Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2014

 

geht zur einen Hälfte an den amerikanisch-britischen Neuropsychologen John O’Keefe (*1939, NYC) und zur anderen Hälfte an ein Forscher-Ehepaar aus Norwegen, die beiden Hirnforscher May-Britt (*1963) und Edvard Moser (*1962) für die Entdeckung der für den räumlichen Orientierungssinn verantwortlichen Komponenten im Gehirn.

John O’Keefe (*1939, NYC) ist ein experimentell forschender Psychologe, der seit 1967 am University College London arbeitet.

John O'Keefe, Neurowissenschaftler und Nobelpreisträger (Bild: Per Henning / NTNU)

John O'Keefe (Bild: Per Henning / NTNU)

Bei Experimenten an Ratten entdeckte Keefe 1971, dass im Hippocampus, eine in der Evolution sehr früh herausgebildete Gehirnregion in Form eines Seepferdchens, ein bestimmter Typ von Nervenzellen (Neuronen) immer dann aktiviert ist, wenn eine Ratte einen bestimmten Ort einnimmt. Demnach bilden diese Neuronen („Place Cells“) eine Art Karte des Raumes, in dem sich die Ratte nun orientieren kann. Seine Theorie über die Funktionsweise des Orientierungssinns mittels dieser Neuronen im Hippocampus konnte mit Experimenten an Ratten und auch an Menschen bestätigt werden.

May-Britt und Edvard Moser (Bild: KI/CBM, Kavli Institut der NTNU)

May-Britt und Edvard Moser (Bild: KI/CBM, Kavli Institut der NTNU)

May-Britt (*1963, Fosnavåg) und Edvard Moser (*1962, Ålesund) sind norwegische Hirnforscher, die in den 1990iger Jahren als Postdoktoranden bei John O’Keefe in London gearbeitet haben. Seit 1996 forschen sie im norwegischen Trondheim an der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegen (NTNU) und gründeten dort später ein Zentrum für die Biologie des Gedächtnisses (heute das Kavli-Institut). Beide entdeckten im Jahr 2005 eine weitere, wesentliche Neuronen-Komponente des Orientierungssinns im Hippocampus, die sogenannten „grid-cells“ (Koordinaten-Zellen oder auch Raster-Zellen). Ebenso fanden sie einen Neuronentyp im Gehirnareal des entorhinalen Cortex, der dem Erkennen einer Bewegungsrichtung dient. May-Britt und Edvards Mosers Forschungen auf der Grundlage von O’Keefes Entdeckungen zum Hippocampus geben sehr wichtige Aufschlüsse über unseren Orientierungssinn und das „Raum-Zeit-Gedächtnis“.  Es ist also nicht falsch, wenn man sagt, dass diese Forscher das „GPS“ oder das „Navi“ unseres Gehirns entdeckt haben.

Die Entdeckungen der drei Neurowissenschaftler sind auch von großer Bedeutung für die Erforschung und Behandlung der Alzheimer-Krankheit, die u.a. Fehlfunktionen im Hippocampus aufweist.

Hippocampus-Präparat aus dem menschl. Gehirn von Prof. Lazlo Seress (links) und Vergleich mit Seepferdchen (rechts)

Hippocampus-Präparat aus menschl. Gehirn des ungar. Neurowissenschaftlers Prof. Lázló Seress (links), zum Vergleich Seepferdchen (rechts)

Das Preisgeld beträgt 8 Mio Schwedische Kronen (ca. 900.000 €).

Noch zwei statistische Anmerkungen zum Medizin-Nobelpreis 2014: Es gibt bislang nur verhältnismäßig wenige Frauen unter den Nobelpreisträgern. Frau May-Britt Moser ist die 12. Medizin-Nobelpreisträgerin. Gemeinsam ausgezeichnete Ehepaare kommen sehr selten vor! Edvard und May-Britt Moser sind das 5. Ehepaar, das gemeinsam mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wird.

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2014/ (Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2014/press.html (Pressemitteilung der Nobelstiftung)

Homepage der Arbeitsgruppe von John O’Keefe am University College London

Homepage von May-Britt und Edvard Moser am Kavli-Institut der NTNU