Archiv für die Kategorie 'Aktuelles'

Der Literaturnobelpreis 2014


geht an den französischen Schriftsteller Patrick Modiano (*1945, Boulogne-Billancourt bei Paris) für seine Art und Weise mit der er das unbegreifliche menschliche Schicksal und die Lebensumstände unter der Besatzung in Erinnerung ruft.

Modiano-Buch Der Horizont im Buchhnadel (Bild: A. Bach)

Modiano-Buch Der Horizont im Buchhandel (Bild: A. Bach)

PORTRÄT- BILD
Der Schriftsteller Patrick Modiano zeichnet oft die Lebenswelten seiner Familie nach. Seine Eltern hatten sich während der deutschen Besatzung in Paris kennengelernt. Der Stil der Sprache in seinen Romanen wird als skizzenhaft aber auch als meisterhaft in dem Gelingen der Darstellung der Figuren beschrieben. Bekannt wurde Modiano mit seinem Romandebüt Place de l’Etoile von 1968. Modiano wurde 1978 mit dem großen französischen Literaturpreis Prix Goncourt geehrt. Zusammen mit dem franz. Filmemacher Louis Malle verfasst er das Drehbuch zu dem Film Lacombe Lucien, der während der deutschen Besatzung spielt. 1994 wurde sein zweiter Roman Villa Triste verfilmt, der dt. Titel ist Das Parfum von Yvonne. Seine Romane erscheinen in Frankreich bislang bei Gallimard. Modiano wird von bekannten Übersetzern in die Deutsche Sprache übersetzt, zahlreiche Werke wurden von Elisabeth Edl übersetzt, mindestens zwei Romane auch von Peter Handke. In Deutschland erscheinen Modianos Bücher hauptsächlich in den Verlagen Suhrkamp und Hanser.

Werke (u.a.): Place de l’Etoile (1968), Villa Triste (1975; ab 1994 dt. Titel: Das Parfum von Yvonne), Pariser Trilogie (1969-1977: 1. Abendgesellschaft, 2. Außenbezirke, 3. Familienstammbuch), Lacombe Lucien (1974, Drehbuch zum Film),  Eine Jugend (Une Jeunesse, 1988), Sonntage im August (Dimanche d’août, 1989), Dora Bruder (1998), Die Kleine Bijou (2001), Im Café der verlorenen Jugend (2012), Der Horizont (2013)

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2014/ (Seite der Nobelstiftung)

Artikel mit Bild im Magazin Le Littéraire

Der Chemie-Nobelpreis 2014

 

geht an den deutschen Biophysiker Stefan W. Hell (*1962) und an die Physiker Eric Betzik (*1960) und William E. Moerner (*1953) aus den USA für ihre Entwicklung der ultrahochauflösenden Fluoreszenz-Mikroskopie, die sogar Moleküle sichtbar machen kann.

Stefan W. Hell (*1962 in Arad, Rumänien) studierte Physik an der Universität Heidelberg, wo er bereits im Gebiet der hochauflösenden Mikroskopie promovierte. Es folgten Forschungsaufenthalte in Turku und Oxford. 1996 schloss Hell seine Habilitation wieder in Heidelberg ab. Stefan Hell entwickelte im Jahr 2000 die Methode der STEP-Mikroskopie (Stimulated Emission Depletion), eine Technik der Fluoreszenz-Mikroskopie, die erstmals eine nanoskalierte Live-Beobachtung von Molekülen erlaubte. 2002 wurde Stefan Hell Direktor am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen, seit 2013 ist er Mitglied der altehrwürdigen Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina mit Sitz in Halle.

Chemienobelpreisträger Stefan W Hell (Bild S. W. Hell // B. Schuller)

Chemienobelpreisträger Stefan W Hell (Bild: Stefan W. Hell // B. Schuller)

Eric Betzik (*1960, Ann Abor, Mi, USA) und William E. Moerner (*1953, Pleasanton, Ca, USA) promovierten beide in Physik an der Cornell University in Ithaca (NY, USA), entwickelten aber unabhängig voneinander eine zweite Methode der hochauflösenden Fluoreszenz-Mikroskopie, die sogenannte Single-Molecule-Microscopy. Bei dieser Methode wird die Fluoreszenz-Eigenschaft von Molekülen viele Male an- und abgeschaltet und abgebildet. Die übereinandergelegten Bilder erlauben ebenfalls eine nanoskalierte Beobachtung von Molekülen. Betzig arbeitet gegenwärtig am Janelia Farm Research Campus am Howard Hughes Medical Institute in Ashburn (VA, USA), Moerner ist Professor an der Stanford University (Ca, USA).

Chemienobelpreisträger William E. Moerner (Bild: Kevin Lowder)

Chemienobelpreisträger William E. Moerner (Bild: Kevin Lowder)

Zum Thema:
Der berühmte deutsche Physiker Ernst Abbe (1840-1905), Fachmann für Mikroskopie und später Inhaber des Jenaer Unternehmens Carl Zeiss sowie Begründer des Jenaer Glaswerks Schott hatte 1873 postuliert, dass die Auflösung der Lichtmikroskopie aus technischen Gründen nicht genauer werden kann als etwa die halbe Lichtwellenlänge (200-400 nm). Der Chemie-Nobelpreis 2014 zeichnet nun die Leistung aus, diese Auflösungsgrenze mit dem Lichtmikroskop unterschreiten zu können. Basis dafür ist die Technik der Fluoreszenz-Mikroskopie. Fluoreszenz ist die schnelle Abstrahlung von Licht von einem Material, das zuvor (z.B. mit einem Laser) entsprechend angeregt wurde. Bei der Anregung erreichen Elektronen ein energiereicheres Niveau, dann „fallen“ sie wieder auf das Ausgangsniveau zurück. Der energetische Niveauunterschied wird als Licht entsprechender Frequenz abgestrahlt (Lumineszenz), z.B. als kurzlebige Fluoreszenz-Strahlung, die etwas langwelliger ist als die Anregungsstrahlung. In der Fluoreszenz-Mikroskopie wird nun das zu untersuchende Material mit einem Fluoreszenzfarbstoff behandelt, der im Licht angeregt wird. Der Unterschied in der Wellenlänge zwischen abgestrahlter Fluoreszenz und der Strahlung zur Anregung ermöglicht, dass das Material mit einer Auflösung unterhalb der Lichtwellenlänge und mit besonders gutem Kontrast beobachtet werden kann. Bei der STEP-Fluoreszenz-Mikroskopie von Stefan Hell werden Moleküle zunächst mit einem Laserstrahl zur Fluoreszenz angeregt, durch selektive Abregung mit einem zweiten Laser kann dann das abgestrahlte Fluoreszenzlicht auf die gewünschte nanoskalare Ebene gefiltert werden, so dass die Moleküle ultrahoch aufgelöst und sogar im Live-Modus beobachtet werden können.

Immunfluoreszenz-Aufnahme im Spinalganglion der Ratte. Zwei verschiedene Proteine wurden mit rot oder grün fluoreszierenden Markern gefärbt (Bild: Zsynth bei de.wikipedia)

Immunfluoreszenz-Aufnahme im Spinalganglion der Ratte. Zwei verschiedene Proteine wurden mit rot oder grün fluoreszierenden Markern gefärbt (Bild: Zsynth bei de.wikipedia)

Diese neue „Nanoskopie“ erlaubt sogar die Verfolgung einzelner Moleküle in der Zelle. Von dieser Methode werden für die Zukunft noch viele neue, zellbiologisch und pharmakologisch relevante, Erkenntnisse erwartet.

Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/chemistry/laureates/2014/(Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/chemistry/laureates/2014/press.html (Pressemitteilung der Nobel-Stiftung)

Arbeitsgruppe Stefan Hell am MPI in Göttingen

Homepage Stefan Hell an der Leopoldina in Halle

Arbeitsgruppe Eric Betzig

Arbeitsgruppe William Moerner

Der Physik-Nobelpreis 2014

 

geht an die drei japanischen Physiker Isamu Akasaki (*1929), Hiroshi Amano (*1960) und Shuji Nakamura (*1954) für die Erfindung der die Farbe Blau emittierenden Leuchtdioden (LED), die Voraussetzung für helle und energiesparende weiße Lichtquellen.

UV-LED mit Lichtstrahl (Bild: Christian Pelant)

UV-LED mit Lichtkegel (Bild: Christian Pelant)

Isamu Akasaki (*1929 in Chiran, Japan), Elektrotechniker, und Hiroshi Amano (*1960 in Hamamatsu, Japan), Physiker, arbeiten und forschen auf dem Gebiet der Halbleitertechnologie und zu Leuchtdioden an der ehemals kaiserlichen Universität in Nagoya, wo sie auch Professoren sind. Akasaki gelang 1989 erstmals die Herstellung effizienter Blaulicht-Leuchtdioden aus dem Halbleitermaterial Galliumnitrid, wofür er 2011 mit der Edison-Medaille geehrte wurde, der höchsten Auszeichnung in Elektrotechnik. Amano hat wesentlich an der Fortentwicklung der blauen Leuchtdiode mitgewirkt.
Shuji Nakamura (*1954 in Ikata, Japan) arbeitete nach Abschluss seiner Doktorarbeit an der Universität Tokushima zunächst bei dem japanischen Halbleiterkonzern Nichia. Dort gelang Nakamura 1993 die Herstellung einer besonders intensiv abstrahlenden, sehr hellen Blaulicht-Leuchtdiode aus dem Halbleitermaterial Galliumnitrid (GaN-LED). Damit war seit 1996 auch die Herstellung intensiv leuchtender weißer Leuchtdioden möglich geworden. Der Konzern Nichia ist inzwischen einer der weltweit größten Hersteller solcher Leuchtdioden, die als Lichtquellen auch in Computern, Smartphones oder Tablets eingesetzt werden. Nakamura lehrt und forscht seit 1999 als Professor an der University of California in Santa Barbara (USA), er hat auch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Zudem ist Nakamura seit 2004 in Deutschland Honorarprofessor an der Universität Bremen.

Zum Thema:
Mit dem Physik-Nobelpreis 2014 ist ein Licht aufgegangen. Die Entwicklung von stark leuchtenden Leuchtdioden (LED = Licht Emittierende Dioden) hat die Lichttechnologie revolutioniert. Im Gegensatz zur herkömmlichen Glühlampe verbraucht die LED nur einen Bruchteil an elektrischer Energie und weist dabei eine um das 100-fache höhere Lebensdauer auf. Dies ist sehr wichtig, angesichts weltweit begrenzter Energieresourcen. Anderthalb Milliarden Menschen können Dank der LED-Technologie mit Licht versorgt werden, das nur eine kleine Solarzelle zur Stromversorgung benötigt. Und so betont das Nobelpreis-Komittee auch, dass der Physik-Nobelpreis 2014 besonders dem Geiste Alfred Nobels entspricht, denn Nobel verfügte in seinem Testament, dass diejenige Erfindung als preiswürdig zu betrachten sei, die der Menschheit den größten Nutzen bringt.
Die herausragende Leistung der drei japanischen Physik-Nobelpreisträger Isamu Akasaki, Hiroshi Amano und Shuji Nakamura liegt in ihrem beharrlichem Streben nach stark leuchtenden blauen Leuchtdioden auf Basis des anorganischen Halbleiters Galliumnitrid. Rote, grüne und auch sehr schwach leuchtende blaue Leuchtdioden gab es bereits früher. Aber erst die Entwicklung stark leuchtender Blaulicht-Leuchtdioden ab 1989 ermöglichte durch additive Farbkombination mit einem im gelb-roten Bereich fluoreszierenden Leuchtstoff die Ausstrahlung intensiv weißen Lichts. Diese LEDs sind auch praktisch als Lichtquellen geeignet.

Schema: Weißes Licht aus blauer LED; Phosphor steht für gelb-rotes Fluoreszenzmittel, Bild:  Cepheiden crop by iogos82

Schema: Weißes Licht aus blauer LED und addiertem Leuchtstoff; >Phosphor< steht für gelb-roten Leuchtstoff und nicht für das chem. Element P. Bild: Cepheiden crop by iogos82

Man vergleiche dazu auch den Nobelpreis für Chemie im Jahr 2000 zu Leitfähigen Polymeren, welche in speziellen Leuchtdioden, den OLED’s (Organic Light Emitting Diode), eingesetzt werden.

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/physics/laureates/2014/ (Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/physics/laureates/2014/press.html (Pressemitteilung der Nobelstiftung)

Homepage Arbeisgruppe Prof. Amano an der Nagoya-Universität

Homepage Arbeitsgruppe Prof. Nakamura an der University of California




Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2014

 

geht zur einen Hälfte an den amerikanisch-britischen Neuropsychologen John O’Keefe (*1939, NYC) und zur anderen Hälfte an ein Forscher-Ehepaar aus Norwegen, die beiden Hirnforscher May-Britt (*1963) und Edvard Moser (*1962) für die Entdeckung der für den räumlichen Orientierungssinn verantwortlichen Komponenten im Gehirn.

John O’Keefe (*1939, NYC) ist ein experimentell forschender Psychologe, der seit 1967 am University College London arbeitet.

John O'Keefe, Neurowissenschaftler und Nobelpreisträger (Bild: Per Henning / NTNU)

John O'Keefe (Bild: Per Henning / NTNU)

Bei Experimenten an Ratten entdeckte Keefe 1971, dass im Hippocampus, eine in der Evolution sehr früh herausgebildete Gehirnregion in Form eines Seepferdchens, ein bestimmter Typ von Nervenzellen (Neuronen) immer dann aktiviert ist, wenn eine Ratte einen bestimmten Ort einnimmt. Demnach bilden diese Neuronen („Place Cells“) eine Art Karte des Raumes, in dem sich die Ratte nun orientieren kann. Seine Theorie über die Funktionsweise des Orientierungssinns mittels dieser Neuronen im Hippocampus konnte mit Experimenten an Ratten und auch an Menschen bestätigt werden.

May-Britt und Edvard Moser (Bild: KI/CBM, Kavli Institut der NTNU)

May-Britt und Edvard Moser (Bild: KI/CBM, Kavli Institut der NTNU)

May-Britt (*1963, Fosnavåg) und Edvard Moser (*1962, Ålesund) sind norwegische Hirnforscher, die in den 1990iger Jahren als Postdoktoranden bei John O’Keefe in London gearbeitet haben. Seit 1996 forschen sie im norwegischen Trondheim an der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegen (NTNU) und gründeten dort später ein Zentrum für die Biologie des Gedächtnisses (heute das Kavli-Institut). Beide entdeckten im Jahr 2005 eine weitere, wesentliche Neuronen-Komponente des Orientierungssinns im Hippocampus, die sogenannten „grid-cells“ (Koordinaten-Zellen oder auch Raster-Zellen). Ebenso fanden sie einen Neuronentyp im Gehirnareal des entorhinalen Cortex, der dem Erkennen einer Bewegungsrichtung dient. May-Britt und Edvards Mosers Forschungen auf der Grundlage von O’Keefes Entdeckungen zum Hippocampus geben sehr wichtige Aufschlüsse über unseren Orientierungssinn und das „Raum-Zeit-Gedächtnis“.  Es ist also nicht falsch, wenn man sagt, dass diese Forscher das „GPS“ oder das „Navi“ unseres Gehirns entdeckt haben.

Die Entdeckungen der drei Neurowissenschaftler sind auch von großer Bedeutung für die Erforschung und Behandlung der Alzheimer-Krankheit, die u.a. Fehlfunktionen im Hippocampus aufweist.

Hippocampus-Präparat aus dem menschl. Gehirn von Prof. Lazlo Seress (links) und Vergleich mit Seepferdchen (rechts)

Hippocampus-Präparat aus menschl. Gehirn des ungar. Neurowissenschaftlers Prof. Lázló Seress (links), zum Vergleich Seepferdchen (rechts)

Das Preisgeld beträgt 8 Mio Schwedische Kronen (ca. 900.000 €).

Noch zwei statistische Anmerkungen zum Medizin-Nobelpreis 2014: Es gibt bislang nur verhältnismäßig wenige Frauen unter den Nobelpreisträgern. Frau May-Britt Moser ist die 12. Medizin-Nobelpreisträgerin. Gemeinsam ausgezeichnete Ehepaare kommen sehr selten vor! Edvard und May-Britt Moser sind das 5. Ehepaar, das gemeinsam mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wird.

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblinks (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2014/ (Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2014/press.html (Pressemitteilung der Nobelstiftung)

Homepage der Arbeitsgruppe von John O’Keefe am University College London

Homepage von May-Britt und Edvard Moser am Kavli-Institut der NTNU

Die Nobelpreiswoche 2014 beginnt:

Vertreter der Nobel-Stiftung haben die Termine zur Bekanntgabe der Nobelpreise 2014 festgelegt:

Montag, 6. Oktober, 11:30 Uhr: Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2014

Dienstag, 7. Oktober, 11:45 Uhr: Physik-Nobelpreis 2014

Mittwoch, 8. Oktober, 11:45 Uhr: Chemie-Nobelpreis 2014

Donnerstag, 9. Oktober, 13:00 Uhr: Literaturnobelpreis 2014

Freitag, 10. Oktober, 11:00 Uhr: Friedensnobelpreis 2014

Montag, 13. Oktober, 13:00 Uhr: Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 2014*
*eigentlich: Preis für Wirtschaftswissenschaften der Schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel


In Stockholm wurden am 25. September 2014 fünf Persönlichkeiten mit dem Alternativen Nobelpreis 2014 – dem Right Livelihood Award – ausgezeichnet. Die Preisträger sind 2014:

Edward Snowden (USA) wird mit dem Ehrenpreis des Alternativen Nobelpreises ausgezeichnet „für den Mut und das Geschick bei der Aufdeckung des beispielllosen Ausmaßes an staatlicher Überwachung, die grundlegende demokratische Prozesse und wichtigste Verfassungsgrundsätze verletzt„.

Snowden-Plakat an einer Wand (Foto: A.Bach, Berlin)

Snowden-Plakat an einer Wand (Foto: A.Bach, Berlin)

Edward Snowden (*1983) war als Computerfachmann Mitarbeiter US-amerikanischer Geheimdienste, zunächst bei der CIA, dann bei der NSA. Im Jahr 2013 entschloss sich Snowden, die für die Menschheit hochgefährliche, demokratiefeindliche und menschenrechtswidrige Überwachung unbescholtener Bürger durch amerikanische und britische Geheimdienste zu veröffentlichen. Dazu kontaktierte er Journalisten der Washington Post und des englischen Guardian und traf sich im Mai 2013 in Hongkong mit den Guardian-Journalisten Glenn Greenwald und Ewan MacAskill sowie der Filmemacherin Laura Poitras. Seitdem werden in Etappen Enthüllungen über die bis dahin völlig unvorstellbare Dimension der Überwachung der Bürger durch staatliche Geheimdienste veröffentlicht. Snowden lebt seitdem im Exil in Moskau. Pressemitteilung des Right Livilihood Award zu Snowden.
Charles Alan Rusbridger (*1953) (GB) teilt sich den Ehrenpreis des Alternativen Nobelpreises mit Edward Snowden. Rusbridger ist Herausgeber der Zeitung „The Guardian“, den Alternativen Nobelpreis bekommt er für den Aufbau einer digital und global agierenden Medienorganisation, die sich einem verantwortlichen Journalismus verpflichtet sieht und unerschrocken gegenüber Druck von Konzernen und Staaten auftritt. Pressemitteilung des Right Livilihood Award zu Rusbridger.

Die drei weiteren mit dem Preisgeld bedachten Preisträger des Alternativen Nobelpreises sind:

Asma Jahangir (Pakistan), wird „für ihren unermüdlichen Einsatz für die Verteidigung, den Schutz und die Förderung der Menschenrechte in Pakistan unter schwierigsten Bedingungen und unter hohem persönlichem Risiko“ mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Jahangir (*1952) arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich als Menschenrechtsanwältin in Pakistan und begründete hier auch eine bedeutende Organisation für Rechtshilfe. Pressemitteilung des Right Livilihood Award zu Jahhangir.

Basil Fernando (Hongkong) wird ebenfalls für seine unermüdliche Arbeit an der Stärkung der Menschenrechte in Asien mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Hier setzt sich der Menschenrechtler bereits seit 30 Jahren für dieses Ziel ein. Basis Fernando (*1944) ist ausgebildeter Jurist und war viele Jahre der Leiter der Asian Human Rights Commission. Pressemitteilung zu Fernando.

Bill McKibben (USA) gelang es, große Aufmerksamkeit für den globalen Klimawandel zu erzeugen, insbesondere in den USA. Dafür wird McKibben mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. McKibben (*1960) gründete dazu die Organsiation 350.org. Pressemitteilung zu McKibben.

Das Preisgeld beträgt 2014 insgesamt ca. 165.000 €. Der Alternative Nobelpreis wird von der Stiftung Right Livelihood Foundation, die 1980 von Jakob von Uexküll gegründet wurde, vergeben. Hier steht der Artikel zum Alternativen Nobelpreis 2012.

Weitere Weblinks:

http://www.rightlivelihood.org/ Homepage der Right Livelihood Foundation

http://www.rightlivelihood.org/the_founder.html – Informationen über den Gründer des Alternativen Nobelpreises Jakob von Uexküll

Stockholm, 14. Oktober 2013

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften* wurde bekanntgegeben, der letzte Preis in der Nobelpreiswoche 2013.

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 2013 geht an die drei US-Wirtschaftswissenschaftler Eugene F. Fama (*1939, Boston), Lars Peter Hansen (*1952, Urbana, Ill.) und Robert J. Shiller (*1946, Detroit) für ihre empirische Analyse der Preisentwicklung von Wertpapieren.

Der diesjährige Nobelpreis gilt der Beobachtung und Analyse der Preisbildung (auch Zinsentwicklung, Volatilität) an Finanzmärkten, also von Aktien, Immobilien und anderen Anlagen, die an Börsen gehandelt werden.

Die Arbeiten der drei Nobelpreisträger wurden zuvor bereits mehrfach mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet.

Insbesondere Robert Shiller ist mit seinen Warnungen vor bedrohlichen Blasen in der Aktien- und Immobilienpreisentwicklung auch in der Öffentlichkeit bekannt geworden, so warnte er z.B. vor der New-Economy-Blase (2000) und auch vor der Immobilienblase in den USA, die zur – derzeit noch bestehenden – Finanzkrise 2008 führte. Seine Forschungsergebnisse eignen sich auch zum besseren Verständnis der Volatilität von Aktien.

Die von den ausgezeichneten Wirtschaftswissenschaftlern entwickelten Modelle zur Analyse der Preisentwicklung von Anlagen sind beispielsweise die in der Fachwelt bekannten Modelle Capital Asset Prizing Model oder auch Fama-French-Dreifaktorenmodell. Fondsmanager nutzten Faktoren aus diesen empirischen Modellen zur Vorhersage der Entwicklung der von ihnen verwalteten Aktien an der Börse.

*Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften wird erst seit 1969 vergeben und ist eigentlich der Preis der Schwedischen Reichsbank auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften zum Andenken an Alfred Nobel. Dieser Preis wurde zum 300-jährigen Bestehen der Schwedischen Reichsbank von ihr 1968 gestiftet (und 1969 erstmals vergeben).

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Das Preisgeld beträgt dieses Jahr ca. 930.000 EUR.

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/economics/laureates/2013/ (Seite der Nobelstiftung)

http://larspeterhansen.org/ (Seite von Hansen an der Universität Chicago)

http://www.econ.yale.edu/~shiller/ (Seite von Shiller an der Universität Yale)

http://www.chicagobooth.edu/faculty/directory/f/eugene-f-fama (Seite von Fama an der Chicago Booth Scholl of Buisiness)

Oslo, 11. Oktober 2013
Um 11:00 Uhr wurde der Träger des Friedensnobelpreises 2013 verkündet.

Der Friedensnobelpreis 2013 geht an die Organisation OPCW, Organization for the Prohibition of Chemical Weapons für den großen Einsatz zur Vernichtung von Chemiewaffen.

Die OPCW vertritt als Organisation das Verbot von Chemiewaffen, sie wurde 1997 gegründet, um die Einhaltung der internationalen Chemiewaffenkonvention, das ist das internationale Abkommen über das Verbot von Chemiewaffen und über die Vernichtung der vorhandenen Chemiewaffenbestände, zu überwachen. Die OPCW hat ihren Sitz in Den Haag und beschäftigt für Ihre Aufgaben zur Chemiewaffenkontrolle ca. 500 Fachleute, Ingenieure und Chemiker.

Dienstsitz OPCW in Den Haag

Dienstsitz OPCW in Den Haag

Die Chemiewaffenkontrolleure und Inspektoren der OPCW sind in diesem Jahr mit der Entsorgung der Chemiewaffenarsenale in Syrien beauftragt. Das Nobelpreiskomitee würdigt in der ausführlichen Begründung der Preisvergabe auch gerade diesen gefährlichen Einsatz.

Kritisiert wird, dass einige Unterzeichnerstaaten der Chemiewaffenkonvention, darunter die USA und Russland, ihre Bestände an Chemiewaffen nicht vollständig abbauen.

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/peace/laureates/2013/ (Seite der Nobelstiftung)

http://www.opcw.org (Seite der OPCW)

Stockholm, 10. Oktober 2013:
Um 13:00 Uhr wurde der Literaturnobelpreis 2013 bekanntgegeben: Literaturnobelpreisträgerin 2013 ist Alice Munro als Meisterin der zeitgenössischen Kurzgeschichte.

Die kanadische Schriftstellerin Alice Munro (*1931 in Wingham, Ontario) veröffentlichte 1968 ihren ersten und gleich nach dem Erscheinen von der Kritik gefeierten Erzählband Dance of the Happy Shades, zu deutsch Tanz der seligen Geister, erschienen 2010 (!) im Dörlemann Verlag. Alice Munro zählt in Kanada, den USA und Großbritannien zu den Bestsellerautoren. Die Auszeichnung mit dem Nobelpreis passt auch zu einem der jüngeren Titel von Munro: Too much happiness.

Alice Munro (Bild: Andreas Vartdal)

Alice Munro (Bild: Andreas Vartdal)

Alice Munro wurde bereits vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem Man-Booker-Preis, dem Booker-Preis für internationale Literatur. Kollegen wie der amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen oder der deutsche Schriftsteller Ingo Schulze drückten bereits früher ihre höchste Wertschätzung für die Geschichten von Munro aus. Der Kinofilm An ihrer Seite (engl. Titel: Away from Her, 2006, Regie: Sarah Polley) beruht auf Munros Kurzgeschichte The Bear Came Over the Mountain.

Werke (u.a.): Dance of the Happy Shades (1968), Lives of Girls and Women (1971), The moons of Jupiter (1977), Runaway (2004), Too much Happiness (2009), Dear Life: Stories (2012)

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):
http://nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2013/ (Seite der Nobelstiftung)

Stockholm, 9. Oktober 2013

Der Chemie-Nobelpreis 2013 geht Martin Karplus, Michael Levitt und Arieh Warshel für die Entwicklung von Multiskalenmodellen für komplexe chemische Systeme, ein Gebiet in der theoretischen Chemie mit dem Verfahren der Computersimulation zum Verständnis über das dynamische Verhalten von Molekülen.

Martin Karplus stammt aus Wien (*1930), seine Familie emigrierte 1938 aus Österreich in die USA, wo er studierte und in der Arbeitsgruppe des berühmten Chemikers und Nobelpreisträger Linus Pauling promovierte. Als theoretischer Chemiker spezialisierte sich Karplus auch auf die Simulation des dynamischen Verhaltens von Molekülen. Karplus ist Mitautor des Computerprogramms CHARMM (Chemistry at Harvard Makromolekular Mechanics), das sich zur Simulation der Moleküldynamik von biologischen Makromolekülen wie Proteinen oder der DNA eignet. Chemikern, die die NMR-Spektroskopie nutzen, ist er auch über die Karplus-Gleichung bekannt.

Martin Karplus

Martin Karplus

Michael Levitt (*1940, Pretoria, Südafrika) erforscht in Stanford als Physiker bzw. Biophysiker die molekulare Struktur und die Dynamik großer biologischer Moleküle wie z.B. Proteine.

Michael Levitt (Bild: Keilan)

Michael Levitt

Arieh Warshel (*1940, in einem Kibbutz in Israel) promovierte nach seinem Studium als Chemiker am Weizmann-Institut in Israel. Danach wechelte er an die Universität Harvard, kam zurück und arbeitete danach an der USC (University of Southern California) auf dem Gebiet der Computersimulation zum Verhalten komplexer biologischer Systeme.

Arieh Warshel (Bild: Cutgunhome)

Arieh Warshel

Hintergrund: Der diesjährige Chemienobelpreis steht für ein modernes Forschungsgebiet der Chemie: Die Computersimulation zur Vorhersage des Verhaltens von chemischen Molekülen. Karplus, Levitt und Warshel sind die Pioniere dieser Methode. Unter Nutzung der Kenntnisse der theoretischen Chemie, d.h. die bekannten quantenmechanischen Beschreibungen von Molekülen, und unter Nutzung der Erkenntnisse aus der Strukturforschung (z.B. aus der Röntgenstrukturanalyse), gelang es Ihnen Computermodelle zur Vorhersage des Verhaltens von Molekülen zu entwickeln. Insbesondere komplexe chemische Systeme, wie z.B. die Proteine in biologischen Systemen können nicht einfach direkt quantenmechanisch berechnet werden, hier hilft die Computersimulation entscheidend weiter. Diese Methode ist auch von medizinischer Bedeutung: So kann per Simulation das mögliche Verhalten von pharmakologischen Wirkstoffen auf Proteine im Körper vorhergesagt werden, so dass diese Daten beispielsweise für das Drug Design genutzt werden können. Ein weiteres Stichwort ist hier das Molecular Modelling. Heute haben alle großen Pharmafirmen spezielle Abteilungen, die sich dieser computergestützten Methoden bedienen. Der Computer ist damit eine Art virtuelles Reagenzglas.

Die Chemie-Nobelpreisträger 2013 forschen alle an renommierten US-Universitäten, Karplus in Harvard, Levitt in Stanford und Warshel an der USC (University of Southern California). Alle drei Chemiker arbeiten auf einem der modernsten Gebiete der Grundlagenforschung in der theoretischen Chemie: der Computersimulation zum Verständnis der Moleküldynamik.

Die Preisübergabe erfolgt im Rahmen einer großen Feier am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Weblink (mit Bildern):

http://nobelprize.org/nobel_prizes/chemistry/laureates/2013/(Seite der Nobelstiftung)

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/chemistry/laureates/2013/press.html (Pressemitteilung der Nobel-Stiftung)

Martin Karplus an der Universität Harvard: http://chemistry.harvard.edu/people/martin-karplus

Michael Levitt in Stanford: http://csb.stanford.edu/levitt/

Arieh Warshel an der USC: http://futura.usc.edu/wgroup/people/warshel/

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »