Autorenarchiv

Am 7. Dezember 2012 um 17:30 Uhr kann hier die Nobelvorlesung zum Literatur-Nobelpreis live verfolgt werden:
-vorbei-


Am 7. Dezember 2012 um 15:00 Uhr kann hier die Nobelvorlesung zum Medizin-Nobelpreis live verfolgt werden:
– schon vorbei –


Stockholm, 15. Oktober 2012

heute wurde um 13:00 Uhr der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften* bekanntgegeben. Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 2012 geht an die beiden US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Alvin E. Roth (*1951) und Lloyd S. Shapley (*1923).

Die beiden Ökonomen erhalten den Nobelpreis für ihre Theorie stabiler Verteilungen und zu der Praxis der Beschaffenheit von Märkten.
Alvin E. Roth (*1951. NYC, NY) ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der renommierten Universität Harvard. Er erforscht die Strukturen von Märkten u.a. mit der Methode der Spieltheorie.
Lloyd S. Shapley (*1923, Cambridge, Massachusetts, USA) ist Wirtschaftsmathematiker mit einem Schwerpunkt auf dem Gebiet der Spieltheorie. Er forschte zuletzt an der University of California in Los Angeles.

Hintergrund: Die von der Spieltheorie geprägten Untersuchungen und die dabei von Roth und Shapley sowie dem verstorbenen Ökonom David Gale (1921-2008) entwickelten Algorithmen, insbesondere der sogenannte Gale-Shapley-Algorithmus für passende Zuteilungen, dienen der Steuerung (und Optimierung) des Zusammenspiels verschiedener Partner, z.B. zwischen Akteuren im Markt, also zwischen Kunden (Käufern) und Anbietern (Verkäufern) von Produkten und Dienstleistungen, aber auch auf anderen Gebieten, etwa zwischen Patient und Arzt, zwischen Schüler und Lehrer, zwischen Student und Universität, ja sogar zwischen Mann und Frau als Partner. Dieses Auffinden optimaler, stabiler Zuteilungen wird auch „stable marriage problem“ genannt.

*Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften wird erst seit 1969 vergeben und wird offiziell als Preis der Reichsbank Schwedens auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften zum Andenken an Alfred Nobel bezeichnet. Das Preisgeld beträgt dieses Jahr ca. 930.000 EUR.

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/economics/laureates/2012/ (Seite der Nobelstiftung)

Oslo, 12. Oktober 2012
!Vorzeitige Meldung um 10:00 Uhr! Laut Norwegischen Rundfunk soll der Friedensnobelpreis an die Europäische Union gehen!
Danach folgte um 11:00 Uhr die offizielle Bekanntgabe des Friedensnobelpreises 2012. Und tatsächlich (!), die vorzeitige Meldung aus Norwegen war richtig:
Die Europäische Union wird mit dem Friedensnobelpreis 2012 ausgezeichnet.

Die EU wird dafür ausgezeichnet, dass sie seit über sechs Jahrzehnten für die Entwicklung von Frieden, Aussöhnung, Demokratie und Menschrechten in Europa beiträgt.

In der ausführlicheren Begründung wurde die nach dem 2. Weltkrieg erreichte deutsch-französische Aussöhnung und die deutsch-französische Freundschaft als Grundpfeiler für die Entwicklung der Europäischen Union hervorgehoben. Zitat: Heute sei ein Krieg zwischen Deutschland und Frankreich nicht mehr denkbar.

(Anmerkung d. Red.: Angesichts der aktuellen Euro-Krise handelt es sich offensichtlich um einen politisch sehr gewollten „Motivationspreis“. Aber Friedensnobelpreise werden traditionell meist politisch vergeben.)

Anfänge der EU (Bild: Kolja21 auf Wikipedia)

Ausweitung EU 1957-2007 (Bild: Kolja21 auf Wikipedia)

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/peace/laureates/2012/ (Seite der Nobelstiftung)
http://europa.eu/ (Seite der EU)

Stockholm, 11. Oktober 2012:
Um 13:00 Uhr wurde heute der Literatur-Nobelpreis 2012 bekanntgegeben.

Der Literaturnobelpreis 2012 geht an den chinesischen Schriftsteller Mo Yan (*1955).

Mo Yan wird mit dem Nobelpreis für Literatur für sein magisch-realistisches Werk, das mit halluzinatorischem Realismus Märchen, Geschichte und Gegenwart vereint, ausgezeichnet.

Mo Yan (*1955, Gaomi, Provinz Shandong, China) wuchs als Bauernsohn auf und diente lange in der Volksbefreiungsarmee, an deren Kunstakademie er auch studierte. Mo Yan ist ein Pseudonym für der Sprachlose, der eigentliche Name des Autors ist Guan Moye. Mo Yan ist hier insbesondere mit seinem magisch-realistischen Roman Das Rote Kornfeld bekannt geworden. Dieser Roman wurde 1987 erfolgreich verfilmt und auf der Berlinale 1988 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

Anmerkung:  Mo Yan hat auf der Pressekonferenz in seiner Heimatprovinz Shandong die Hoffnung ausgesprochen, dass sein Schriftstellerkollege, der inhaftierte Regimekritiker und Friedensnobelpreisträger 2010 Liu Xiaobo bald freigelassen wird. Später hat Mo Yan allerdings die Zensur in China relativiert und damit verteidigt. (Anmerkung/Frage d.Red: War die Vergabe 2012 ein Deal zwischen China und der Nobelstiftung, so dass Liu Xiaobo dann freigelassen wird, wenn ein „staatstreuer“ Schriftsteller wie Mo Yan dafür mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wird? Wir wissen es nicht.)

Mo Yan (2008 in Hamburg), Bild: Johannes Kolfhaus, Gymn. Marienthal

Mo Yan (2008 in Hamburg), Bild: Johannes Kolfhaus, Gymn. Marienthal

Werke (u.a.): Neben Das rote Kornfeld (1987) sind von Mo Yans Erzählungen und Romanen in letzter Zeit folgende Titel auf deutsch erschienen: Die Sandelholzstrafe (2001), Der Überdruss (2008) und Die Knoblauchrevolte (2009). Die Knoblauchrevolte ist auf chinesisch bereits 1989 erschienen. Andere bekanntere Titel von Mo Yan sind u.a. Der kristallene Rettich (1986), Die Schapsstadt (1993) oder Der Klan der Grasverzehrer (1993).

Im Frühjahr 2013 erscheint im Verlag Hanser der Roman Frösche.

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2012/ (Seite der Nobelstiftung)

Stockholm, 10. Oktober 2012

Heute wurde um 11:45 Uhr der Chemie-Nobelpreis 2012 bekanntgegeben.

Der Chemie-Nobelpreis 2012 geht an die beiden US-amerikanischen Wissenschaftler Robert J. Lefkowitz (*1943) und Brian K. Kobilka (*1955).

Sie werden für ihre Forschungen zu der Rezeptorgruppe der G-Protein gekoppelten Rezeptoren mit dem Nobelpreis für Chemie 2012 ausgezeichnet.

Robert J. Lefkowitz (*1943, New York City, NY, USA) studierte zunächst Chemie, später Medizin. Er arbeitet am Howard Hughes Medical Institut und an dem Duke University Medical Center (Durham, NC, USA). Ihm gelang in den späten 1960iger Jahren erstmals die Isolierung von G-Protein gekoppelten Rezeptoren (GPCR) und er erforschte ihre biochemische Regulation im Körper mit radioaktiv markierten Rezeptorproteinen. So konnte Lefkowitz feststellen unter welchen Bedingungen diese Rezeptoren an- und abgeschaltet werden.
Brian K. Kobilka (*1955, Little Falls, MN, USA) studierte zunächst Chemie und Biologie, dann Medizin. Er forscht an der medizinischen Fakultät der Universität Stanford in Kalifornien (USA). Kobilka klärte in jahrelangen Arbeiten u.a. den genetischen Code zu GPCR-Rezeptorproteinen auf.

Hintergrund: Die biologischen Rezeptoren aus der Gruppe der G-Protein gekoppelten Rezeptoren (GPCR) sitzen in der Zellmembran. Es sind inzwischen etwa 1000 solcher Rezeptoren bekannt. Sie sind maßgeblich verantwortlich für den Geschmacks- und Geruchssinn auch den Lichtsinn sowie die Erkennung vieler wichtiger Faktoren zur Regulation, so z.B. für die Herzschlagfrequenz. Die pharmakologische Bedeutung der GPCR-Rezeptoren liegt vor allem darin, dass sehr viele Medikamente hier erfolgreich ansetzen, darunter beispielsweise Medikamente gegen einen erhöhten Blutdruck wie etwa Betablocker. Betablocker beispielsweise blockieren bestimmte beta-Rezeptoren, die beta-Adrenozeptoren (auch diese gehören zur Gruppe der GPCR-Rezeptoren), an die ansonsten das Stresshormon Adrenalin bindet. Die Wirkung des Adrenalins wird so gesenkt, und damit sinkt auch der Blutdruck. Andere Medikamente binden an Rezeptoren um Allergien zu verhindern.
Inzwischen wurde von verschiedenen Forschungsgruppen auch der strukturelle Aufbau einiger GPCR-Rezeptorproteine aufgeklärt (siehe Schema Bild unten).

Schema der Struktur von G-Protein-gekoppelten Rezeptoren (Bild: Sven Jähnichen, bei Wikipedia)

Schema der Struktur von G-Protein-gekoppelten Rezeptoren (Bild: Sven Jähnichen, bei Wikipedia)

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/chemistry/laureates/2012/ (Seite der Nobelstiftung)

http://med.stanford.edu/kobilkalab/index.html (Labor von Kobilka an der Universität Stanford)

http://www.lefkolab.org/ (Labor von Lefkowitz)

Stockholm, 9. Oktober 2012

Um 11:45 Uhr wurde heute der Physiknobelpreis 2012 bekanntgegeben. Der Preis wird für bahnbrechende Experimente auf dem Gebiet der Quantenphysik, die auch der technischen Entwicklung von Quantencomputern dienen, vergeben.
Der Physiknobelpreis 2012 geht an den französischen Physiker Serge Haroche (*1944) und an den amerikanischen Physiker David J. Wineland (*1944).
Die beiden Forscher erhalten den Nobelpreis für Physik 2012, weil sie mit ihren quantenphysikalischen Experimenten eine neue Ära der Quantenphysik eröffnet haben. Ihre sensationellen Experimente ermöglichen die experimentelle Kontrolle und Beeinflussung von Quantenzuständen kleinster Teilchen und gelten als wichtige Beiträge für die Quanteninformationstheorie.

Serge Haroche (*1944, Casablanca, Marokko) ist u.a. Physikprofessor am Collège de France in Paris. Er widmet sich seit langem den Möglichkeiten experimenteller Untersuchungen quantenmechanischer Gesetze.

David J. Wineland (*1944, Milwaukee, USA) arbeitet als Forscher am National Institute of Standards and Technology (NIST) und ermöglichte mit seinen Ionenfallen-Experimenten die experimentelle Kontrolle konkreter Quantenzustände von mikroskopischen, den Gesetzen der Quantenmechnaik unterliegenden Teichen (einzelne Atome, Ionen). Diese Forschungen sind auch von grundlegender Bedeutung für die zukünftige technische Entwicklung von Quantencomputern.

David J. Wineland

David J. Wineland

Beide Forscher wurden bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/physics/laureates/2012/ (Seite der Nobelstiftung)

http://www.aip.org/history/acap/biographies/bio.jsp?winelandd (Informationen zu David Wineland)

Stockholm, 8. Oktober 2012 – Die Nobelpreiswoche 2012 ist wieder eröffnet!

Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2012 geht an zwei Stammzellenforscher, an den britischen Biologen Sir John Bertrand Gurdon (*1933, Dippenhall, Hampshire, GB) und an den japanischen Mediziner und Stammzellenforscher Shinya Yamanaka (*1962, Ōsaka, Japan). Sie erhalten die Auszeichnung auf dem Gebiet der Zellforschung für ihre Entdeckung, dass pluripotente Stammzellen aus der Reprogrammierung reifer Zellen erhalten werden können.

Der Biologe John B. Gurdon arbeitete lange Zeit als Professor an der Universität Cambridge in England. Bereits 1962 entdeckte er, dass die Zelldifferenzierung reversibel sein kann. Dazu verpflanzte Gurdon nur den Zellkern einer ausdifferenzierten Körperzelle aus dem Darm eines Krallenfrosches in die entkernte Eizelle eines anderen Krallenfrosches (siehe Bild unten). Aus dieser nun befruchteten Eizelle entwickelte sich das erste geklonte Tier. Weitere geklonte Tiere sollten später folgen, besonders berühmt wurde 1997 das Schaf Dolly.
Shinya Yamanaka ist Professor für Medizin an der Universität Kyōto in Japan. Er entwickelte 2006 eine Methode zur Gewinnung von induzierten  pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) aus der „Reprogrammierung“ von Bindegewebszellen (Fibroblasten) aus Mäusen. Ihre Ergebnisse sind von herausragender Bedeutung sowohl in der Grundlagenforschung und sehr wahrscheinlich auch in der zukünftigen medizinische Anwendung auf dem Feld der sogenannten Stammzellentherapie. Yamanaka wurde bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet.

Hintergrund: Stammzellen besitzen als eine Art allround-Vorläuferzellen die Möglichkeit sich zu spezialisierten Körperzellen (z.B. Hautzelle, Nervenzelle) zu differenzieren. Pluripotente Stammzellen haben die Möglichkeit sich zu vielen unterschiedlichen Organzellen ausdifferenzieren zu können, und sie sind daher von größtem medizinischen Interesse, etwa zum Wiederaufbau zerstörter Zellen. Embryonale Stammzellen (ES) sind pluripotent und werden aus Embryonen gewonnen, was ethisch sehr umstritten ist. Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) können dagegen aus reifen Organzellen (z.B. Leberzellen oder Blutzellen) ethisch unproblematisch gewonnen werden, indem bestimmte Gene (die auch in embryonalen Stammzellen vorkommen) in diese ausdifferenzierten, reifen Zellen per Retrovirus geschleust werden. Diese eingeschleusten Gene bewirken, dass die so induzierten Zellen sich wieder zu Stammzellen (rück-) entwickeln. Es wird also eine Art zellbiologische Reprogrammierung erreicht. Diese von Yamanaka und seiner Forschergruppe 2006 entwickelte Methode gilt als bahnbrechend und spektakulär, weil sie inzwischen auch auf menschliche Zellen anwendbar ist und auch weil sie keine Embryonen „verbraucht“.

Krallenfrosch (Bild: Peter Halasz, auf Wikipedia zu Krallenfrosch)

Krallenfrosch - das erste, von Gurdon geklonte Tier (Bild: Peter Halasz)

Das Preisgeld wurde dieses Jahr als Sparmaßnahme (!) um ein Fünftel von 10 auf 8 Mio Schwedische Kronen (ca. 930.000 €) gesenkt.

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2012/ (Seite der Nobelstiftung)

Universität Harvard, Boston (USA), 20./21. September 2012
Auch dieses Jahr wieder wurden nun zum 22. Mal die kultigen Ig-Nobelpreise verliehen. Die Ig-Nobelpreise werden nur für besonders schrullige Forschungsarbeiten vergeben, die einen zum Lachen bringen und zum Nachdenken anregen. Die Verleihung dieser „Anti-Nobelpreise“ fand am Abend des 20. September wieder ganz zeremoniell im Sanders-Theater der Harvard Universität in Bosten (Massachusetts) statt. Es sind „echte“ Nobelpreisträger, die den Preis übergeben. Zehn Forschungsarbeiten bzw. die dafür verantwortlichen Wissenschaftler Ig-ausgezeichnet:

Für Psychologie werden ausgezeichnet: Anita Eerland und Rolf Zwaan (beide NL) sowie Tulio Guadalupe (Peru,Russland, NL)  für Ihre Arbeit über den Effekt, dass ein Anlehnen an die linke Seite des Eiffelturms diesen kleiner erscheinen lässt. (Quelle: „Leaning to the Left Makes the Eiffel Tower Seem Smaller: Posture-Modulated Estimation,“ Anita Eerland, Tulio M. Guadalupe and Rolf A. Zwaan, Psychological Science, vol. 22 no. 12, December 2011, pp. 1511-14)


In Chemie
wird Johan Pettersson ausgezeichnet, weil er das Problem gelöst hat, warum sich in bestimmten Häusern seiner schwedischen Heimatstadt Anderslöv die  Haare der Bewohner mit der Zeit grün färben.


Den Preis für Medizin
erhalten Emmanuel Ben-Soussan und Michel Antonietti (beide F) für ihre wissenschaftlichen Empfehlungen an Ärzte, die Darmspiegelungen vornehmen, wie die Gefahr der Explosion Ihrer Patienten zu verringern ist. (Quelle: „Colonic Gas Explosion During Therapeutic Colonoscopy with Electrocautery,“ Spiros D Ladas, George Karamanolis, Emmanuel Ben-Soussan, World Journal of Gastroenterology, vol. 13, no. 40, October 2007, pp. 5295–8)

Den Ig-Nobelpreis für Anatomie bekommen Frans de Waal (NL/USA) und Jennifer Pokorny (USA) für ihre Entdeckung, dass Schimpansen andere Artgenossen an Fotos von deren Hinternteilen wiedererkennen können. (Quelle: „Faces and Behinds: Chimpanzee Sex Perception“ Frans B.M. de Waal and Jennifer J. Pokorny, Advanced Science Letters, vol. 1, 99–103, 2008)

Der Ig-Nobelpreis für Literatur geht an den US-Rechnungshof für die Ausfertigung eines Berichts über Berichte, die wiederum auf Berichte über einen Bericht verweisen, welcher die Ausfertigung von Berichten über Berichte, die auf Berichte über Berichte verweisen, empfiehlt.

Den Preis für Akustik erhalten Kazutaka Kurihara und Koji Tsukada (Japan) für die Erfindung eines technischen Redeunterbrechers, der die Rede einer Person dadurch unterbricht, dass der Redner die eigene Stimme in geringer Verzögerung zu hören bekommt! (Quelle: „SpeechJammer: A System Utilizing Artificial Speech Disturbance with Delayed Auditory Feedback„, Kazutaka Kurihara, Koji Tsukada, arxiv.org/abs/1202.6106. February 28, 2012)

In Physik werden für ihre Arbeit über die Berechnung der verschiedenen Kräfte und Kraftgleichgewichte, die für die Form und Bewegung des Haares im Ponyschanz verantwortlich sind die Wissenschaftler  Joseph Keller (USA), Raymond Goldstein (USA u. GB), Patrick Warren, u. Robin Ball (GB) ausgezeichnet. (Quellen: „Shape of a Ponytail and the Statistical Physics of Hair Fiber Bundles.“ Raymond E. Goldstein, Patrick B. Warren, and Robin C. Ball, Physical Review Letters, vol. 198, no. 7, 2012. Und:  „Ponytail Motion,“ Joseph B. Keller, SIAM [Society for Industrial and Applied Mathematics] Journal of Applied Mathematics, vol. 70, no. 7, 2010, pp. 2667–72.)

In Neurowissenschaften werden Craig Bennett, Abigail Baird, Michael Miller, und George Wolford (USA), für Ihren Nachweis ausgezeichnet, dass Gehirnforscher mit komplizierten Instrumenten und einfacher Statistik selbst in einem toten Lachs noch bedeutsame Gehirnaktivität aufzeigen können. (Quelle: „Neural correlates of interspecies perspective taking in the post-mortem Atlantic Salmon: An argument for multiple comparisons correction,“ Craig M. Bennett, Abigail A. Baird, Michael B. Miller, and George L. Wolford, 2009. Und: „Neural Correlates of Interspecies Perspective Taking in the Post-Mortem Atlantic Salmon: An Argument For Multiple Comparisons Correction,“ Craig M. Bennett, Abigail A. Baird, Michael B. Miller, and George L. Wolford, Journal of Serendipitous and Unexpected Results, vol. 1, no. 1, 2010, pp. 1-5)

Den Ig-Friedensnobelpreis bekommt die Firma  SKN aus Russland für ihr Verfahren, alte russiche Munition in Diamanten umzuwandeln!

Den Ig-Nobelpreis für Strömungslehre bekommen Rouslan Krechetnikov (USA u.a.) und Hans Mayer (USA) für ihre Forschung über das dynamische Schwapp-Verhalten von Kaffee in Kaffeetassen und darüber wie eine Person am besten mit einer Kaffeetasse in der Hand ohne überzuschwappen geht. (Quelle: „Walking With Coffee: Why Does It Spill?“ Hans C. Mayer and Rouslan Krechetnikov, Physical Review E, vol. 85, 2012)

Video: Die Verleihung im Sanders-Theater auf youtube

Und letztes Jahr: Ig-Nobelpreise 2011!

http://improbable.com/ (Seite der „Ig-Nobelstiftung“ Improbable Resaerch, zu deutsch: unwahrscheinliche Wissenschaft)

* Ig steht vermutlich für ignoble, zu deutsch: gemein, niedrig, schändlich, schmachvoll, unedel, unehrenhaft, unwürdig, von niedriger Geburt (übersetzt mit: leo.org)

Stockholm, 27. September 2012

Heute wurden wieder 3 Personen und eine Organisation mit dem Alternativen Nobelpreis – dem Right Livelihood Award – für das Jahr 2012 ausgezeichnet. Der Preis besteht aus einem Ehrenpreis (dieses Jahr an Hayrettin Karaca) und 3 Geldpreisen (an Sima Samar, Gene Sharp und die Organisation Campaign Against Arms Trade), für jeden Preisträger dotiert mit einer Preisgeldsumme von 150.000 EUR. Dies ist mit insgesamt 450.000 EUR bisher die höchste Preisgeldsumme für den Alternativen Nobelpreis, sie wird aus Spenden bereitgestellt. Die Preisträger sind:

HAYRETTIN KARACA (Türkei). Der Textilfabrikant Karaca (*1922) erhält den Ehrenpreis des Alternativen Nobelpreises für seinen lebenslangen und unermüdlichen Einsatz für den Schutz der Umwelt. Herr Karaca ist gewissermaßen das Urgestein des Umweltschutzes in der Türkei.

SIMA SAMAR (Afghanistan).

Dr. Sima Samar

Dr. Sima Samar

Die Ärztin Simar Samar (*1957) wird ausgezeichnet für ihren ausdauernden und couragierten Einsatz für die Menschrechte und insbesondere für die Rechte der Frauen in einer der schwierigsten und gefährlichsten Regionen der Welt, in Afghanistan.

GENE SHARP (USA). Der in Harvard ausgebildete Soziologe und Politologe Sharp (*1928) gilt als einer der wenigen Experten auf dem Gebiet der gewaltfreien Konfliktlösung, er wird zuweilen auch gerne als Machiavelli der Gewaltfreiheit bezeichnet. Sharp wird ausgezeichnet für die Entwicklung und Formulierung von Grundprinzipien und Strategien für den gewaltfreien Widerstand und deren praktische Nutzung bei Prozessen zur Konfliktlösung in der ganzen Welt.

CAMPAIGN AGAINST ARMS TRADE (Großbritannien). Die Organisation Campaign Against Arms Trade (CAAT) setzt sich seit 1974 gegen den internationalen Waffenhandel ein. Die CAAT wird für ihre innovativen und effektiven Methoden der Kampagnenführung gegen den Waffenhandel ausgezeichnet.

Der Alternative Nobelpreis wird von der Stiftung Right Livelihood Foundation, die 1980 von Jakob von Uexküll gegründet wurde, vergeben. Hier steht der Artikel zum Alternativen Nobelpreis 2011.

Weitere Weblinks:

http://www.rightlivelihood.org/summary_german.html (offizielle Seite der Stiftung für den Alternativen Nobelpreis, Right Livelihood Foundation)

http://www.rightlivelihood.org/award_interviewjakob.html Interview mit Jakob von Uexküll

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