische Masseur (1957), Ein Haus für Mr. Biswas (1961),  Land der Finsternis (1964), Eine islamische Reise (1981), Indien: Land des Aufruhrs (1990), Abschied von Eldorado. Eine Kolonialgeschichte (2003) sowie zuletzt Magische Saat (2005).

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2001/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2001/naipaul-lecture-g.html (Nobelvortrag von  Naipauls bei der Nobelstiftung)
http://www.perlentaucher.de/autoren/7772/VS_Naipaul.html (Rezensionen auf perlentaucher.de)

Mit dem Literaturnobelpreis 2002 wird Imre Kertész für sein schriftstellerisches Gesamtwerk ausgezeichnet. In der Begründung für diese höchste Auszeichnung wird die Darstellung „zerbrechlicher Erfahrung des Einzelnen gegenüber der barbarischen Willkür der Geschichte” hervorgehoben.

Der ungarische Schriftsteller Imre Kertész (*1929 in Budapest) entstammt einer jüdischen Familie. Er wurde als 15jähriger, jüdischer Junge in Konzentrationslager, darunter Auschwitz und Buchenwald, deportiert. Kertész kehrt nach der Befreiung 1945 wieder nach Budapest zurück. Nach seinem Militärdienst in Ungarn lebt er als freier Schriftsteller, wobei er sein Geld zunächst mit Auftragsstücken (für die Bühne) und als Übersetzer (beispielsweise von Joseph Roth und Elias Canetti) verdient.
Seine eigenen Romane werden Zeit seines Lebens von der Verfolgung, dem Holocaust und von den Erfahrungen in Konzentrationslagern handeln. Bereits 1960 beginnt Kertész mit der Arbeit an seinem späteren Hauptwerk Sorstalanság, heute in deutschsprachigen Ländern bekannt unter dem Titel: Roman eines Schicksallosen. Dieses Werk bildet mit den späteren Romanen Kaddisch für ein nicht geborenes Kind und Fiasko eine Trilogie. Neben seinen Romanen veröffentlicht der Autor auch Erzählungen und Essays. Kertész wird vielfach ausgezeichnet, igenannt seien hier nur beispielhaft der Brandenburger Literaturpreis (1985), der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung (1997), die Goethe-Medaille (2004) und der Jean Améry-Preis für Essayistik (2009).

Werke: (eine Auswahl, deutsche Titel, in Klammern: Orginaltitel, Erscheinungsjahr): Roman eines Schicksallosen (Sorstalanság,1975), Kaddisch für ein nicht geborenes Kind (Kaddis a meg nem született gyermekért, 1992),  Fiasko (1999), Liquidation (Felszámolás, 2003), Dossier K.: eine Ermittlung (K. dosszié, 2006) sowie Opfer und Henker (2007,  Erzählungen).

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2002/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2002/kertesz-lecture-g.html
(Nobelvortrag von  Kertész bei der Nobelstiftung)
http://www.perlentaucher.de/autoren/6/Imre_Kertesz.html (Rezensionen auf perlentaucher.de)
http://de.wikipedia.org/wiki/Imre_Kertesz (Portrait bei Wikipedia)

Mit dem Literaturnobelpreis 2003 wird J. M. Coetzee für seine Prosa ausgezeichnet. In der Preisbegründung wird hervorgehoben, dass der Autor damit „in zahlreichen Verkleidungen die überrumpelnde Teilhabe des Außenseitertums darstellt”.

Die südafrikanische Schriftsteller John M. Coetzee (*1940 in Kapstadt, Südafrika) lebt und arbeitet seit 2002 in Australien. Coetzee kommt aus einer Familie des Mittelstands mit niederländischen Wurzeln. Er studiert Englisch und Mathematik und arbeitet zunächst als Informatiker, später erhält er als Professor an verschiedenen Universitäten Lehraufträge in Literaturwissenschften. 1974 erscheint sein erster Band mit dem Titel Dusklands, der 2 Novellen enthält. In seiner Literatur beschäftigt sich Coetzee mit den sozialen Fragestellungen seines Heimatlandes, darunter auch die Probleme der Apartheid. Einen großen Erfolg erringt Coetzee mit seinem Roman Leben und Zeit des Michael K. für den er 1984 mit dem renommierten Booker-Preis ausgezeichnet wird. Seit 1994 erscheinen von ihm nahezu im 2-Jahres-Rythmus neue Romane, wobei er für den Titel Schande 1999 zum 2. Mal mit dem Booker-Preis ausgezeichnet wird. Neben seinen Romanen veröffentlicht Coetzee auch Sachbücher und Essays zu gesellschaftlichen und literaturwissenschaftlichen Fragestellungen.

J.M. Coetzee in Warschau 2006 (Bild: Mariusz Kubik)

J.M. Coetzee in Warschau 2006 (Bild: Mariusz Kubik)

Werke: (eine Auswahl der Romane, teilweise deutsche Titel, ggf. in Klammern: Orginaltitel und Erscheinungsjahr): Dusklands (1974), Waiting for the Barbarians (1980), Leben und Zeit des Michael K. (Life & Times of Michael K , 1984), Schande (Disgrace, 1999), Tagebuch eines schlimmen Jahres (Diary of a Bad Year, 2007) sowie zuletzt Sommer des Lebens (Summertime, 2009).

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2003/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2003/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)
http://www.perlentaucher.de/autoren/1140/J_M_Coetzee.html (Rezensionen zu Coetzee bei perlentaucher.de)

Mit dem Literaturnobelpreis 2004 wird Elfriede Jelinek für ihre Prosa und die Dramen ausgezeichnet. In der Begründung für diese höchste Auszeichnung wird hervorgehoben, dass Jelineks Werk eine „einzigartige sprachliche Leidenschaft” aufweist, die „die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees” offenbart.

Die vielfach ausgezeichnete österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek (*1946 in Mürzzuschlag; Steiermark, Österreich) besucht in der Kindheit eine (katholische) Klosterschule und wird als Jugendliche intensiv musikalisch geschult (u.a. Aufnahme an das Wiener Konservatorium). Jelinek beginnt in einer persönlichen Krise und nach Abbruch des Studiums (Theaterwissenschaften, Kunsgeschichte) Ende der 1960iger Jahre mit dem Schreiben und beendet 1968 ihren ersten Roman bukolit. In der nachfolgenden Zeit entwickelt sie Ausdrucksmöglichkeiten für ihre auch biografisch begründete Verachtung gegenüber einem österreichisch-katholischen Bürgertum, das sich der NS-Vergangenheit nicht stellen will, gegenüber Patriarchat, Pornographie und kapitalistischem Kommerz. Hier erscheint Jelineks Empfinden gewissermaßen seelenverwandt mit den Bildern eines Manfred Deix. Sie gewinnt mit ihren Texten und Stücken, die vom Publikum zuweilen als zynisch und provokativ aufgefasst werden, eine große Aufmerksamkeit. Einen besonders großen Erfolg erzielt Jelinek 1985 mit dem oft biografisch gedeuteten, später verfilmten Roman Die Klavierspielerin sowie 1989 mit Lust, einer Satire auf Pornografie. Ihre Stücke werden anfangs bevorzugt an experimentierfreudigen Bühnen, bald darauf aber auch in vielen großen Schauspielhäusern aufgeführt. Genannt seien hier beispielsweise Ein Sportstück, das 1998 eine berühmte Inszenierung durch den Regisseur und Dramatiker Einar Schleef (1944-2001) erlebt, oder Bambiland, 2003 inszeniert von Christoph Schlingensief (1960-2010) am Burgtheater Wien.

Dramatische Werke: (eine Auswahl der dramatischen Werke, Jahr Erstaufführung): Burgtheater (1985), Krankheit oder Moderne Frauen (1987),  Wolken.Heim. (1988), Ein Sportstück (1998), Bambiland (2003), Ulrike Maria Stuart (2006) sowie zuletzt Die Kontrakte des Kaufmanns. Eine Wirtschaftskomödie (2009).

Prosa Werke: (eine Auswahl der Romane, Erscheinungsjahr): bukolit (1979), wir sind lockvögel baby! (1970),  Die Liebhaberinnen (1975), Die Ausgesperrten (1980), Die Klavierspielerin (1985), Lust (1989) sowie zuletzt Neid (2009, nur auf Jelineks Homepage im Internet).

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2004/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2004/jelinek-lecture-g.html (Nobelvortrag Jelineks bei der Nobelstiftung)
http://www.elfriedejelinek.com (Seite von und über Jelinek)

Mit dem Literaturnobelpreis 2005 wird Harold Pinter ausgezeichnet, der diese höchste Auszeichnung für sein Gesamtwerk erhält. In der Preisbegründung wird u.a. die Freilegung des Abgrunds „unter dem alltäglichen Geschwätz” im dramatischen Werk des Theaterschriftstellers hervorgehoben

Die britische Schriftsteller Sir Harold Pinter (*1930 in London; † 2008) gilt mit Samuel Beckett im 20. Jahrhundert als bedeutendster Vertreter des Absurden Theaters. Darüber hinaus ist Pinter Verfasser von zahlreichen Hörspielen, Drehbüchern sowie von Prosa und Lyrik. Als politischer Mensch ergreift Pinter stets Partei für unterdrückte Menschen und soziale Errungenschaften. Bereits als junger Mann zeigt Pinter, der den Wehrdienst verweigert und dafür in Haft muss, eine politisch freiheitsliebende Einstellung, die er bis an sein Lebensende vetreten wird. Pinter enstammt einer jüdischen Familie in London und beginnt seine künstlerische Entwicklung als Schauspieler für eine Wanderbühne. Ein begonnenes Studium für Theaterwissenschaften bricht er ab. 1957 debütiert er mit zwei Theaterstücken, The Room und The Birthday Party. Mit dem Stück The Caretaker (zu deutsch: Der Hausmeister) erreicht Pinter 1960 einen großen Erfolg beim Publikum und bei der Kritik. Nicht nur The Caretaker steht bis heute in vielen Ländern regelmäßig auf dem Programm. Gelegentlich trat Pinter in seinen Stücken auch immer wieder selbst als Schauspieler auf.
In seinem Nobelvortrag über „Kunst, Wahrheit & Politik“ sagt Pinter, dass es für ihn als Künstler nie klare Unterschiede gibt, „zwischen dem, was wirklich und dem was unwirklich ist, genauso wenig, wie zwischen dem, was wahr und dem was unwahr ist“. Die zentrale Aufgabe des Künstlers sei die „Erforschung der Wirklichkeit durch Kunst“. Der (politische) Bürger Pinter jedoch will wissen: „Was ist wahr? Was ist unwahr?“ Im zweiten Teil seines Vortrages wird er dann politisch wendet er sich in scharfen Worten gegen die (von Großbritannien unterstützte) US-Außenpolitik in Mittelamerika und bei der Invasion in den Irak.

Werke: (eine Auswahl der dramatischen Werke, deutsche Titel; in Klammern: Titel des Orginals mit Erscheinungsjahr):  Das Zimmer (The Room, 1957),  Die Geburtstagsfeier (The Birthday Party, 1957), Der Hausmeister (The Caretaker, 1960), Schnee (Kar, 2002), Niemandsland (No Man’s Land, 1974), Betrogen (Betrayal, 1978), Berg-Sprache (Mountain Language, 1988), The New World Order (1991), Party-Time (1991) und als letztes Theaterstück Pressekonferenz (Press-Conference, 2002).

Video: Harold Pinters Nobelvortrag auf youtube.com: Teil 1 und hier Teil 2.

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2005/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2005/pinter-lecture-g.html (Nobelvortrag Pinters auf Deutsch bei der Nobelstiftung)
http://www.haroldpinter.org (Seite mit umfassender Bibliographie zu Harold Pinter)

Mit dem Literaturnobelpreis 2006 wird Orhan Pamuk ausgezeichnet, der diese höchste Auszeichnung für sein schriftstellerisches Gesamtwerk erhält. In der Preisbegründung wird hervorgehoben, dass er mit seiner Prosa „auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt Istanbul neue Sinnbilder für Zusammenstoß und Verflechtung der Kulturen gefunden hat”.

Die türkische Schriftsteller Orhan Pamuk (*1952 in Istanbul) entstammt einer wohlhabenden und kulturell westlich ausgerichteten Familie, wobei es ein Großvater war, ein erfolgreicher Ingenieur und Geschäftsmann, der den Wohlstand einst begründete. Der junge Orhan bricht aus, er will nicht wie sein Vater und Großvater Ingenieur werden sondern Maler. Tatsächlich malt Pamuk ernsthaft bis zum Alter von 22 Jahren, wendet sich danach aber hauptsächlich dem Schreiben zu. Zu dieser Zeit beendet er seine erste Novelle, Cevdet Bey ve Oğullar (Herr Cevedet und seine Söhne), die 1982 veröffentlicht wird. Pamuk entwickelt sich zu einem auch im Ausland erfolgreichen Schriftsteller, dessen biografisch inspirierte Themen oft um Menschen (in Istanbul) kreisen, die kulturell zwischen türkisch-muslimischen Traditionen und modernen westlichen Lebensvorstellungen hin- und hergerissen werden. Der Autor setzt sich darüber hinaus öffentlich für Menschenrechte, Minderheitenrechte, mehr Demokratie und aufgeklärte individuelle Freiheit ein, was ihm Schwierigkeiten und Anklagen seitens der politischen Machthabern in der Türkei einbringt. Pamuk wird im Jahr 2005 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet, sowohl für seine Romane, in denen Pamuk orientalische Erzähltraditionen mit der westeuropäischen Weise des Romans verbindet, als auch für sein mutiges politisches Engagement. Pamuks Stadt, Istanbul, die Metropole zwischen Orient und Okzident, glänzt im Jahr 2010 als Kulturhauptstadt Europas, mutmaßlich auch befördert durch die Romane und den Erfolg Pamuks.

Werke: (eine Auswahl, deutsche Titel; in Klammern: Titel des Orginals mit Erscheinungsjahr):  Herr Cevedet und seine Söhne (Cevdet Bey ve Oğullar, 1982)Das stille Haus (Sessiz Ev, 1983), Das neue Leben (Yeni Hayat, 1994), Schnee (Kar, 2002), Istanbul – Erinnerungen an eine Stadt (İstanbul – Hatıralar ve Şehir, 2003) sowie zuletzt der Roman Das Museum der Unschuld (Masumiyet Müzesi, 2008).

Video: Interview mit Pamuk bei Deutsche Welle TV bei youtube.com

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2006/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2006/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2006/pamuk-lecture_ty.html (Pamuks Nobelpreisrede „Der Koffer meines Vaters“, in deutscher Sprache)
http://www.perlentaucher.de/autoren/7530/Orhan_Pamuk.html (Portrait und Rezensionen bei perlentaucher.de)
http://de.wikipedia.org/wiki/Orhan_Pamuk (Wikipedia ausführlich über Orhan Pamuk)

Der Literaturnobelpreis 2007 geht an Doris Lessing, die diese höchste Auszeichnung für ihr schriftstellerisches Gesamtwerk erhält. Darin wird sie mit ihrem Werk als „Epikerin weiblicher Erfahrung, die sich mit Skepsis, Leidenschaft und visionärer Kraft eine zersplitterte Zivilisation zur Prüfung vorgenommen hat” besonders hervorgehoben.

Die britische Schriftstellerin Doris Lessing (*1919 in Kermanschah, Iran) verbringt als Doris May Taylor ihre Kindheit zunächst im Iran, wo ihr Vater für die iranische Nationalbank arbeitet, und später in Südrhodesien (heute: Zimbabwe), damals britische Kolonie in Afrika. Als Autorin behandelt Lessing thematisch das karge Leben britischer Siedler, insbesondere der Frauen in den Kolonien, sowie die schwierige soziale Lage der einheimischen Bevölkerung und den Rassismus. Hierfür steht beispielhaft ihr erster Roman mit dem deutschen Titel Afrikanische Tragödie (The Grass Is Singing) von 1950. Die weibliche Perspektive ist ein besonders wesentlicher Aspekt in ihrem Werk. Der Roman Das goldene Notizbuch (The Golden Notebook) von 1962 wird vielfach als ihr Hauptwerk bezeichnet. Sie gilt als sozial mitfühlende, politisch links-stehende und feministische Schriftstellerin, die sich jedoch von Ideologien distanziert zeigt. Den deutschen Namen Lessing behält die Autorin von ihrem 2. Ehemann, dem deutschen Kommunisten und späteren DDR-Diplomaten Gottfried Lessing, im übrigen ein Onkel des populären deutschen Politikers Gregor Gysi, der seiner Tante zum Nobelpreis auch persönlich gratuliert.

Werke: (eine Auswahl mit deutschen Titeln, in Klammern: Titel des Orginals, Erscheinungsjahr in Großbritannien):  Afrikanische Tragödie (The Grass Is Singing, 1963)Das goldene Notizbuch (The Golden Notebook, 1962), Rückkehr nach Afrika (African Laughter. Four Visits to Zimbabwe, 1998) sowie zuletzt der Roman Alfred and Emily (2008).

Weblinks (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2007/ (Seite der Nobelstiftung)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2007/press.html (Pressemeldung der Nobelstiftung)
http://www.dorislessing.org (Homepage der Autorin u.a. mit Werkverzeichnis)
http://www.perlentaucher.de/autoren/1065/Doris_Lessing.html (Portrait und Rezensionen bei perlentaucher.de)

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