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Stockholm, 9. Oktober 2013

Der Chemie-Nobelpreis 2013 geht Martin Karplus, Michael Levitt und Arieh Warshel für die Entwicklung von Multiskalenmodellen für komplexe chemische Systeme, ein Gebiet in der theoretischen Chemie mit dem Verfahren der Computersimulation zum Verständnis über das dynamische Verhalten von Molekülen.

Martin Karplus stammt aus Wien (*1930), seine Familie emigrierte 1938 aus Österreich in die USA, wo er studierte und in der Arbeitsgruppe des berühmten Chemikers und Nobelpreisträger Linus Pauling promovierte. Als theoretischer Chemiker spezialisierte sich Karplus auch auf die Simulation des dynamischen Verhaltens von Molekülen. Karplus ist Mitautor des Computerprogramms CHARMM (Chemistry at Harvard Makromolekular Mechanics), das sich zur Simulation der Moleküldynamik von biologischen Makromolekülen wie Proteinen oder der DNA eignet. Chemikern, die die NMR-Spektroskopie nutzen, ist er auch über die Karplus-Gleichung bekannt.

Martin Karplus

Martin Karplus

Michael Levitt (*1940, Pretoria, Südafrika) erforscht in Stanford als Physiker bzw. Biophysiker die molekulare Struktur und die Dynamik großer biologischer Moleküle wie z.B. Proteine.

Michael Levitt (Bild: Keilan)

Michael Levitt

Arieh Warshel (*1940, in einem Kibbutz in Israel) promovierte nach seinem Studium als Chemiker am Weizmann-Institut in Israel. Danach wechelte er an die Universität Harvard, kam zurück und arbeitete danach an der USC (University of Southern California) auf dem Gebiet der Computersimulation zum Verhalten komplexer biologischer Systeme.

Arieh Warshel (Bild: Cutgunhome)

Arieh Warshel

Hintergrund: Der diesjährige Chemienobelpreis steht für ein modernes Forschungsgebiet der Chemie: Die Computersimulation zur Vorhersage des Verhaltens von chemischen Molekülen. Karplus, Levitt und Warshel sind die Pioniere dieser Methode. Unter Nutzung der Kenntnisse der theoretischen Chemie, d.h. die bekannten quantenmechanischen Beschreibungen von Molekülen, und unter Nutzung der Erkenntnisse aus der Strukturforschung (z.B. aus der Röntgenstrukturanalyse), gelang es Ihnen Computermodelle zur Vorhersage des Verhaltens von Molekülen zu entwickeln. Insbesondere komplexe chemische Systeme, wie z.B. die Proteine in biologischen Systemen können nicht einfach direkt quantenmechanisch berechnet werden, hier hilft die Computersimulation entscheidend weiter. Diese Methode ist auch von medizinischer Bedeutung: So kann per Simulation das mögliche Verhalten von pharmakologischen Wirkstoffen auf Proteine im Körper vorhergesagt werden, so dass diese Daten beispielsweise für das Drug Design genutzt werden können. Ein weiteres Stichwort ist hier das Molecular Modelling. Heute haben alle großen Pharmafirmen spezielle Abteilungen, die sich dieser computergestützten Methoden bedienen. Der Computer ist damit eine Art virtuelles Reagenzglas.

Die Chemie-Nobelpreisträger 2013 forschen alle an renommierten US-Universitäten, Karplus in Harvard, Levitt in Stanford und Warshel an der USC (University of Southern California). Alle drei Chemiker arbeiten auf einem der modernsten Gebiete der Grundlagenforschung in der theoretischen Chemie: der Computersimulation zum Verständnis der Moleküldynamik.

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/chemistry/laureates/2013/(Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/chemistry/laureates/2013/press.html (Pressemitteilung der Nobel-Stiftung)

Martin Karplus an der Universität Harvard: http://chemistry.harvard.edu/people/martin-karplus

Michael Levitt in Stanford: http://csb.stanford.edu/levitt/

Arieh Warshel an der USC: http://futura.usc.edu/wgroup/people/warshel/

Stockholm, 8. Oktober 2013

Um 12:45 Uhr wurde heute der Physik-Nobelpreis 2013 bekanntgegeben.

Die Physik-Nobelpreisträger 2013 sind: Peter Higgs (*1929, Wallsend, GB) und François Englert (*1932, Etterbeek, Belgien) für ihre Theorie und die Entdeckungen zur Erklärung der Masse von Elementarteilchen.

Francois Englert

Francois Englert (Bild: Pnicolet, Wikipedia (en))

Peter Higgs (Bild: Gert-Martin Greuel, MFO)

Peter Higgs (Bild: Gert-Martin Greuel, MFO)

Die diesjährigen Physik-Nobelpreisträger, Peter Higgs, zuletzt Professor an der Universität in Edinburgh, und François Englert, zuletzt Professor an der Universität in Brüssel, fanden unabhängig voneinander 1964 eine Erklärung der Masse von Elementarteilchen mit dem später sogenannten Higgs-Mechanismus unter Einführung des Higgs-Feldes, ein Energiefeld, das für ca. 1% der Masse der Teilchen verantwortlich ist. Dieses Higgs-Feld trat direkt nach dem Urknall auf. Physikalisch begründet ist dieses Energiefeld in den Schwachen Wechselwirkungen zwischen den Teilchen. Beide Forscher wurden schon vielfach ausgezeichnet.
Das Higgs-Feld setzt die Existenz eines besonders leichten und kurzlebigen Teilchens voraus, das Higgs-Boson, nur 2,25 mal 10-25 kg schwer und mit einer Lebensdauer von 10-22 Sekunden. Das Higgs-Boson oder Higgs-Teilchen wird auch gerne „Gottesteilchen“ genannt. Eine Herleitung dafür kommt von „Gottverdammtes Teilchen“,  so sollte ein Buchtitel zum Higgs-Teilchen lauten, da es wohl so schwer zu finden war, schließlich wurde es aber „Gottesteilchen“ genannt.

Das Higgs-Teilchen oder „Gottesteilchen“  konnte tatsächlich erst fast 50 Jahre nach der Higgs-Theorie, am 4. Juli 2012, im Teilchenbeschleuniger am europäischen Kernforschungszentrum CERN bei Genf in der Schweiz nachgewiesen werden!

Grafische Darstellung des Higgs-Feldes (Bild: MissMJJ, Wikipedia)

Grafische Darstellung des Higgs-Potenzialfeldes

Die Elemenarteilchenphysik suchte zur Vervollständigung des Standardmodells der Teilchenphysik jahrzehntelang nach dem noch fehlenden Higgs-Boson.

Abbildung: Standardmodell der Teilchenphysik:

Standardmodell der Teilchenphysik mit Higgs-Boson (oben rechts)

Standardmodell der Teilchenphysik mit Higgs-Boson (oben rechts)

Das Standardmodell der Teilchenphysik berücksichtigt die massebehafteten Teilchen. In den ersten 3 Spalten stehen die sogenannten Fermionen (Teilchen mit halbzahligem Spin). Darin sind die bekannteren, den Atomkern aufbauenden Neutronen und Protonen aus 6 Quark-Teilchen (aus 3 Quark-Familien: up/down, charm/strange und top/beauty) aufgebaut, das sind die blauen Kästchen oben links. Darunter kommen die Familien der sogenannten Leptonen, dabei die Neutrinos und ganz unten links findet man das Elektron. Dann gibt es in den beiden rechten Spalten die Teilchen vom Typ Boson (mit ganzzahligem Spin), oben ganz rechts das berühmte Higgs-Boson. Die Teilchen unterscheiden sich durch ihr Symmetrieverhalten (Spin), man vergleiche dazu auch den Nobelpreis für Physik 2008.

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/physics/laureates/2013/ (Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/physics/laureates/2013/press.html (Pressemitteilung der Nobelstiftung)

Stockholm, 7. Oktober 2013

Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2013 geht an die drei Biochemiker und Zellforscher James E. Rothman (*1950, USA), Randy W. Schekman (*1948, USA) und den deutschen Thomas C. Südhof (*1955 in Göttingen, D) für ihre Entdeckungen zum wichtigen intrazellulären Transport über die Vesikel.

Rothman, Schekman und Südhof konnten mit ihren Entdeckungen zur Organsiation des Transports wichtiger Moleküle (Botenstoffe, Hormone) in den Zellen unser Verständnis über die Ursachen zahlreicher Krankheiten wesentlich verbessern, darunter zu Krankheiten wie Diabetes, Alzheimer, Parkinson und anderen auch erblich bedingten Erkrankungen.

Die drei Biochemiker arbeiten alle in den USA an sehr renommierten Universitäten, Rothman an der Yale-Universität (New Haven, Connectitut), Schekman an der Universität Berkeley und Südhof an der Universität Stanford, beide in Kalifornien.

Randy Schekman (Bild: eLife Sciences Publications, Ltd)

Randy Schekman

Schekman erforscht die Regulation des intrazellulären Transports von Proteinen und die genetische Grundlage dieser Regulation an Hefezellen vor dem Hintergrund der Erforschung von Erbkrankheiten. Schekman wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Sein Anteil am Nobelpreis liegt in der Aufklärung genetischer Grundlagen bei der Regulation des intrazellulären Transports.

Rothman erforscht den Mechanismus der intrazellulären Membranfusion in bestimmten Vesikeln, die spezielle Proteine transportieren können. Einige Krankheiten liegen Störungen im Mechanismus dieser Membranfusionen zugrunde. Bei Diabetes Typ 2 sind dies beispielsweise Störungen im Transport von Insulin. Rothman wurde bereits vielfach ausgzeichnet. Er wird nun auch mit dem Nobelpreis geehrt für die Aufklärung der Protein-Protein-Wechselwirkungen, die die Kopplung (Fusion) der molekularen Fracht (Proteine, Botenstoffe) an die Vesikel ermöglicht.

Der deutsche Biochemiker Thomas Südhof untersucht insbesondere das neuronale Transportsystem vor dem Hintergrund der Ausschüttung von Neurotransmittern im Zusammenhang mit der Erforschung neuronaler Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer. Südhof bekommt den Nobelpreis für seine Entdeckung, wie neuronale Signale die Vesikel mit ihrer molekularen Fracht (Proteine, Botenstoffe) beim Transportmechanismus so steuern, dass diese Fracht präzise den Bestimungsort am Rezeptor erreicht (s. unten Abb. 2).

Hintergrund:

Abb. 1  Intrazellulärer Transport über Vesikel

Schema Vesikeltransport zwischen Zellkern, ER und Golgi-Apparat (Bild: Magnus Manske, Wikipedia)

Schema Vesikeltransport zwischen Zellkern, ER und Golgi-Apparat

Abbildung 1 zeigt schematisch eine Art des intrazellulären Transports mittels Vesikel (7) zwischen Zellkern (1,2,) und Golgi-Apparat (8-11) über das Endoplasmatische Retikulum, ER, (3-5) mir angedeuteten Makromolekülen (6).
Dabei stülpen sich zunächst kleine Vesikel (7, das sind Transportblasen) aus einer Membran (z.B. am Rand des Zellkerns) heraus. In diesen Vesikeln können Makromoleküle wie z.B. große Proteine (darunter Hormone, Signalstoffe) geschützt transportiert werden. Das Endoplasmatische Retikulum (ER) ist ein membranumschlossenes, weitverzweigtes Kanalsystem in der Zelle. Der Golgi-Apparat ist ein sehr komplexer Zellbestandteil, in dem viele wichtige Proteine hergestellt werden.
Die Regulation dieses intrazellulären Transports über Vesikel ist ein fundamentaler Prozess in der Zelle, dessen Erforschung ein Ziel der drei diesjährigen Medizin-Nobelpreisträger ist.

Abb. 2 Transport von Neurotransmittern über Vesikel  in Synapsen

Schema Transport Neurotransmitter über Vesikel in Synapsen

Schema Transport Neurotransmitter über Vesikel in Synapsen

Abbildung 2 zeigt den Transport von Neurotransmittern in Synapsen, d.h. nach Ausschüttung wird der Neurotransmitter, z.B. Dopamin, in Vesikeln von Nerv zu Nerv transportiert. Diese Art des Transports von Botenstoffen ist auch Forschungthema des deutschen Nobelpreisträgers Thomas Südhof.

Den Medizin-Nobelpreis im Jahr 2000 gab es übrigens für den Signaltransport in Synapsen.

Das Preisgeld beträgt 8 Mio Schwedische Kronen (ca. 930.000 €).

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2013/ (Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2013/press.html (Pressemitteilung der Nobelstiftung)

Arbeitsgruppe von Thomas Südhof an der Universität Stanford

Über James Rothman an der Universität Yale

Über Randy Schekman an der Universität Berlekey

Vertreter der Nobel-Stiftung haben die Termine zur Bekanntgabe der Nobelpreise 2013 festgelegt:

Montag, 7. Oktober, 11:30 Uhr: Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2013

Dienstag, 8. Oktober, 11:45 Uhr: Physik-Nobelpreis 2013

Mittwoch, 9. Oktober, 11:45 Uhr: Chemie-Nobelpreis 2013

Donnerstag, 10. Oktober, 13:00 Uhr: Literaturnobelpreis 2013

Freitag, 11. Oktober, 11:00 Uhr: Friedensnobelpreis 2013

Montag, 14. Oktober, 13:00 Uhr: Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 2013*
*eigentlich: Preis für Wirtschaftswissenschaften der Schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel


Stockholm, 26. September 2013

Dieses Jahr wurden vier Persönlichkeiten mit dem Alternativen Nobelpreis 2013 – dem Right Livelihood Award – ausgezeichnet. Das Preisgeld beträgt insgesamt ca. 230.000 € und wurde gleichmäßig geteilt. Die Preisträger sind 2013:

PAUL WALKER (USA), er erhält den Alternativen Nobelpreisfür seinen unermüdlichen Einsatz, um die Welt von chemischen Waffen zu befreien„.
Dr. Paul Walker (*1946, USA) war während des Vietnam-Krieges in der US-Armee zuständig für die Beobachtung der Aktivitäten russischer Geheimdienste. Er hat die Armee 1971 verlassen, ging anschließend wieder an die Universität und promovierte 1978 am MIT (Massachusetts Institute of Technology) in Politikwissenschaften. Auch aus der Kriegserfahrung in Vietnam sieht Walker für sich die Verpflichtung im Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit. Seit den 1990iger Jahren arbeitet Walker für die Kontrolle und Reduktion von Beständen an Chemiewaffen in verschiedenen Ländern. In seinem Einsatz für die Vernichtung und für ein Verbot von Chemiewaffen schaffte es Walker immer wieder Regierungen, Nichtregierungs-Organisationen (NGO’s), Think Tanks und Bürgerrechtsgruppen an einen Tisch zu bekommen. Sein unermüdlicher Einsatz führte inzwischen schon zur „freiwilligen“ Vernichtung vieler Tausend Tonnen an Chemiewaffen. Walker wurde bereits vielfach für sein Engagement gegen Chemiewaffen ausgezeichnet.

RAJI SOURANI (Palästina). Sourani wurde „für sein beharrliches Engagement für Menschenrechte und Rechtstaatlichkeit unter extrem schwierigen Bedingungen“ ausgezeichnet.
Raji Sourani (*1953 in Gaza) studierte an Universitäten in Beirut und Alexandria Rechtswissenschaften. Nach dem Studium gründete er eine eigene Kanzlei und spezialisierte sich auf Menschrechte. In zahlreichen Prozessen hat Sourani sich für die Rechte von Palästinensern vor israelischen Militärgrerichten eingesetzt und von allen Seiten hohe Anerkennung erfahren. Zwischenzeitlich wurde er in Palestina aus politischen Gründen inhaftiert. Sourani gründete das Palästinensische Zentrum für Menschrechte (PCHR) und unterstützt heute u.a. syrische Anwälte und Aktivisten bei der Beobachtung von Menschenrechtsverletzungen. Der Menschenrechtsaktivist Sourani erfuhr bereits zahlreiche internationale Ehrungen.

DENIS MUKWEGE (Dem. Republik Kongo). Denis Mukwege wird „für seine langjährige Arbeit, Frauen, die sexuelle Kriegsgewalt überlebt haben, zu heilen, und für seinen Mut, die Ursachen und Verantwortlichen zu benennen“ ausgezeichnet.

Bild von Wikipedia

Dr. Denis Mukwege

Dr. Denis Mukwege (*1955 im Gebiet des heutigen Kongo) begann in Burundi mit dem Medizinstudium, das er in Frankreich als Gynäkologe abschloss. Er gründete das berühmte Panzi-Hospital. Im kongolesischen Bürgerkrieg wurde Mukwege Zeuge brutalster Vergewaltigungen mit schwersten Körperverletzungen. Unter schwierigen Bedingungen kümmert sich Mukwege seitdem medizinisch um die Opfer kriegsbedingter sexueller Gewalt. Dabei benennt Mukwege auch die Verantwortlichen und überlebt einen auf ihn verübten Mordanschlag. Mukwege wurde bereits u.a. mit dem UN-Menschenrechtspreis (2008) und dem Olaf-Palme-Preis (2009) ausgezeichnet.

HANS R. HERREN und die STIFTUNG BIOVISION (Schweiz). Hans R. Herren und seine Stiftung Biovision werden mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet, „weil er mit wissenschaftlicher Expertise und bahnbrechender praktischer Arbeit einer gesunden, sicheren und nachhaltigen globalen Nahrungsversorgung den Weg bahnt„.
Dr. Hans Rudolf Herren (*1947, Schweiz) studierte Insektenkunde (Entomologie) an der ETH Zürich und ging nach der Promotion an die kalifornische Universität in Berkeley. Herren setzt sich seitdem international für eine ökologisch nachhaltige, biologische Schädlingsbekämpfung im Kampf gegen Hunger und Armut ein. Berühmt wurde er im erfolgreichen Kampf gegen die Schmierläuse, die das afrikanische Grundnahrungsmittel Maniok bedrohten. Auch deswegen konnte eine große Hungersnot verhindert werden. 1998 gründet er die Stiftung Biovision. Hans Herren wurde zuvor bereits für sein auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Engagement mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet.

Der Alternative Nobelpreis wird von der Stiftung Right Livelihood Foundation, die 1980 von Jakob von Uexküll gegründet wurde, vergeben. Hier steht der Artikel zum Alternativen Nobelpreis 2012.

Weitere Weblinks:

http://www.rightlivelihood.org/fileadmin/Files/PDF/Press_releases/2013/DE_pr_26September2013_01.pdf (offizielle Pressemitteilung Alternativen Nobelpreis 2013 der Right Livelihood Foundation)

http://www.rightlivelihood.org/the_founder.html – Informationen über den Gründer des Alternativen Nobelpreises Jakob von Uexküll

Universität Harvard, Boston (USA), 12. September 2013
Zum 23. Mal wurden am 12. September im Sanders-Theater der Harvard Universität in Bosten (Massachusetts) die kultigen Ig-Nobelpreise verliehen. Ig steht wortspielerisch für ignoble, zu deutsch: gemein, niedrig, schmachvoll, unedel. Die Ig-Nobelpreise werden für besonders schrullige Forschungsarbeiten vergeben, die einen zum Lachen und zuweilen zum Nachdenken bringen. Es sind „echte“ Nobelpreisträger, die den Preis übergeben. Es wurden wieder zehn Forschungsarbeiten bzw. die dafür verantwortlichen Wissenschaftler Ig-ausgezeichnet:

In Psychologie wurden Ig-ausgezeichnet: Laurent Bègue (F), Brad Bushman (USA, GB, NL, PL), Oulmann Zerhouni (F), Baptiste Subra (F) und Medhi Ourabah (F), für den experimentell geführte Beweis, dass Menschen, die von sich meinen, sie seien betrunken, dann auch glauben, dass sie seien attraktiv. (Quelle: „‚Beauty Is in the Eye of the Beer Holder‘: People Who Think They Are Drunk Also Think They Are Attractive,“ Laurent Bègue, Brad J. Bushman, Oulmann Zerhouni, Baptiste Subra, Medhi Ourabah, British Journal of Psychology, 2012.)


In Chemie
wurden Shinsuke Imai (J), Nobuaki Tsuge (J), Muneaki Tomotake (J), Yoshiaki Nagatome (J), Toshiyuki Nagata (J, D) und Hidehiko Kumgai (J) für ihre Entdeckung, dass die biochemischen Prozesse, die für das Weinen des Menschen beim Zwiebelschneiden verantwortlich sind, in Wahrheit noch viel komplizierter sind, als die Forschung zuvor dachte. (Quelle: „Plant Biochemistry: An Onion Enzyme that Makes the Eyes Water,“ S. Imai, N. Tsuge, M. Tomotake, Y. Nagatome, H. Sawada, T. Nagata and H. Kumagai, Nature, Vol. 419, Nr. 6908, Okt. 2002, S. 685.)


Den Preis für Medizin
erhalten Masateru Uchiyama (J), Xiangyuan Jin (Chin, J), Qi Zhang (J), Toshihito Hirai (J), Atsushi Amano (J), Hisashi Bashuda (J) und Masanori Niimi (J, GB) für ihre Untersuchungen zu der Wirkung von Opernmusik auf herztransplantierte Patienten – in diesem Fall: herztransplantierte Mäuse. (Quelle: „Auditory stimulation of opera music induced prolongation of murine cardiac allograft survival and maintained generation of regulatory CD4+CD25+ cells,“ Masateru Uchiyama, Xiangyuan Jin, Qi Zhang, Toshihito Hirai, Atsushi Amano, Hisashi Bashuda and Masanori Niimi, Journal of Cardiothoracic Surgery, Vol. 7, Nr. 26, 2012.)

Den Ig-Nobelpreis für Sicherheitstechnik bekommt Gustano Pizzo posthum (gest. 2006; USA)  für sein elektromechanisch funktionierendes System, mit dem Flugzeugentführer per Falltüre in eine Kiste fallen, die dann mit dem Fallschirm herunterkommt und am Boden von der Polizei erwartet wird. (Quelle: US Patent #3811643, Gustano A. Pizzo, „anti hijacking system for aircraft“, May 21, 1972.)

Der Ig-Nobelpreis für Archeologie geht an Brian Crandall (USA) und Peter Stahl (Kanada, USA), die verstorbene Spitzmäuse kochten und ohne zu Kauen direkt herunterschluckten, und nach gewisser Zeit die eigenen Exkremente dahingehend untersuchten, welche Knochen nun verdaut wurden und welche nicht. (Quelle: „Human Digestive Effects on a Micromammalian Skeleton,“ Peter W. Stahl, Brian D. Crandall, Journal of Archaeological Science, Vol. 22, 1995, S. 789–97.)

Den Preis für Wahrscheinlichkeitsforschung erhalten  Bert Tolkamp (GB, NL), Marie Haskell (GB), Fritha Langford (GB, Kanada), David Roberts (GB) und Colin Morgan (GB) für zwei zusammenhängende Entdeckungen: Erstens steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Kuh aufsteht, mit der Dauer, die diese zuvor gelegen hat. Zweitens kann man aber nicht einfach voraussagen, wann eine Kuh, die steht, sich nun wieder hinlegt. (Quelle: „Are Cows More Likely to Lie Down the Longer They Stand?“ Bert J. Tolkamp, Marie J. Haskell, Fritha M. Langford, David J. Roberts, Colin A. Morgan, Applied Animal Behaviour Science, Vol. 124, Nrs. 1-2, 2010, S. 1–10.)

In Physik werden für die Entdeckung, dass manche Menschen über das Wasser eines Teiches gehen könnten, wenn sowohl die Menschen als auch der Teich sich auf dem Monde befänden, folgende Wissenschaftler Ig-ausgezeichnet:  Alberto Minetti (I, GB, Dän., Schweiz), Yuri Ivanenko (I, Russ, F), Germana Cappellini (I), Nadia Dominici (I, Schweiz) und Francesco Lacquaniti (I). (Quelle: „Humans Running in Place on Water at Simulated Reduced Gravity,“ Alberto E. Minetti, Yuri P. Ivanenko, Germana Cappellini, Nadia Dominici, Francesco Lacquaniti, PLoS ONE, Vol. 7, Nr. 7, 2012.)

Im Fach Öffentliche Gesundheit wurden Kasian Bhanganada, Tu Chayavatana, Chumporn Pongnumkul, Anunt Tonmukayakul, Piyasakol Sakolsatayadorn, Krit Komaratal und Henry Wilde ausgezeichnet für ihre medizinischen Techniken, die sie in Ihrem Bericht beschrieben: „Surgical Management of an Epidemic of Penile Amputations in Siam“ (d.h.: „Operationstechniken bei einer Epidemie von Penisamputationen in Siam“). Darin werden verschiedene Techniken empfohlen– ausgenommen die Fälle, in denen der amputierte Penis bereits teilweise von einer Ente gegessen wurde. (Quelle: „Surgical Management of an Epidemic of Penile Amputations in Siam„,Kasian Bhanganada, Tu Chayavatana, Chumporn Pongnumkul, Anunt Tonmukayakul, Piyasakol Sakolsatayadorn, Krit Komaratal, und Henry Wilde, American Journal of Surgery, 1983, Nr. 146, S. 376-382.)

Den Ig-Friedensnobelpreis bekommen der weißrussische Präsident Lukaschenko für das Verbot des öffentlichen Applaudierens und die weißrussische Polizei, die einen Einarmigen festnahm, der in der Öffentlichkeit applaudierte.

Den gemeinsamen Ig-Nobelpreis für Biologie und Astronomie bekommen Marie Dacke (S, Austral.), Emily Baird (S, Austral., D), Marcus Byrne ( Südafrika, GB), Clarke Scholtz (Südafrika) und Eric J. Warrant (S, Austr., D) für ihr Experiment, das bewies, dass verirrte Mistkäfer sich auf ihrem dem Weg nach Hause an der Milchstraße orientieren. (Quelle: „Dung Beetles Use the Milky Way for Orientation,“ Marie Dacke, Emily Baird, Marcus Byrne, Clarke H. Scholtz, Eric J. Warrant, Current Biology, 2013. )

Video: Die Verleihung im Sanders-Theater auf youtube

Und letztes Jahr: Ig-Nobelpreise 2012!

http://improbable.com/ (Seite der „Ig-Nobelstiftung“ Improbable Resaerch, zu deutsch: unwahrscheinliche Wissenschaft)


Brüssel, 18. 12. 2012

Die EU spendet 2 Mio €, die aus dem Preisgeld des Friedensnobelpreises (ca. 930.000 €) sowie aus eigenen Mitteln stammen, an Hilfsprojekte für Flüchtlingskinder aus Krisengebieten wie Syrien und aus weiteren Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas (darunter Kongo, Pakistan, Kolumbien). Zur Umsetzung wurde das Projekt Kinder des Friedens gegründet, das dauerhaft bestehen soll. Darin arbeitet die EU mit weiteren Hilfsorganisationen, darunter die Kinderhilfsorganisationen UNICEF und Save the Children, zusammen.

Festakt in Oslo am 10. Dezember 2012: Ab 13:00 Uhr kann hier die Nobelfeier zum Friedensnobelpreis 2012 direkt beim Nobelpreiskomitee live verfolgt werden.

Für die EU nehmen die Präsidenten der Europäischen Kommission, des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rates den Nobelpreis entgegen. Es sind auch zahlreiche Staatsvertreter anwesend, darunter die Kanzlerin Angela Merkel.

Nachmittags folgt dann die zerimonielle Feier der Vergabe der Nobelpreise, für den Friedensnobelpreis 2012 in Oslo und für alle anderen Nobelpreise 2012 in Stockholm. Die Diplome der Nobelpreise wurden künstlerisch besonders gestaltet, siehe:
http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/about/diplomas/2012/

Physik
Chemie

Medizin
Literatur
für den Frieden
und in den Wirtschaftswissenschaften

Am 8. Dezember 2012 kann ab 13:00 Uhr hier die Nobelvorlesung zum Nobelpreis Wirtschaftswissenschaften 2012 live verfolgt werden:
– vorbei –

Am 8. Dezember 2012 ab 09:00 Uhr können hier die Nobelvorlesungen zum Physik- und Chemie-Nobelpreis live verfolgt werden:
– vorbei –

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